Das tat weh…

Erst gegen die Bayern und Bremen, jetzt gegen den VfB: Hoffenheim gibt zu viele Punkte ab, wenn die Spiele schon vorbei zu sein scheinen, aber noch nicht zuende sind. Damit bringt man sich unnötig in Tabellennöte und nimmt sich und den Fans die schönsten Momente.

In der ersten Halbzeit sah es ja noch ganz gut aus. Hoffenheim wirkte entschlossen, stand tief und ließ dem VfB keine Gelegenheit zu kontern bzw. überhaupt Torgefahr zu entwickeln. Umgekehrt baute die TSG zunehmend Druck nach vorn auf und erspielte sich Chancen – zwar nicht im Übermaß, aber aussichtsreich. Stuttgart wirkte in dieser Phase extrem blass. Es war klar, wer das Spiel in der Hand hatte: Hoffenheim. Leider brachte nur ein durch Volland verwandelter Strafstoß die knappe Pausenführung ein.

normal_ug059_0373_031015Nach der Pause sah alles lang nicht mehr so gut aus. Stuttgart kam merkbar motiviert aus der Kabine und versuchte sich in schnellen Spielzügen auf immer noch klug verengtem Raum, während Hoffenheim, von der ersten Halbzeit verwöhnt, ansonsten einigermaßen sorglos darauf setzte, die eigene Überlegenheit schon noch in weitere Tore umzumünzen. Ohne einen Gedanken daran, dass Tore, Torchancen und ihre Umsetzung inzwischen das große Sorgenkapitel sind…

Der VfB kam trotzdem immer noch nicht vom Fleck, so dass die Arglosigkeit der TSG mit jeder Minute der noch jungen zweiten Halbzeit zunahm. Dann sorgte VfB-Trainer Zorniger für die entscheidende Wende, indem er nach einer guten Stunde Spielzeit drei Stuttgarter auf einmal auswechselte – mit dem Effekt, dass beim anschließenden Eckball die Zuordnung so schnell nicht gelang und der Ausgleichstreffer fiel.

Verdient war das nicht, aber irgendwie folgerichtig: Hoffenheim spielte zu selbstgefällig, zu sehr auf sich selbst bezogen, führte aber nur mit einem einzigen Tor. In solchen Momenten bietet sich für jeden Gegner die Gelegenheit, mit einer glücklichen Situation ins Spiel zurückzukommen. Und Stuttgart nahm die Einladung dankend an, war jedoch nicht in der Lage, mehr daraus zu machen – so schwach ist der VfB derzeit!

normal_ug101_0632_031015Ein genialer Abwurf von Baumann, der inzwischen deutlich mehr Beschäftigung hatte, landete im Mittelfeld bei Vargas, der Volland steil schickte. Zwar verstrickte sich Volland einmal mehr im direkten Kampf Mann gegen Mann, so dass die Riesenchance vergeben schien, aber dann kam er rechts außen noch einmal an den Ball, drehte sich und hob die Kugel weit über den Torhüter hinweg ins lange Eck.

normal_ug141_1012_031015Also nochmal gut gegangen! Dachten die jubelnden Fans, indes Trainer Gisdol eine Freudenkurve über den Rasen zog. Und dachte wohl auch die Mannschaft, die alsbald wieder in ihren Überlegenheitsgestus verfiel, weitere Konterchancen großzügig liegen ließ und sich, so schien es, immer gemütlicher aufs Ende des Spiels hin orientierte.

Konnte hier noch, gegen einen so schwachen Gegner, etwas anbrennen? Ja, konnte es! Der VfB spürte die Lücke im Motivationszusammenhang der TSG, drückte in der 90. Minute nochmal nach vorn und setzte den zweiten Kopfballtreffer des Tages Olli Baumann ins Netz. Kurz zuvor hatte Gisdol Vargas vom Feld genommen und durch Schär ersetzt. Damit hatte er Stuttgart einen Mann mehr im Spielaufbau beschert und die eigene Defensive möglicherweise destabilisiert, indem bei jetzt drei Innenverteidigern die gewohnte Ordnung auseinander brach.

normal_ug171_7110_031015Und es hätte noch schlimmer kommen können. Werner, eben noch Torschütze des Ausgleichs, hatte das 2:3 auf dem Fuß. Und vergab ebenso unbekümmert, wie die TSG zwei Punkte hergab. Wie es aussah, waren sich beide Mannschaften samt Trainern bei schönstem Kraichgau-Wetter nicht recht im Klaren darüber, dass die Sonne bald nicht mehr so warm auf sie niederscheinen würde, wenn die Leistungsbilanz sich nicht sehr bald deutlich verbessert. „Das wird noch ein harter Weg“, sagte denn auch Doppeltorschütze Volland nach dem Spiel.

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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