Tempofußball in dreifacher Schallgeschwindigkeit war eher nicht der Grund für den ersten Sieg der Saison am Samstag in Augsburg, das über weite Strecken zerfahrene, angespannte, kampfbetonte Spiel hatte nicht viele Höhepunkte. Und trotzdem machte Hoffenheim drei Tore, holte Hoffenheim drei Punkte. Der Grund war eine Willensleistung in der zweiten Halbzeit.

Als Sinnbild dafür konnte jene Szene vor dem Elfmeter gelten, als Volland sich den Ball schnappte und seinen Mitspieler Vargas, der für solche Momente offenbar vorgesehen war, mit dem Arm entschieden von sich wegdrückte. Volland gab später zu Protokoll, er spreche kein Portugiesisch und habe sich eben mit dem chilenischen Kollegen anders nicht verständigen können. Aber aus Volland sprach in diesem Augenblick nichts als die Verkörperung des Willens, mit den unbefriedigenden Resultaten der noch jungen Saison endlich aufzuräumen.

Ansonsten wäre es, wenn sprachliche Feinheiten wirklich von Bedeutung gewesen wären, vermutlich besser gewesen, es mit Vargas auf Spanisch zu versuchen, das man in Chile überwiegend spricht. In Wahrheit ging es aber, wie so oft im Fußball entscheidend, um Körpersprache: Volland trat an und versenkte den Elfer, kompromisslos. Und diese Haltung übertrug sich auf die ganze Mannschaft.

Zu Beginn des Spiels war eine seltsame Stimmung über dem Rasen gelegen. Die Augsburger Fans gedachten in rhythmischen Gesängen ihrer verunfallten Kameraden, bis 15 Minuten nach dem Anpfiff. Zwei junge Fans waren auf der Rückfahrt vom letzten Spiel gestorben, zwei hatten verletzt überlebt, einer rang noch um sein Leben. Die TSG-Fans verzichteten solange ebenfalls auf lautstarke Anfeuerungen ihrer Mannschaft – jeder erinnerte sich an den schlimmen Unfall von Boris Vukcevic, fast auf den Tag drei Jahre zuvor, damals war Augsburg zu Gast in der Rhein-Neckar-Arena.

FC Augsburg - 1899 HoffenheimVerbinden solche schrecklichen Geschehnisse auf ganz tiefe Weise? Fast scheint es so, mindestens klingt es in den Fan-Foren beider Vereine entsprechend nach. Vor drei Jahren endete die Partie torlos, diesmal nicht, aber das Besondere des Spiels ging darüber nicht verloren. Bis zur Halbzeit spürte man noch den Anhauch des Unglücks, da führte Hoffenheim schon lang durch Vollands ersten Treffer nach Vorarbeit durch Rudy und Vargas, während Augsburg wieder zu sich kam und mächtig auf den Ausgleich drängte.

Viel ging nicht zusammen in dieser Phase bei der TSG. Doch Augsburg verpasste es ein ums andere Mal, die sich bietenden Chancen zu nutzen, bis in der 38. Minute doch noch das 1:1 gelang. Danach waren die Fans beider Lager auch stimmlich wieder auf der Höhe. Es entwickelte sich ein halbwegs normales Bundesligaspiel, wenn auch eines, das aus innerer oder äußerer Verkrampfung eher der Kategorie Kellerduell zuzuordnen war.

FC Augsburg - 1899 HoffenheimNach dem Wiederanpfiff wirkte Hoffenheim geschlossener, Augsburg hatte jetzt viel mehr Mühe als zuvor, sich gefährlich nach vorn zu kombinieren. Umgekehrt nahmen die Konterchancen der TSG zu, bis Vargas in der 67. Minute im Strafraum gefoult wurde und Volland die Partie endgültig an sich riss. Nur ein paar Minuten später, in der 73., legte er dann den Ball Schmid vor, der frei aufs Tor zuging und souverän zum 1:3 vollendete.

Für den Rest des Spiels dominierten wieder Kampf und Krampf, aber die drei Punkte (was nunmal das Wichtigste war) blieben erhalten. Dass der Glanz des Spiels gegen Dortmund in Augsburg nicht wiederholt werden könnte, war ja im Vorhinein klar gewesen. Dieselbe Willensleistung zu bringen, war umso entscheidender, und das hat in Halbzeit 2 denn auch geklappt. Hoffenheim hat sich zurück in die Saison gekämpft.

Fotos: dpa

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Alexander H. Gusovius