Letzte Ausfahrt Mainz

Wenn jetzt am Freitag Hoffenheim abends in Mainz antritt, geht es schon um sehr viel. Denn wirklich große Hoffnungen darf man auf das Heimspiel gegen Dortmund wenige Tage später nicht setzen. Der unter Trainer Tuchel runderneuerte BVB scheint die Probleme der letzten Seuchensaison einstweilen überwunden zu haben und stellt mindestens in der Startphase dieser Saison wieder eine der leistungsfähigsten Mannschaften.

Bevor die neue schwarzgelbe Wundertruppe also nächsten Mittwoch bei uns aufschlägt, sollte Hoffenheim in Mainz lieber punkten, sonst droht ein ziemlich schwieriger Start in die neue Saison. Wir verzeichnen gegen Dortmund gerade mal den sechsten Spieltag, aber die Zeichen stehen vermutlich auf tiefe Sorgenfalten, Angstfußball und Sturmböen, wenn Mainz vorher nicht als letzte Ausfahrt vor einem echten Fehlstart genommen wird.

normal_ug024_9533_280215Die Karnevalshochburg dürfte allerdings schwer einzunehmen sein. Mainz hat immerhin sechs Punkte auf dem Konto, nach zwei Siegen und zwei Niederlagen ist die Bilanz ausgeglichen.
Auch nach bisher vier Spieltagen lohnt ein erster Blick in die Statistik, die erst einen einzigen TSG-Sieg in Mainz verzeichnet, und zwar im Jahr 2011. Die Statistik der neuen Saison weist Mainz als sehr faire Mannschaft aus, ziemlich gleichauf mit Hoffenheim. Bei den Eckbällen und Schüssen Richtung Tor gibt es ebenfalls wenig Unterschied, anders als bei der Anzahl der echten Torschüsse: Mainz hat da 17 verwertbare Versuche zu verzeichnen, Hoffenheim nur 10.

Interessant ist das Thema Ballbesitz, denn hier liegt Hoffenheim mit knapp 50% deutlich vorn. Mainz hat es in den vier Spielen geschafft, mit 45% viel eher als Konter- oder Pressingmannschaft zu gelten, eigentlich eine erklärte Domäne der TSG, die also wieder mit Verhältnissen rechnen muss wie gegen Bremen. Mainz wird sich aller Voraussicht nach im eigenen Stadion maximal zurückhalten, während Hoffenheim das Spiel machen muss. Wieder mit Rudy? Vermutlich, sicher mit Vargas.

normal_ug129_9718_280215Von der stringenten Ausrichtung auf Defensive und Konter zeugen auch die vielen Abseitsstellungen der Mainzer. Wenn sie aber mal vorne sind, flanken sie auffallend häufig von rechts, wo bei der TSG Kim verteidigt und also ganz besonders aufpassen muss. Und die Mainzer haben einen klaren Vorteil durch ihr Publikum, das als 12. Mann förmlich mitspielt und eine feine Witterung dafür hat, wann es der Mannschaft aufhelfen muss.

Nimmt man das alles zusammen, wird es auch ohne die eingetretene Drucksituation kein einfacher Gang. Hoffenheim wird in die ungeliebte Rolle als Spielgestalter gedrängt, muss viel Geduld und Einfallsreichtum mitbringen und kann die tief stehenden Mainzer kaum anlaufen, um in Kontern zum glücklichen Abschluss zu kommen. Unmöglich ist es natürlich trotzdem nicht, das Spiel in Mainz erfolgreich zu bestreiten. Bei den Gastgebern wird viel von der Tagesform abhängen, von ihrem Willen und der Bereitschaft, sich in jeden Zweikampf zu werfen.

normal_ug059_1011_280215Das gilt natürlich auch für die TSG, die darüber hinaus viel Spielwitz einbringen muss, um die Mainzer Bastion zu knacken. Das Torverhältnis der Mainzer spricht indessen für sich: sechs geschossenen Toren stehen vier kassierte Tore gegenüber, Hoffenheim wirkt da mit 3:7 Treffern vergleichsweise schwach. Aber das kann sich jederzeit ändern, das Potential dazu hat die Mannschaft allemal. Mainz wäre, so gesehen, genau der richtige Gegner, um das Ruder endlich herumzuwerfen!

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Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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Alexander H. Gusovius