Hmmm…

Es war eines dieser Spiele, die man aus vielen Blickwinkeln beurteilen kann: Punkte verloren, Punkt gewonnen? Aufwärtstrend, Stillstand, Abwärtstrend? Offensivschwäche, Defensivstärke? Mittelfeld als Lücke im System? Und während man noch darüber nachgrübelt, ob man über dieses 0:0 beim Aufsteiger doch irgendwie zufrieden sein kann oder eben gerade nicht, entfährt einem das eine oder andere „hmmm“…

Am besten wäre es, wenn es eines dieser „Hmmms“ von Wicki wäre, dem schlauen Wikingerjungen, der sich dabei immer den Finger quer unter die Nase legt und reibt und sich dann etwas sehr Kluges einfallen lässt, das dem verlorenen Haufen um seinen Vater aus der Patsche hilft. Denn manchmal scheint es, als fehle der Mannschaft genau diese zündende Idee, um ihr wirkliches Potential ins Spiel einzubringen. Damit ist aber nicht der klassische Zehner gemeint, nach dem die Fans in den Blogs seit Tagen verlangen.

Ein klassischer Ideengeber war Firmino nämlich auch nicht. Und gerade in der Rückrunde war auch er häufig genug abgetaucht und Teil einer etwas ratlosen Offensive. Nein, es scheint so, als brauche die Mannschaft insgesamt eine zündende Idee. In den letzten 20 Minuten, als Darmstadt immer müder wurde, konnte man das noch deutlicher sehen als zuvor schon. Hoffenheim ging jetzt immer mehr in den bedingungslosen Angriff, aber die Aktionen wirkten unkoordiniert, blieben Stückwerk und brachten nur selten echte Gefahr.

Fussball: Darmstadt 98 - TSG 1899 Hoffenheim, 29.08.2015Immerhin war mit Schmid und Vargas, dem Neuen aus Chile, mehr Dynamik zu verzeichnen. Die beiden Einwechselspieler brachten frischen Wind in die Hoffenheimer Offensivmüdigkeit und brachen das Darmstädter Bollwerk verschiedene Male wirkungsvoll auf. Aber dann wirbelten derart viele TSG-Offensivtalente durcheinander, dass doch wieder nichts daraus wurde.

Es wäre eine der Hammerangriffsreihen der Liga, wenn diese Offensivpower, bestehend aus Volland, Uth, Kuranyi, Schmid, Zuber und Vargas, koordinierter zuwerke ginge. Aber von diesen sechs Angreifern müsste mindestens einer das defensive Mittelfeld anreichern, wo im Augenblick Polanski und Schwegler einsam ihre Kreise ziehen. Einsam deshalb, weil zwischen ihnen und der Abwehr doch immer wieder eine große Lücke klafft und sie alle Hände voll damit zu tun haben, die Lücken zuzulaufen, so dass dann nach vorn Lücken entstehen.

Alle sechs können nicht gleichzeitig spielen, klar! Trotzdem ist das Potential der sechs gewaltig und sollte in Zukunft noch viel erreichen – wenn die zündende Gesamtidee gefunden ist. Im Moment tut sich die Mannschaft erkennbar schwer, die Trainingsinhalte wirkungsvoll auf den Platz zu bringen, das totale Pressing, die Kurzpässe, das Spiel durch die Mitte, die flachen Bälle.

Manchmal hat man das Gefühl, dass mehr Varianz im Spiel besser wäre, dass die Spieler freier sein müssten zu entscheiden, wie sie in bestimmten Momenten am besten vorgehen, auch um ihren fußballerischen Instinkt zu wecken und zu nutzen. Das starre Schema des totalen Pressings wird vom Gegner ohnehin oft genug durchkreuzt, wie am Samstag in Darmstadt durch betoniertes Verteidigen und hohe Zweikampfhärte.

SV Darmstadt 98 - TSG 1899 HoffenheimFast wäre gegen Ende, als Darmstadts Kräfte am Ende waren, ja der Siegtreffer noch gefallen – der aber, wäre Baumann nicht wieder so reaktionssicher wie zu Beginn der letzten Saison, auch auf Darmstädter Seite hätte fallen können. Und damit sind wir wieder am Anfang, beim nachdenklich gedehnten „hmmm“ – oder bei einem schärferen, unzufriedenen „hm“! Je nachdem:

Doch ein Punkt gewonnen? Oder zwei Punkte verloren? Egal wie, etwas läuft nicht rund in der Mannschaft. Ihr ehrgeiziger Fußball ist noch nicht mit Leben gefüllt, sondern wirkt phasenweise wie am Reißbrett entworfen. Gegen Leverkusen und die Bayern konnte man einigermaßen mithalten, aber nicht bestehen, gegen die Lilien hätte mehr drin sein dürfen.

Man muss jetzt schauen, wie die Partie gegen Werder ausgeht. Die spielerische Leidenschaft der Bremer, mit der sie Gladbach am Boden gehalten haben, wird ein echter Gradmesser. Aber erstmal ist Bundesligapause und Länderspielzeit mit Rudy und Volland, Zeit zum Nachdenken und Nachjustieren. Und dann fängt die Saison für uns wirklich an. Hmmm…

Fotos: dpa

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