Darmstadt, Lilien, Heinerfest

Irgendwann jeden Sommer findet mitten in Darmstadt das jährliche Heinerfest statt, seit 1951. Die Benennung des großen Stadtfestes leitet sich vom Spitznamen der Darmstädter her: Heiner. Doch die Heiner haben eine weitere Attraktion, den SV Darmstadt 98, der auf einmal (keiner weiß so recht, wie es geschah) in der Ersten Bundesliga Fußball spielt und nach zwei Spieltagen (wieder weiß keiner so recht, wie es geschah) noch keine Niederlage eingefahren hat.

Und auch die Fußballer aus Darmstadt haben einen Spitznamen: Lilien. Das kommt von der Blume im Stadtwappen und im Logo ihres Vereins. Doch das Stadtwappen verfügt außerdem noch über einen Löwen. Gut, dass die Darmstädter Fußballer den nicht in ihr Logo übernommen haben, sonst würde es am Ende dauernd zu Verwechslungen mit den Münchener Löwen kommen, den Sechz’gern.
Daran sollte Hoffenheim denken, wenn es am Wochenende nach Darmstadt geht, ins Stadion am Böllernfalltor, damit nicht das Gleiche passiert wie beim Pokal-Aus! Der Underdog hat den eigentlich gut in die Liga gestarteten Schalkern zuletzt ein Unentschieden abgetrotzt. Die Lilien zu unterschätzen kann sich also böse rächen – und nach einem so guten Spiel wie gegen die Bayern ist die Gefahr nicht gering, dass genau das passiert.

normal_ug066_0480_310715Aufpassen, heißt daher die Devise, und sich nicht einlullen lassen davon, dass am Böllernfalltor vieles baulich noch so ist wie einst. Die Umkleide scheint bspw. irgendwo in den Siebziger Jahren stecken geblieben zu sein. Damals in den Ardennen, schwärmen die Romantiker, war der Fußball noch ehrlich und hatte gar nichts mit Geld zu tun. Klar.

Mit dem Geld, das aus dem Rekordtransfer von Firmino stammt, hat Hoffenheim noch einmal nachgelegt und den Chilenen Vargas verpflichtet. In den Fan-Foren raunte es ja immer wieder, dass vielleicht Eduardo zurück zur TSG käme – ein bisschen ist das mit der Verpflichtung von Vargas, der mit Vornamen Eduardo heißt, jetzt wahr geworden. Anscheinend ist er auch ein begnadeter Dribbler.

Zwischen 2001 und 2007 sind Hoffenheim und Darmstadt übrigens schon zehn Mal aufeinander getroffen. Das war noch zu Zeiten der Regionalliga Süd, und die Bilanz ist völlig ausgeglichen, vier Siege, vier Niederlagen, zwei Remis. Für die jetzige Situation lässt sich daraus natürlich nichts ableiten.

normal_ug054_0408_310715Schaut man die schmale Statistik der gerade angelaufenen Saison an, lässt sich aber wenigstens sagen: Hoffenheim sollte dringend öfter Richtung Tor schießen. Gerade vierzehn Mal ist das bisher in zwei Spielen geschehen, davon dreimal als echter Torschuss. Darmstadt hat diesbezüglich mit 20/7 auch keinen Spitzenwert zu verzeichnen, steht aber deutlich besser da (zum Vergleich die Bayern: 44/18).

Beim Foulen liegt Darmstadt auf Platz 2 der entsprechenden Tabelle, knapp hinter dem Foul-König (wen wundert’s?) Augsburg. Die Heiner können es also kantig, aber Hoffenheim belegt immerhin auch schon Platz 5 der Foultabelle. Richtig interessant wird’s beim Ballbesitz: Hier belegen Darmstadt und Hoffenheim mit 38,08% (TSG) und 36,35% (Heiner) die schlechtesten Plätze. Am Samstag treffen zwei Mannschaften aufeinander, die den Ball am liebsten immer nur ganz kurz haben wollen, nämlich um zu kontern, und ansonsten lieber dem Gegner die Initiative überlassen.

normal_ug059_0428_310715Man darf gespannt sein, wer von beiden es schafft, dem andern die Spielkontrolle „anzudrehen“, mit dem Ziel, ihn dann blitzartig zu überfallen. Die Sechz’ger hatten das ziemlich gut hinbekommen, während die TSG mit der Kugel denkbar wenig anzufangen wusste. Das dürfte inzwischen zwar etwas besser gelingen, aber die ersehnten ersten drei Punkte sind alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Darmstadt profitiert noch viel von der Euphorie als frischer Aufsteiger, Hoffenheim steht schon ein wenig unter Druck. Trotzdem – wenn alles normal läuft und falls Vargas dem Angriff den nötigen Schwung verleiht, sollte die TSG als Sieger vom Platz gehen.

Zur Unterstützung für diesen Artikel wurden Informationen herangezogen von:
kicker.de / fussballdaten.de / ran.de
Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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