Bayern München, halbe Freude

Gibt es etwas Schöneres, als die Bayern zu Gast im eigenen Stadion zu haben? Natürlich, noch schöner ist es, sie auch zu schlagen. Das aber ist 1899 Hoffenheim bisher nicht ein einziges Mal gelungen, weder hier noch dort. Und darum wird die Möglichkeit, das Star-Ensemble von der Isar begrüßen und anschauen zu dürfen, letztendlich nur halb so viel Freude machen.

Wenigstens hat Hoffenheim in Leverkusen ansteigende Form bewiesen und das Debakel gegen die Münchener Löwen (fast) vergessen machen. Darum darf man erwarten, dass unsere Mannschaft kein Kanonenfutter-Spiel abliefern wird wie 2012 unter Trainer Babbel, als sie in München mit 7:1 unter die Räder kam und ihr einziges Tor auch noch durch Ex-Kollege Luiz Gustavo per gnädigem Eigentor fiel. Nein, das darf schon deshalb nicht passieren, weil das Spiel am Samstag gegen die Bundesliga-Elitetruppe dann gar keinen Spaß mehr macht.

normal_ug092_2091_180415Immerhin hat Hoffenheim in der Vergangenheit auch schon viermal ein Unentschieden gegen die Bayern erreicht. Das letzte Mal im März 2014, so dass es eigentlich mal wieder an der Zeit wäre. Dazu müsste unsere Mannschaft aber nochmal einen großen, sehr großen Sprung machen und einen echten Sahnetag erwischen, während die Bayern einen Super-Sorglos-Tag hinlegen müssten. Ganz unmöglich ist es trotzdem nicht, die Bayern sind zu Beginn einer Saison leichter zu knacken als später, wenn sie erstmal ihre Stammformation gefunden haben.

Richten wir uns aber lieber darauf ein, dass wir am Samstag nur halbe Freude am Spiel haben werden. Wenn man ehrlich ist, haftet den Bayern inzwischen auch ein etwas kälterer Glamour an als früher, so dass man ihr Team ohnehin weniger erfreut als ehrfürchtig spielen sieht. Denn die Bayern laufen Gefahr, auf ihrem Weg zu den wenigen Spitzenteams der Welt ihr „Mia-san-mia“ zu verlieren, jenen bajuwarisch-trutzigen, glanzvollen Stolz, der sie zu einem echten, regional eingefärbten Markenprodukt machte.

normal_ug010_1480_180415Und so läuft die finanziell bestens geölte Bayernmaschine zwar immer perfekter, bietet aber auch immer weniger Identifikationspotential. Die Verpflichtung von Spielern wie Alonso und Vidal mag sportlich gesehen sinnvoll sein, aber der Verlust von Schweinsteiger und Kroos hat mehr Image gekostet, als Vidal und Alonso sportlich einbringen. Die Perfektion im Spiel, die Guardiola befördert, passt nicht perfekt zu den Bayern. Das ist ein bisschen wie mit den gezähmten Motoren der Formel 1 – irgendetwas Authentisches, Wildes fehlt.

normal_ug109_9115_180415Lehnen wir uns also entspannt zurück bis Samstag und achten wir beim Spiel eher auf die nächsten Entwicklungsschritte unserer Mannschaft. Voraussichtlich wird sie sich nach dem 2. Spieltag am Tabellenende wiederfinden, hat sich aber in den Partien gegen Leverkusen und die Bayern vielleicht das Rüstzeug geholt, um taktisch und konditionell gestärkt in die nächsten Spiele zu gehen. Mehr kann und darf man im Moment nicht erwarten. Außer die TSG geht wie in Leverkusen wieder früh in Führung, baut sie sogar aus und gewinnt am Ende knapp. Ein bisschen wird man ja noch träumen dürfen…

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kicker.de / fussballdaten.de
Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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