Es geht wieder los!

Vorbei die Zeit langweiliger Schwimmbadbesuche… Vorbei das zähe Glück überfüllter Eisdielen und armseliger Ausflugsfahrten im ununterscheidbaren Wechsel gesichtsloser Tage… Ab jetzt verdienen sich die Wochenenden wieder ihren Namen! Aber nicht, weil die Woche vorbei ist, sondern weil sie da ihren Höhepunkt hat. Weil wieder Fußball gespielt wird.
Der Familientag der TSG bildete wie in jedem Jahr den Auftakt dazu. Am Samstag lockten allerlei Vergnügungen für Kinder und Eltern rund ums Stadion tausende Besucher an, das Wetter gab sich kraichgau-typisch ideal – und im Anschluss wurde unsere vielfach erneuerte Mannschaft in ein Testspiel gegen den AFC Bournemouth geschickt. Nicht alle waren danach rundum zufrieden, auch nicht mit den Belustigungen im Vorfeld. Die Preise für Essen und Trinken schienen etwas hoch angesetzt zu sein, fürs Parken wollte an so einem familiär geprägten Tag nicht jeder gern 5 € entrichten, die aufgestellten Klos machten nicht durchgängig einen einladenden Eindruck, einige ultrarechte Jugendliche zogen über den Platz – und auf den Rängen wurde man von erstaunlich viel Spinnweben und anderen Restbeständen empfangen, die mit Hochdruckreinigern gut zu entfernen gewesen wären.

normal_ug042_1545_010815Trotzdem hat es den meisten, vor allem den Kleinen, sichtbar Spaß gemacht, auch wenn der festliche Faktor durch etwas mehr Abwechslung und Neuerungen von Familientag zu Familientag auf längere Sicht nochmals zu steigern sein würde. Es war einfach schön, wieder da zu sein! Da schadete es auch nicht, dass die Partie gegen Bournemouth, Aufsteiger in die Premier League, nicht gerade ein Zungenschnalzer war. Ein bisschen konnte man sogar froh darüber sein, denn allzu glanzvolle Spiele in der Vorbereitung sorgen oft für böses Erwachen, wenn es ernst wird.
Das Spiel unserer TSG wirkte irgendwie unfertig, die Mannschaft fand sich noch nicht zurecht in ihrer neuen Struktur – was uns als Zuschauern aber ähnlich geht. Viele neue Namen, Gesichter und Typen gilt es sich einzuprägen! Schär, Kaderabek, Uth, Joelinton, Schmid und die Neuen aus der Jugendabteilung wie Ochs, Gimber, Mees und Rupp muss man erstmal innerlich integrieren, bis man sie mit geschlossenen Augen vor sich sieht wie Schipplock, Firmino, Beck, Salihovic und Modeste, die gegangen sind.

normal_ug059_0763_010815Vor einem Jahr gab es ebenfalls nicht wenige neue Spieler: Bicakcic, Kim, Schwegler, Szalai, Baumann. Aber deren Spielweise und Gesichter konnte man sich viel leichter erschließen, denn die Struktur der Mannschaft blieb davon unverändert. Diesmal fällt der Umbruch zur neuen Saison viel gravierender aus, so dass es kein Wunder ist, wenn die Mannschaft selbst noch um ihre Form ringt.
Als Kevin Kuranyi den Rasen betrat, musste man sich fast die Augen reiben. Auch nach fünf Jahren in Russland ist Kuranyi immer noch völlig vertraut – ein bisschen wie ein langjähriger Tatort-Kommissar –, aber dass er bei uns mitspielt, wirkt dann doch, wie wenn man jenem Tatort-Kommissar in der heimischen Fußgängerzone begegnet. Dass Kuranyi das Fußballspielen nicht verlernt hat, sah man allerdings sofort, er verfügt über viel Spielübersicht, schlägt atemberaubend präzise Pässe und hat konditionell offenbar gute Grundlagen.

normal_ug089_0952_010815Leider verletzte sich Uth, auf den alle gespannt waren, schon sehr früh. Damit war unklar, für wieviel Gefahr diese Neuerung vorne sorgen würde. Und weil Bournemouth sofort ernst machte in diesem Testspiel, blieb unserer Mannschaft keine Zeit, sich in ihre neue offensive Struktur hineinzutasten, defensiv sah das Spiel schon sehr gut aus. Offenbar liegen die Probleme vor allem in der Ballverteilung im Mittelfeld, wo die vielen Positionswechsel von Zuber, Volland und Schmid wenig Sicherheit erzeugten, woran auch Elyounoussi in der zweiten Halbzeit nichts zu ändern vermochte.

normal_ug045_0720_010815Neben dem ersten Auftritt von Kuranyi war die vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2019 von Niklas Süle, der nach langer Verletzungspause ein glänzendes Comeback gab, die Sensation des Tages. Und zusammen mit Schär scheint er ein kongeniales Paar in der Innenverteidigung zu bieten. Hier deutet sich eine Stabilität an, die sich von dort schrittweise auf die ganze, neu zusammengestellte Mannschaft übertragen kann – und muss. Denn mit 1860 München wartet nächsten Samstag im Pokal keines der üblichen Fliegengewichte auf uns.

Und dann geht’s zum Liga-Auftakt nach Leverkusen, danach kommen die Bayern! So schwer das alles wirkt, überwiegt doch die Freude. Der Fußball ist zurück, die Wochen sind gefüllt mit Vorfreude, die Wochenenden strotzen wieder vor Adrenalin. Gut so!
Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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