Drei, zwo, eins, morgen…

Morgen kommt „111 Gründe, 1899 Hoffenheim zu lieben“ in den Handel. Wer’s nicht in einen Buchladen oder morgen beim Familientag der TSG in den Fanshop schafft, kann das Buch auch beim Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf direkt oder via www.1899.me bestellen. Amazon geht natürlich ebenfalls… Zum letzten Mal gibt es heute exklusiv auf dem Hoffenheimblog einen weiteren kleinen Auszug zu lesen – danach muss jeder selbst ran.

  1. Grund: Weil unsere Fans die besten, schrägsten, herzlichsten verrücktesten, leidenschaftlichsten, wunderbarsten Fans der Welt sind

Unsere Fans sind so eigentümlich und schillernd bunt, wie sich das kaum einer außerhalb der Region vorstellen kann. Im Altersdurchschnitt sind sie um einiges älter, als man es von anderen Vereinen kennt. In der Regel haben sie vorher anderen Vereinen angehangen, wie Karlsruhe, Stuttgart oder Mannheim.

Fans, die von Kindesbeinen an für 1899 Hoffenheim schwärmen, kann es in größerer Zahl ja auch gar nicht geben. Die TSG ist gut 10 Jahre im Profifußball unterwegs, kaum 10 Jahre auf der großen Fußballbühne sichtbar. Wer von klein auf zu ihr hielt, ist entweder immer noch ein Kind oder Jugendlicher – oder kann nur ein geborener Hoffenheimer sein. Alle anderen sind notwendig dazugekommen, aus den Dörfern der Nachbarschaft und der Region, aus den Städten und umliegenden Regionen.

Das führt dazu, dass es einen überproportional großen Anteil von Hoffe-Fans gibt, deren ländliche Knorrigkeit echte Bodenständigkeit bedeutet. Sie sind, wenn man so sagen will, authentisch bis zur Schmerzgrenze, auch für den Verein, der es nicht immer leicht hat mit diesen eigensinnigen, selbstgeprägten Fans. Um sich vorzustellen, mit wem man es da zu tun hat, liegt man wieder mal nicht falsch, wenn man sich das Gallische Dorf von Asterix und Obelix in Erinnerung ruft. Besonders an jene Dorfzusammenkünfte muss man denken, wenn in heißen Diskussionen ein Wort das andere gibt und früher oder später Fische durch die Luft fliegen.

Wirklich zu einigen ist so viel eigenwilliges Temperament nur, wenn die Dorfgemeinschaft auszieht, um römische Legionen zu attackieren und in Furcht und Schrecken zu versetzen. Das ist den Spielen von 1899 Hoffenheim, wenn durch unseren Fußball Traditionsklubs ins Wanken geraten, durchaus vergleichbar.

normal_ug_0874_060210Vorher und nachher ist der typische Hoffenheim-Fan ganz anders. Er weiß zum Beispiel, dass man sich den Fußball erstmal verdienen muss. Dazu müssen samstags, bevor es losgehen kann, die Hecke geschnitten, der Rasen gemäht und das Auto gewaschen sein, Altglas und Altpapier müssen noch weggebracht werden, der Großeinkauf ist zu erledigen usw. usf. Erst wenn das alles erledigt ist, worüber die Nachbarn natürlich genau Bescheid wissen, erst dann steht der Besuch eines Hoffenheim-Spiels offen.

Kommt hinzu, dass die Region zwar sehr ländlich, aber auch recht wohlhabend, gut gebildet und sozial intakt ist. Die Legitimation, ins Stadion zu gehen, hängt bei Jugendlichen darum auch von guten Noten ab. In Hochburgen des Fußballs wie Gelsenkirchen ist das gerade andersherum, erstmal geht’s auf Schalke – so bekommt man die Legitimation, ein sozialer Mensch zu sein. Dafür hängt es für Hoffe-Fans nicht davon ab, wie ein Spiel ausging, um am Samstagabend noch Spaß zu haben. Im Kraichgau kann man nach Niederlagen sogar der Liebe frönen – der Fußball ragt lang nicht so tief in die Gemüter hinein wie bei den eingefleischten Fans lang etablierter Vereine.

Trotz allem ist das Fanwesen von Hoffenheim überraschend „herzblutig“. Tattoos „In ewiger Treue“ findet man bei den Fans in nicht geringer Zahl – und als das Badener Lied, sozusagen die Nationalhymne Badens, zu Beginn der Bundesligazeit nicht mehr gespielt wurde, regte sich nach zwei Spielen scharfer Protest gegen diese Maßnahme, die zum „Schutz“ der schwäbischen Fans getroffen worden war, die Hoffenheim eben auch hat. Seither wird das Badener Lied wieder gespielt. Die ca. 1200 Hardcorefans der Südkurve sind es zufrieden, die 30.000 normalen Fans natürlich auch.

Hoffenheim hat sogar einen Ultra-Fanverband namens 11hoch3. Es gibt aber nicht sehr viele Ultra-Fans, zu erkennen an den schwarzen Kutten, in denen sie umherziehen. Generell übt sich mäßigend aus, dass der durchschnittliche Hoffe-Fan, der sich in Fanclubs organisiert, etwas älter ist. Graue Haare sind hier keine Seltenheit.

Entsprechend groß ist das Selbstbewusstsein der Fans. Die weit verbreiteten Anfeindungen machen ihnen nicht viel aus. Aber sie sind auch nicht leicht zu beeindrucken, wenn ihr Verein etwas von ihnen will. Entlang der überwiegenden Herkunft aus vielen vereinzelten Dörfern sind sie das Für-sich-stehen gewöhnt. Hoffenheim muss sich, ihrem etwas trutzigen Selbstverständnis nach, an sie anpassen.

normal_ug_0934_060210Sie selber werden sich nie anpassen, soviel ist klar, bei aller Liebe. Für die meist anderswoher stammende Geschäftsführung ist es nicht immer einfach, mit ihren Fans überhaupt ins Gespräch zu kommen – und wenn doch, dann richtig ernst genommen zu werden. Ein Hoffe-Fan hat das einst in die bezeichnenden Worte gefasst: „Die müssen erstmal verstehen, dass bei uns jeder zweite einen Traktor im Stall stehen hat. Solange die das nicht begreifen, reden wir aneinander vorbei.“

Einer, der es begreift und verkörpert, ist Dietmar Hopp. Indem er in Hoffenheim selbst Fußball gespielt hat und seiner Region immer treu geblieben ist, hat der Verein auch im Profi-Geschäft ständig Kontakt zu seiner Kraichgau-DNA gehalten.

Fotos: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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