Unfrohes Mittelmaß

Jetzt ist es amtlich – besser als auf Platz 8 wird die Saison nicht enden. Nach so vielen weggegebenen Rückrunden-Punkten hätte Hoffenheim ausgerechnet aus Leverkusen Zählbares mitnehmen müssen, um daran etwas zu ändern. Bestand wirklich eine Chance, tabellenmäßig nochmal zu klettern? Ja und nein.

Wobei, wenn man ehrlich ist, das Nein überwog. In der ersten Halbzeit spielte die TSG noch gut mit und setzte Leverkusen durch extrem hohes Pressing gehörig unter Druck. Das war nicht ohne Risiko, Baumann musste wiederholt retten und tat das auch, teils spektakulär. Aber die Mannschaft erspielte sich zugleich exzellente Chancen, selber in Führung zu gehen, die Modeste und Elyounoussi leider nicht nutzten. Je länger das so ging, je mehr beschlich einen das Gefühl kommenden Unheils: Hoffenheim neigt in solchen Situationen zu Konzentrationsaussetzern.

Leverkusen, Bayarena, 16.05.15: Heung-Min Son (Bayer 04 Leverkusen) (M) umspielt Sebastian Rudy (TSG Hoffenheim) (L) und Jin-Su Kim (TSG Hoffenheim) im Spiel der 1. Bundesliga zwischen Bayer 04 Leverkusen vs. TSG 1899 Hoffenheim in der Saison 2014/2015.

Leverkusen, Bayarena, 16.05.15: Heung-Min Son (Bayer 04 Leverkusen) (M) umspielt Sebastian Rudy (TSG Hoffenheim) (L) und Jin-Su Kim (TSG Hoffenheim) im Spiel der 1. Bundesliga zwischen Bayer 04 Leverkusen vs. TSG 1899 Hoffenheim in der Saison 2014/2015.

Ein äußerst leichtfertig verlorener Ball im Mittelfeld kurz vor der Halbzeit leitete denn auch das Verhängnis ein. Mittelbare Folge war ein Freistoß für Leverkusen, den Calhanoglu flatternd vors Tor brachte. Oliver Baumann verkalkulierte sich, griff daneben und hatte allein auszubaden, was in Wahrheit im Mittelfeld verbockt worden war, wo es über die gesamte Saison hinweg zu keiner Besserung in Sachen Strukturbildung gekommen ist.

Leverkusen, Bayarena, 16.05.15: Hakan Calhanoglu (Bayer 04 Leverkusen) (R) gegen Tobias Strobl (TSG Hoffenheim)  im Spiel der 1. Bundesliga zwischen Bayer 04 Leverkusen vs. TSG 1899 Hoffenheim in der Saison 2014/2015.

Leverkusen, Bayarena, 16.05.15: Hakan Calhanoglu (Bayer 04 Leverkusen) (R) gegen Tobias Strobl (TSG Hoffenheim) im Spiel der 1. Bundesliga zwischen Bayer 04 Leverkusen vs. TSG 1899 Hoffenheim in der Saison 2014/2015.

Leverkusen war bis zu diesem Zeitpunkt aufreizend sorglos durch die Partie gegangen, bekam aber in der Pausenansprache offenbar den Kopf gewaschen und nahm die Zügel in der Folge in die Hand. Hoffenheim war darauf anscheinend nicht gut vorbereitet. Nahezu nichts ging mehr nach vorn, das Mittelfeld knickte regelrecht ein – und die Abwehr wackelte vor allem im Zentrum bedenklich. Nach einer Stunde gab es dafür die Quittung durch Kießling.

Was danach folgte, war ehrliches Bemühen, selber doch noch ein Tor zu erzielen. Echte Chancen dazu hatten Schwegler eine Viertelstunde vor Schluss und Strobl kurz vor dem Abpfiff. Insgesamt jedoch fehlte es sichtbar an frischen Ideen, um die Cleverness wirksam auszuhebeln, mit der Leverkusen das 2:0 über die Runden brachte. Vor allem litt das Kurzpassspiel, mit dem unsere Mannschaft Mal ums Mal und sehr einseitig Druck aufzubauen versuchte, unter mangelnder Präzision.

Leverkusen, Bayarena, 16.05.15: Tin Jedvaj (Bayer 04 Leverkusen) (L) im Kopfballduell mit Kevin Volland (TSG Hoffenheim) im Spiel der 1. Bundesliga zwischen Bayer 04 Leverkusen vs. TSG 1899 Hoffenheim in der Saison 2014/2015.

Leverkusen, Bayarena, 16.05.15: Tin Jedvaj (Bayer 04 Leverkusen) (L) im Kopfballduell mit Kevin Volland (TSG Hoffenheim) im Spiel der 1. Bundesliga zwischen Bayer 04 Leverkusen vs. TSG 1899 Hoffenheim in der Saison 2014/2015.

Firmino, der gelbgesperrt fehlte, hätte jetzt wertvolle Impulse geben können, wäre er nicht in den letzten Spielen dadurch aufgefallen, dass er eben nicht auffiel. Deshalb vermisste man ihn auch nicht mehr, als die Mannschaft sich im Gegner zahnlos verbiss und von der Realität eingeholt wurde – einer Realität, die als ausgemachte Sturmschwäche daherkommt. Woran auch die Einwechslung von Szalai und die erneute Umstellung auf eine Dreier-Abwehrkette nichts zu ändern vermochten…

Für eine endgültige Bilanz ist es dennoch zu früh. Man kann aber feststellen, dass Hoffenheim nur zu Beginn der Saison und ab und zu zwischendrin richtig guten Fußball spielte und auf irgendeine seltsame Art den Bezug zu sich selbst verloren hat. Leverkusen musste nur das Nötigste tun, um das Spiel zu gewinnen. Unsere Mannschaft dagegen konnte machen, was sie wollte, und kam an Leverkusen doch nicht heran. In der Summe ist – nicht nur tabellarisch – ein unfrohes Mittelmaß entstanden, das sich inzwischen durch die gesamte Mannschaft zieht. Ein Heimsieg gegen die Hertha wäre darum ein wichtiges Zeichen für die Zukunft.

 

 

Fotos: dpa

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Alexander H. Gusovius