Auf und nieder, immer wieder…

Hoffenheim hat sich, auch wenn es außerhalb der Region niemanden groß interessiert, bis auf die Knochen blamiert. Statt des erwarteten zielorientierten Auftritts („Europa“) legte die TSG einen müden Tanz aufs Parkett – mit zwei Gesichtern in zwei Halbzeiten. Den Anspruch, wenigstens am Rande zur Spitzengruppe der Bundesliga zu gehören, konnten Mannschaft und sportliche Leitung in Frankfurt nicht untermauern.

Vielleicht liegt es auch daran, dass 1899 Hoffenheim in den großen TV-Fußballdebatten nicht mehr vorkommt. Das große Palaver gegen uns ist in eine Art Wegschweigen gemündet, statt Vorbehalten oder sogar Hohn vernimmt man – gar nichts. Ob im Doppelpass oder in der KIA-Fußballdebatte: Hoffenheim findet nicht statt. Das war letzte Saison noch anders, als man dem TSG-Spektakelfußball allein wegen seiner Schlagzeilenträchtigkeit nicht ausweichen konnte.

Aber was war nun in Frankfurt eigentlich los? Nach dem großartigen Spiel gegen Dortmund durfte man sicher sein, dass Hoffenheim auf der Zielgerade der Saison nochmal Gas geben und die schlechte Rückrunde vergessen machen würde. Doch statt die Erfüllung eines „Traums“ (Markus Gisdol zum Thema Europa) zu erleben, bereitete der Auftritt in Frankfurt zwei 45-minütige Alpträume. Denn auch wenn sich die Wucht der Kritik in den meisten Kommentaren gegen die erste Halbzeit entlud, verlief die zweite Halbzeit trotz des Tores von Volland kaum erfolgreicher als die erste.

FRANKFURT, DEUTSCHLAND, 09.05.15, FUSSBALL - Eintracht Frankfurt vs TSG 1899 Hoffenheim, 1. Bundesliga, Saison 2014-2015. Bild zeigt: Torjubel nach dem Tor zum 1:0 durch  Bastian Oczipka (Eintracht Frankfurt)

FRANKFURT, DEUTSCHLAND, 09.05.15, FUSSBALL – Eintracht Frankfurt vs TSG 1899 Hoffenheim, 1. Bundesliga, Saison 2014-2015. Bild zeigt: Torjubel nach dem Tor zum 1:0 durch Bastian Oczipka (Eintracht Frankfurt)

Die zweite Halbzeit war einfach nur anders erfolglos bzw. „ernüchternd“ (Alexander Rosen über die erste Halbzeit). Und Hoffenheim lieferte nach einer sehr guten Darbietung in Dortmund mal wieder eine sehr schlechte ab. Es sieht so aus, als würden gute Spiele allen Beteiligten etwas zukopfe steigen – worauf unweigerlich böses Erwachen folgt. Schaut man genauer hin, zeigt sich indessen auch, dass Hoffenheim nicht gut mit wechselnden Szenarien umgehen kann.

Zum Beispiel war Frankfurt ein ganz anderer Gegner als Dortmund. Sah es in den ersten Minuten noch so aus, als wäre diese verunsicherte, grob strukturierte Mannschaft relativ leicht aus den Angeln zu heben, kam es durch ihren ruppigen Stil umgekehrt zu einer tiefen Verunsicherung der TSG, die offenbar nicht gut darauf vorbereitet war, dass der Gegner nicht spielen, sondern nur stören wollte und keinen exakten Plan hatte, selber zu Toren zu kommen. Statt sich also aufs zähe und chaotische Spiel Mann gegen Mann einzulassen, wich Hoffenheim dem unschönen Fußball der Hessen aus – und erschrak bis in die Wurzeln, als die vermeintlichen Rumpelfußballer vom Main die dadurch sich ergebenden Kontermöglichkeiten auch noch nutzten. Hoffenheim war, anders gesagt, einfach nicht darauf eingestellt, dass die eigene Spielentfaltung derart simpel unterbunden werden könnte.

FRANKFURT, DEUTSCHLAND, 09.05.15, FUSSBALL - Eintracht Frankfurt vs TSG 1899 Hoffenheim, 1. Bundesliga, Saison 2014-2015. Bild zeigt:Haris Seferovic (Eintracht Frankfurt)  Andreas Beck (Hoffenheim)

FRANKFURT, DEUTSCHLAND, 09.05.15, FUSSBALL – Eintracht Frankfurt vs TSG 1899 Hoffenheim, 1. Bundesliga, Saison 2014-2015. Bild zeigt:Haris Seferovic (Eintracht Frankfurt) Andreas Beck (Hoffenheim)

Nachdem es zur Pause 3:0 stand, schaltete die Eintracht allerdings keinen Gang zurück, was auch nicht gut möglich war angesichts des reinen Nutznießer-Fußballs der Hessen. Dafür verlegte sich Frankfurt jetzt darauf, den Vorsprung mit maximalem Einsatz zu verteidigen, während Hoffenheim mit drei Wechseln sein bisheriges Konzept über den Haufen warf. Hatte man in der ersten Halbzeit noch mit langen Bällen oder Ballstaffetten in die Mitte spielen wollen, wo die beiden langen Stürmer Szalai und Modeste als Verwerter bereit standen, wurden mit Elyounoussi und Zuber zwei Flügelstürmer eingewechselt und die Vierer-Abwehrkette in eine Dreier-Abwehrreihe umgewandelt.

Damit sollte ein Übergewicht im Mittelfeld erzeugt und Druck über die Flanken aufgebaut werden. Doch statt die sofort wieder einsetzende allgemeine Frankfurter Verunsicherung zu nutzen, spielte sich Hoffenheim in den zweiten 45 Minuten permanent in der Mitte fest. Statt das Spiel auseinander zu ziehen und das Frankfurter Bollwerk in Einzelstücke zu zerlegen, drängte sich die gesamte Offensivabteilung mittig zusammen und machte es den Gastgebern in dieser vielfüßigen Enge leicht, ihren Vorsprung zu verteidigen.

FRANKFURT, DEUTSCHLAND, 09.05.15, FUSSBALL - Eintracht Frankfurt vs TSG 1899 Hoffenheim, 1. Bundesliga, Saison 2014-2015. Bild zeigt: Andreas Beck und Tarik Elyounoussi (TSG Hoffenheim) ,Haris Seferovic  (Eintracht Frankfurt)

FRANKFURT, DEUTSCHLAND, 09.05.15, FUSSBALL – Eintracht Frankfurt vs TSG 1899 Hoffenheim, 1. Bundesliga, Saison 2014-2015. Bild zeigt: Andreas Beck und Tarik Elyounoussi (TSG Hoffenheim) ,Haris Seferovic (Eintracht Frankfurt)

Was hier sichtbar wurde, ist auch in der Vergangenheit öfters deutlich geworden: Hoffenheim verfügt über keine echte Variabilität in der Spielentfaltung. Das tief verinnerlichte Konterprinzip führt zum Scheitern, wenn die Gegner selber hinten lauern und darauf geeicht sind, die technisch oft nicht hochwertig genug ausgeführten Ballstaffetten zu unterbinden. In der Not müssen dann lange Bälle nach vorn herhalten, die mal Glück bringen, mal eben auch nicht. Insgesamt ist das Hoffenheimer Konzept leicht auszurechnen. Erfolg bringt es dann, wenn der Gegner sich selber verzettelt und die TSG die Qualität ihrer Einzelspieler ausspielen kann.

 

Die Katerstimmung ist nach der Niederlage in Frankfurt groß, gepaart mit einiger Ratlosigkeit. Wie es aussieht, liegt man ein ganzes Stück weit hinter den eigenen Möglichkeiten und Ansprüchen zurück. Und es bleibt keine Zeit mehr, substantielle Antworten darauf zu finden und den Kurs entscheidend zu ändern. So dass unterm Strich die Erkenntnis wächst, dass Hoffenheim in der Bundesliga mithalten kann, aber fürs obere Drittel nicht stark genug ist. Zwei Jahre nach dem Fast-Abstieg ist das aber keine so üble Sache.

Fotos: dpa

Deine Meinung zum Artikel:
Alexander H. Gusovius