Da legst di nieda

Eine gefühlte Ewigkeit lang, scheinbar fest gebucht, lag Hoffenheim auf Platz 7 der Tabelle. Das war schon am 16. Spieltag so, als Werder Bremen die Tabelle noch von unten anführte. Doch auf einmal ist Bremen an Hoffenheim vorbei und Platz 7 Vergangenheit.

Klar, niemand erwartet, dass man gegen die Bayern drei Punkte holt. Nicht mal einen einzigen würde man zur Vorgabe machen. Andererseits, letzte Saison gelang der TSG in München ein 3:3, obwohl die Bayern keine nennenswerten Krankenstände hatten. Dafür war unsere Mannschaft viel offensiver eingestellt und hatte Modeste auch getroffen. Danach setzte es zwar erstmal drei Bayern-Tore in schneller Folge, aber mit viel offensivem Mut schlug das Pendel spektakulär zurück.

normal_ug020_1614_180415Diesmal lagen die Dinge ein bisschen anders. Statt der Spektakelsaison spielen wir eine beherrschte Form des Fußballs und versuchen, den Spielverlauf zu unseren Gunsten zu kontrollieren. Was mal besser, mal weniger gut klappt – und gegen die Bayern, wenn man ehrlich ist, in die Hose ging. Ihr dezimierter Kader hätte wohl öfter unter Druck gesetzt werden müssen, um zu gewinnen.

Sicher, hätte Modeste getroffen und wäre der fällige Strafstoß gegeben worden, würde sich ein anderes Spiel ergeben haben. Die Bayern hätten mehr Risiko spielen müssen, es hätten sich Konterchancen ergeben. Aber als Hoffenheim gegen Ende der ersten Halbzeit zurücklag und sich zum ersten Mal zu regulären Angriffen aus dem Spiel aufraffte, da brannte es sofort im Strafraum der Bayern. Offenbar gab es auch ohne Modestes Treffer und ohne Elfmeter einen Weg zum Erfolg.

normal_ug049_1844_180415In der zweiten Halbzeit würde Hoffenheim, klug geworden, darum den Weg nach vorn suchen, mit aller Macht. Dachte man, und die Mannschaft stand auch nicht mehr ganz so tief wie in Teil 1, doch kam es in den gesamten 45 Minuten nur zu zwei nennenswerten Torschüssen. Und damit war erneut die Gelegenheit verstrichen, eine der großen Mannschaften der Liga zu besiegen – und zum allersten Mal sogar die Bayern, die immerhin ohne Robben, Ribéry, Schweinsteiger, Lahm und Alaba angereist waren und Alonso auf der Bank ließen.

Hinterher ist man immer klüger, trotzdem: Hoffenheim wirkte gegen die Bayern wie gehemmt (und das nicht zum ersten Mal in dieser Saison) und kassierte wie in anderen Spielen irgendwann genau die Tore, die man mit der kontrollierten Spielweise gerade verhindern will. Aus diesem Dilemma gibt es nur zwei Auswege. Entweder kriegt man die Spielkontrolle noch hin, oder man kehrt zum defensiv sorglosen Spektakel-Offensiv-Fußball zurück. Sonst heißt es noch öfter, als eigentlich gerechtfertigt ist: Da legst di nieda.

normal_ug108_9101_180415Und so bleibt die entscheidende Nachricht der Woche die Vertragsverlängerung von Markus Gisdol bis ins ferne Jahr 2018 – seinerseits eine Entscheidung hin zu gewichtigen Jahren, die Hoffenheim bevorstehen. Seitens der TSG ist das eine Entscheidung hin zu Kontinuität und Ruhe. Wir dürfen natürlich gespannt sein, ob die nordbadische Welt mit ihrem Hang zum soliden Drama damit wirklich abschließend in ruhiges Fahrwasser gelangt. In jedem Fall ist die Nachricht von den Fans begeistert aufgenommen worden und verbreitet viel Zuversicht.

Fotographie: Uwe Grün, Kraichgaufoto

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Alexander H. Gusovius