Rhein-Neckar-Energie

Köln, das ist Adenauer und Millowitsch, Karneval und Kölsch, Tünnes und Schäl, Ziegenbock und Fußball, viel Kurioses und manches Liebenswerte mehr. Rhein-Energie heißt das Stadion in Köln, gebaut für die WM 2006, in dem der FC zweiwöchentlich (und am Sonntag auch die TSG mal wieder) aufläuft und für hammermäßige Stimmung sorgt. Wobei eigentlich das Publikum selbst dafür sorgt, dessen leicht entflammbare Herzen nicht viel fußballerische Qualität brauchen, um schwärmerisch zu werden und ihre Kölner Traumpfade in stimmgewaltiger Kulisse zu entladen.

Dabei sind die Zeiten von Overath, Littbarski und Poldi lang vorbei. Aber das nimmt von der Kölner Begeisterungsfähigkeit nichts weg, selbst nicht in Zeiten vergleichsweise ruhigen Managements und eines Trainers, der die defensive Ausgewogenheit sucht und praktiziert, so dass der FC in dieser Saison tatsächlich etwas von der tief-ruhigen Energie des Rheins zu haben scheint. Schon gar keinen Mangel an Begeisterung kennt das Kölner Publikum, wenn es gegen Hoffenheim geht. Nein, nicht aus lauter Liebe zu Hoffenheim, sondern um laut gegen Hoffenheim zu lärmen.

normal_ug021_8871_081114Es hat auch deshalb in der Vergangenheit viele hitzige Duelle gegeben. Das letzte Aufeinandertreffen in Sinsheim hätten die Kölner Fans darum gern in Köln erlebt, weil der FC da beim Schlusspfiff vier gegen drei Tore vorne lag und sich die TSG nach allen Regeln der Kunst auskontern ließ. Gut, ein bisschen Glück war auch dabei. Es gibt Treffer, die schießt man nicht alle Tage, schon gar nicht mehrfach in einem Spiel.

So leichtfertig, wie Hoffenheim den vermeintlich deutlich schwächeren FC vor einem halben Jahr empfing, wird die TSG diesmal bestimmt nicht auftreten. Ganz ist Köln der Abstiegssorgen noch nicht enthoben, so dass der FC alles daran setzen wird, das Spiel zu gewinnen. Die beiden Teams trennen schließlich auch nur sieben Punkte, wobei Köln signifikant weniger Tore geschossen, aber auch kassiert hat. Das beweist genau jene kontrollierte Spielweise, die eigentlich so untypisch für Köln und seine Kölner ist.

normal_ug095_3263_081114Dazu passt, dass sich der FC im Laufe der Saison ein Drittel weniger gelbe Karten eingefangen hat als Hoffenheim und gerade mal halb so oft Fouls verübt hat. Und auch die Zweikampfwerte und Ballkontaktzahlen belegen: Köln spielt viel verhaltener als die TSG. Allerdings ist der FC im eigenen Stadion damit nicht sehr erfolgreich. Nur zwei Spiele hat Köln erst daheim gewonnen und belegt auf der Heimspieltabelle Platz 17. Die Auswärtstabelle verzeichnet dagegen Platz 5 für Köln. Hoffenheim liegt daheim und auswärts auf den Plätzen 7 und 13.

Packt man die Heimschwäche von Köln und die Auswärtsschwäche von Hoffenheim zusammen, spricht vieles für ein schüchternes 0:0. Aber weil Hoffenheim mindestens so dringend punkten muss wie Köln, um in den Wochen der schwergewichtigen Gegner möglichst einen Dreier einzustreuen, wird das Spiel alles andere als schüchtern verlaufen. Hoffenheim wird auf den Sieg drücken, wird seine spielerische Überlegenheit in die Waagschale werfen. Köln wird versuchen, wie so oft per Konter zum Erfolg zu kommen.

normal_ug057_9033_081114Kurios ist, dass der FC in allen offensiven Spieldaten (also bei der Zahl der Eckstöße, der Flanken und der Abseitsstellungen) in dieser Saison bislang klar vor der TSG liegt. Aber das ist weniger ein Indiz für die Offensivkraft des FC. Vielmehr spiegeln die Zahlen wider, wie verhalten die TSG-Offensive in dieser Saison agiert, wie viel Gewicht der Trainer auf Spielkontrolle legt. Daher sollte die Mannschaft gewarnt sein und nicht wie im Hinspiel allzu geduldig auf Torchancen warten – sonst kriegt der FC welche und nutzt sie vielleicht auch.

Nach dem Pokaldrama sollte Hoffenheim aber ausreichend aufgeladen sein, um nicht das dritte Spiel in Folge zu verlieren, zumal danach die Bayern kommen – was ja nicht zu maximaler Siegeszuversicht berechtigt. Also wird die TSG, so die Prognose des Hoffenheimblogs, in Köln gewinnen. Mit der geballten Power unserer Rhein-Neckar-Energie…

Fotos: Uwe Grün

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ran.de – fußballdaten.de – kicker.de

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Alexander H. Gusovius