Dauerschleife siebter Platz

Nachdem Hoffenheim gegen Gladbach in Führung gegangen war, blendete die Stadionregie kurz die Blitztabelle ein: Hoffenheim auf Platz 5, vor Augsburg und Schalke, die erst am Sonntag aufeinander treffen. Damit war es nach zwei Toren für Gladbach schnell vorbei, doch dann führte Frankfurt gegen Hannover – und lag vorübergehend sogar vor der TSG. Der achte Tabellenplatz auf der Blitztabelle war aber auch nicht von Dauer, weil Hannover zum Schluss noch den Ausgleich erzielte.

Und so hängt Hoffenheim Woche um Woche, Monat um Monat auf dem siebten Tabellenplatz fest, und nichts und niemand kann das anscheinend ändern. An und für sich ist so ein siebter Platz ja sehr schön, unter Umständen winken sogar die internationalen Plätze. Doch so recht österlich froh wird niemandem ums Herz davon. Denn die Rückrunde schleppt sich für Hoffenheim etwas dahin. Alle warten immer auf den Moment der Explosion, der Selbstentfesselung, allen voran die Spieler selbst –und dann ist es wieder nur der siebte Platz.

normal_ug018_6153_040415In den ersten Minuten des Spiels sah es noch danach aus, als würde Hoffenheim gegen Gladbach gelingen, was Gladbach vor zwei Wochen gegen die Bayern gelang. Ein regelrechter Angriffswirbel ging auf die Fohlen nieder, die sich nicht gut zu wehren wussten und schon nach sechs Minuten 1:0 zurücklagen bzw. hätten liegen müssen, denn der Treffer von Zuber fiel deutlich nicht aus einer Abseitsstellung, wie es der zwei Meter zurückhängende Linienrichter fälschlicherweise behauptet und der höchst mittelmäßige Schiri Kinhöfer geglaubt hatte.

normal_ug020_6160_040415Die Mannschaft ließ sich davon aber nicht beeindrucken und marschierte trotz des Fehlens von Bicakcic, Polanski und Schwegler munter weiter nach vorn. In der 17. Minute gelang darum nach phantastischer Vorarbeit von Firmino das 1:0 durch Schipplock. Und der Führungstreffer war wirklich verdient: Firmino in bestechender Form, Amiri als zweiter Sechser eher ein eleganter, zweiter Zehner, Zuber als wilder Bursche mit feinen Tricks, dazu Volland und Schipplock, die jeden Gladbacher direkt anliefen und dadurch zwei auf sich zogen.

normal_ug034_6264_040415Nur war mit diesem Feuerwerk an Vorstößen und Ideen nach 20 Minuten Schluss. Es ist schwer zu verstehen, warum die Mannschaft da schon den Schalter umlegte und Gladbach ins Spiel kommen ließ. Man muss allerdings zugeben, dass die Fohlen ein unglaublich feines Offensivspiel aufzogen, mit langen, beneidenswert präzisen Bällen, die einfach über die Hoffenheimer Pressing-Blöcke hinweg oder an ihnen vorbei flogen und enorm gefährlich zuende gespielt wurden.

Erst gab es den Foulelfmeter, der keiner war, dann schlug Gladbach innerhalb weniger Minuten noch zweimal zu. Und hörte nicht auf, diesen technisch überragenden Fußball zu präsentieren und mit einer Sicherheit vorzutragen, der tatsächlich eine Klasse besser ist als das, was Hoffenheim kann – außer in jenen Phasen, in denen unsere Mannschaft sich einen Teufel um das schert, was in ihrem Rücken passieren könnte, und ihre eigene Offensivpower voll ausspielt und jede Verteidigung um den Verstand bringt.

normal_ug084_6731_040415Diese Phasen dauern aber meist nicht lang, schon gar nicht bei Gegnern wie Gladbach, die über die Mittel verfügen, das Hoffenheimer Gesamtkonzept zu erkennen und auszuhebeln. Obwohl Gladbach ebenfalls auf Konterfußball setzt, bedienen sich die Fohlen dazu anderer Mittel und verfügen über perfekt eingeübte Spielzüge, bei denen jeder Spieler exakt weiß, wo der andere steht. Besser gesagt läuft, denn die Gladbacher Mannschaft ist immer in Bewegung. Konterfußball als klassisches Umschaltspiel, wie er bei uns seit Rangnicks Zeiten praktiziert wird, beginnt vielleicht erste Risse zu zeigen, nicht zuletzt auch bei den Dortmundern, die diesen Fußball einst von uns kopiert haben und denen es nicht mehr gelingt, ihre Gegner in Grund und Boden zu kontern.

normal_ug128_7086_040415Als Volland um die 70. Minute herum zur Schonung seiner Wade ausgewechselt wurde, stand es bereits 1:4, und man konnte sehen, wie unzufrieden er mit dem Spielverlauf war. Die Mannschaft hält zusammen, alle verstehen sich bestens, aber so richtig will es nicht gelingen, mehr zu erreichen als jenen ewigen siebten Platz – zu gut, um in Depressionen zu verfallen, zu wenig, um sich richtig zu freuen. So geht es den Fans, so geht es der Mannschaft.

Fotographie: Uwe Grün, Kraichgaufoto

 

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Alexander H. Gusovius

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