Problem mit sich selbst

Natürlich kann man argumentieren, dass nach dem Platzverweis von Bicakcic ein Unentschieden in Paderborn gar nicht so übel war. Aber bis zu dessen gelb-roter Karte verstrich immerhin eine knappe Stunde, während der die TSG sich bereits sehr, sehr schwer tat. Offenbar weniger mit dem Gegner (vor dem Markus Gisdol eindringlich gewarnt hatte) als vielmehr mit sich selbst (wovor der Trainer vielleicht eher hätte aufmerksam machen/werden sollen).

Waren irgendwie auch die grau(sig)en Leibchen schuld? „Grau is alle Theorie, entscheidend is auf’m Platz“, hat weiland schon Adi Preißler erkannt – was nichts anderes heißt, als dass die Farbe Grau etwas für den theoretischen Bereich im Fußball ist, aber eben nicht auf den Rasen gehört. Trotzdem fällt es schwer zu glauben, dass man selbst in grauen Schlafanzügen nicht gut Fußball spielen können soll. Trotzdem hofft man, dass die Graue-Maus-Kluft für den Rest der Saison eingemottet wird.

Nach den ersten zehn Minuten der Partie war denn auch deutlich, dass die blau-schwarz gewandeten Gastgeber zwar über recht bescheidene fußballerische Mittel verfügten, davon jedoch konsequent Gebrauch zu machen beabsichtigten. Umgekehrt die TSG: Die Konsequenz, mit der man die großen fußballerischen Möglichkeiten liegen ließ, war schon erstaunlich, weit über die ersten zehn Minuten hinaus, imgrunde übers ganze Spiel hinweg, in dem Hoffenheim fast nicht stattfand.

SC Paderborn  - 1899 HoffenheimEine seltsame Verspannung hatte die TSG erfasst – allen voran die letztes Jahr noch so glanzvolle Offensive, die aber nicht zum ersten Mal matt und ideenlos wirkte. Es war, als gebe es offensiv keinerlei Kontakt untereinander, keine Abstimmung, keine geteilten Ideen oder Laufwege. Volland, Firmino und Elyounoussi schienen allesamt auf eigene Rechnung, mehr oder weniger strukturfrei, unterwegs zu sein. Was bei Volland noch am ehesten zu verstehen war, indem er nach wirklich großartigen Leistungen nicht in die Nationalmannschaft berufen wurde. So etwas kann großen Frust verursachen.

Und weil mit dem nach fünf gelben Karten gesperrten Schwegler außerdem eine der wichtigsten TSG-Personalien fehlte, fehlte vorne auch Polanski, der dort zuletzt für viel Frische gesorgt hatte und jetzt mit Rudy wieder im defensiven Mittelfeld auflaufen musste. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Abraham nicht erst nach Bicakcics Platzverweis in die Innenverteidigung gerückt wäre, sondern gleich dort gespielt hätte – so dass Rudy und Strobl die Doppelsechs hätten bilden und Polanski weiter für offensiven Druck hätte sorgen können.

Jenseits noch so vieler strategischer Überlegungen hätte die TSG egalwie in der Lage sein müssen, Paderborn zu besiegen. Die vielen Ballverluste im offensiven Mittelfeld waren einfach unnötig und schrecklich anzuschauen, Firmino tat sich besonders hervor. Aber wie sollte es angesichts von so viel offensiver Verwirrung gelingen, die beiden Viererketten des Gegners aufzubrechen? Tatsächlich gelang es nicht ein einziges Mal, obwohl es für das Aufhebeln von Viererketten exakte Rezepte gibt, die allesamt innerhalb des spielerischen TSG-Potentials liegen.

SC Paderborn  - 1899 HoffenheimWem offensiv umso mehr gelang, war Paderborn. Mit unverschnörkelten Aktionen, mit Leidenschaft und bewundernswertem Mut brachten es die Ostwestfalen zu etlichen heißen Torszenen, die nur dank der sensationellen Paraden von Baumann nicht zum Erfolg führten – während Hoffenheim sich auch schon lang vor Bicakcics Platzverweis durch die Partie quälte und nicht über die nötige Varianz und Direktheit im Spielaufbau verfügte, um den Gegner nur ansatzweise in Verlegenheit zu bringen.

Etwas merkwürdig an diesem 0:0 ist, dass Paderborn trotz des gewonnenen Punktes auf einen direkten Abstiegsplatz gerutscht ist und Hoffenheim jetzt nur noch einen Punkt Rückstand auf den sechsten Rang hat. Die Europa-Ambitionen sind aber mit solchen Spielen nicht wirklich zu unterfüttern. Es müssten schon zwei Siege aus drei Spielen gegen Gladbach, Bayern und Dortmund her, um neue Zuversicht zu schöpfen. Dazu müsste jedoch die Selbstfesselung aufbrechen, in der die TSG zu stecken scheint.

Fotos: dpa

Deine Meinung zum Artikel: