Im Reich der Pader

Seltsame Sachen gibt es: Die Pader ist ein Fluss, der im Stadtgebiet von Paderborn entspringt (daher der Name!), aber noch im selben Stadtgebiet bereits in den nächsten Fluss mündet… Der trägt den Namen Lippe, entspringt selber nur ein paar Kilometer entfernt und ist viel kleiner. Dafür schlägt die Lippe die Pader im Ranking schräger Namen – was der Pader aber nichts macht, weil sie mit bloß vier Kilometer Länge als kürzester Fluss Deutschlands gilt. Was proportional zur Verweildauer von Paderborn in der Bundesliga sein könnte. Kurz und heftig, sozusagen.

Dabei spielt Paderborn ansehnlichen Fußball und hätte, mit etwas mehr Ergebnisglück, der gröbsten Abstiegssorgen bereits enthoben sein können. Dem eigenwilligen Verein wird jetzt wohl zum Verhängnis, dass seine Verantwortlichen anfangs glaubten, ohne substantielle Neuverpflichtungen in der Ersten Liga bestehen zu können. In der Winterpause hat man immerhin Lakic geholt, den die TSG aus der Saison 2012/2013 gut kennt. Leider eher als erfolglosen Hoffenheim-Stürmer.

normal_ug019_6266_080212In Paderborn schlägt er aber ganz gut ein und hat einen Teil seiner einstigen Lautern-Gefährlichkeit wiedererlangt. Da heißt es aufpassen. Außerdem wird Paderborn die heftige Niederlage in Frankfurt vom letzten Wochenende wettmachen und seinem Heimpublikum beste Unterhaltung bieten wollen. Es ist also mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung zu rechnen, die offensiv durchschlägt.

Anders gesagt versteckt sich Paderborn gewöhnlich nicht, auch wenn Mauern und Beton anrühren im Fußball manchmal zielführender ist. Das war schon im Hinspiel so, das die TSG denn auch nur denkbar knapp mit 1:0 gewann. Paderborn spielte munter nach vorn und vergab einige richtig gute Chancen.

normal_ug118_7271_251014Das Verhältnis von Schüssen aufs Tor und echten Torschüssen spiegelt das wider. Paderborn hat in dieser Saison 329-mal Richtung Tor geschossen, aber nur 96-mal dabei auch Torgefahr verbreitet. Das heißt, dass nur jeder 3,42-ste Schuss auch ins Tor gegangen wäre, wenn der Gegner es nicht verhindert hätte. Hoffenheims Torschuss-Torgefahr-Verhältnis liegt bei einem Wert von 3,02, was ganz nah am Leverkusener Wert ist. Zum Vergleich: Die Bayern liegen bei 2,47, die Wölfe bei 2,51 und die Bienen Maya bei 2,85.

Interessant ist, dass die Zweikampfquote von Paderborn deutlich besser ist als die von Hoffenheim. Dabei spielt die Mannschaft keinen beinharten Fußball und flankt aus allen Rohren, besonders von der rechten Seite, so dass Kim reichlich zu tun haben wird – und auch Baumann, der sich im Flankenpflücken auszeichnen kann. Aber weil Paderborn in der gesamten Rückrunde bisher bloß vier Punkte eingefahren hat, und das auch nur auswärts, stehen die Chancen nicht schlecht, dass die TSG die ersehnten drei Punkte holt – auch wenn Schwegler gelbgesperrt fehlt.

normal_ug084_7037_251014Dazu muss die TSG jedoch den klaren Willen vom Hamburg-Spiel mitnehmen. Sollte sie sich verstecken und Paderborn „erstmal kommen lassen“, würden sich die Gastgeber gern umgehend dafür bedanken und das eine oder andere Tor erzielen. Die Hoffenheimer Konterquote ist derzeit nicht besonders ausgeprägt, so dass die TSG am besten permanent Druck ausüben und Paderborn dadurch in die Knie zwingen sollte.

Der schiere Wille wird entscheidend sein. Für Paderborn geht es um sehr viel, ein Sieg könnte die brenzlige Lage im Tabellenkeller vorerst entschärfen. Doch es geht auch für Hoffenheim um sehr viel. Denn ohne den Sieg in Paderborn dürfte es schwer werden, Platz 6 oder mehr ins Visier zu nehmen, falls man nicht Gladbach oder München besiegt, was ja vielleicht möglich, aber wenigstens im Fall der Bayern nicht sonderlich wahrscheinlich ist.

Fotos: Uwe Grün

Zur Unterstützung für diesen Artikel wurden Informationen herangezogen von:

ran.de – fußballdaten.de – kicker.de – wikipedia.org

 

Deine Meinung zum Artikel: