Full House auf Schalke

Nein, ausverkauft war die Veltins-Arena nicht. Eine Woche nach der Derby-Niederlage, die viel Schalker Herzblut gekostet hatte, war sie zu immerhin 75% ausgelastet. Aber es war auch nicht die Revier-Kulisse, die Hoffenheim zu schaffen machte, sondern die vermeintliche Schalker Fünferkette.

Im Vorfeld hatte Trainer Di Matteo durchblicken lassen, dass er an dieser grunddefensiven Formation festhalten könnte, mit der er in Dortmund noch Schiffbruch erlitten hatte. Und Hoffenheim fiel auf den Pokertrick herein. Denn was als Fünferkette auf dem Papier stand, war in Wahrheit ein Drilling und ein Pärchen, ein hoch variables Full House, bei dem drei stabile Verteidiger mit zwei mobilen Außenverteidigern flexibel verknüpft waren, die ihrerseits eher Teil des Mittelfelds wurden.

Statt auf die vermeintliche defensive Fünferkette traf Hoffenheim also auf ein Fünfer-Mittelfeld und hatte mit zwei Sechsern viel zu wenig dagegen aufzubieten. Von Beginn an setzte Schalke unsere Mannschaft damit unter extremen Druck, umgekehrt war in der überdimensionierten TSG-Offensive mit Modeste einer zu viel unterwegs und hing viel im Leeren. Die Räume, die Schalke dafür offensiv freistanden, konnten von der TSG nur mit Mühe und Not zugelaufen werden. Immer öfter lief man stattdessen den ballführenden Schalkern hinterher – und ins Verderben.

FUSSBALL - Schalke - Hoffenheim,1.BLIn der ersten Halbzeit sah das phasenweise recht hilflos aus, öfters auch phlegmatisch. Doch gegen das strukturelle Übergewicht der Hausherren konnte man eben kaum anders, als schlecht auszusehen. Die einzige Chance, die es gegen das sich abzeichnende Verhängnis gegeben hätte, wären eigene Treffer gewesen. Gegen die oft entblößte und nicht sattelfest wirkende Schalker Abwehr hätten präzise Angriffe durchaus zum Ziel führen können – aber bei der Konfusion, in die unsere Mannschaft durch ihre etwas verschlafene Taktik geraten war, regierten vorn leider die fehlerhaften statt der tödlichen Pässe.

Allen voran wusste Modeste nicht, was er mit dem Ball anfangen sollte, und verlor ihn meist ebenso schnell, wie er ihn zugespielt bekommen hatte. Solch eine Szene ging denn auch dem 1:0 voraus, das bezeichnenderweise der Schalker Außenverteidiger Fuchs erzielte. Für den Rest der ersten Halbzeit stand Hoffenheim das taktische Wasser weiter bis zum Kinn, irgendwann fiel auch das 2:0, man musste ein Debakel befürchten.

FC Schalke 04 - TSG 1899 HoffenheimIn der Pause ging Markus Gisdol endlich daran, seine taktische Aufstellung zu korrigieren. Dazu nahm er Modeste vom Feld und brachte Abraham, der für Strobl in die Innenverteidigung ging. Indem Strobl nun als dritten Sechser agieren konnte, sollte die Gefahr durch das zuvor so mächtige Schalker Mittelfeld eigentlich gebannt sein – hätte nicht Pokerface Di Matteo im selben Moment sein defensives Full House wahrgemacht! Die beiden offensiven Schalker Außenverteidiger zogen sich auf einmal aus dem Mittelfeld zurück und bildeten mit dem defensiven Drilling jetzt jene Fünferkette, die Hoffenheim ohne Stoßstürmer kaum knacken konnte. Es dauerte eine gute Viertelstunde, dann korrigierte sich Gisdol taktisch zum zweiten Mal und wechselte Zuber für Szalai aus.

Von diesem Moment an wurden die Angriffe der TSG, die sich auch vorher schon viel für die zweite Halbzeit vorgenommen hatte, tatsächlich besser. Der vorbereitende Pass auf Volland, der in der 73. Minute knallhart ins rechte untere Eck einschoss, kam passenderweise auch von Szalai. Aber leider war in der 53. Minute schon das 3:0 gefallen und Vollands Treffer somit nur noch eine Art Ergebniskorrektur.

Schalke 04 - 1899 HoffenheimTrotzdem legte sich Hoffenheim weiter mächtig ins Zeug, erarbeitete sich hier und da sogar die Chance, weiter zu verkürzen, musste sich aber zuletzt der überlegenen Schalker Taktik geschlagen geben. Und das war bitter: Statt mit Schalke offen die Kräfte zu messen, war man ständig bemüht, überhaupt Zugriff aufs Spiel zu finden. Statt mit Schalke die Plätze zu tauschen, klebte man weiter auf Platz 7 fest und sah sich, das merkte man den enttäuschten Spielern an, im entscheidenden Moment schmerzhaft außerstande, den Traum der internationalen Plätze zu realisieren.

Einen Tag später wurde dann der BVB als Pokalgegner ausgelost, samt Dortmunder Heimspielrecht. Angesichts der übrigen Losgegner und der Dortmunder Wackeleien in dieser Saison hätte es leichtere, aber auch schwierigere Aufgaben geben können. Und einen Vorteil hat der BVB: Er ist taktisch nicht schwer auszurechnen.

Fotos: dpa

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