Mainz kommt

Die Südwestspiele gehen weiter. Nach Stuttgart und Freiburg jetzt Mainz, dann noch Aalen im Pokal. Aber eben erstmal die Mainzelmännchen, als Gegner zuverlässig unangenehm – nochmal mehr, nachdem sie einen neuen Trainer haben, der ihnen gleich wieder das Siegen beigebracht hat.

Solche charismatischen, eher ruppigen Trainer scheint Mainz zu brauchen: Klopp und Tuchel haben dort exzellente Arbeit geleistet, der eine als Motivationskünstler, der andere als Taktikfuchs, beide nimmersatt und die Mannschaft ewig anstachelnd. Was Martin Schmidt genau kann, wissen wir noch nicht und werden es hoffentlich auch nicht erfahren, wenn er in Sinsheim gastiert.

In jedem Fall ist Mainz unter Schmidt eine unbekannte Größe, statistisch allemal. Die Mainzer Bilanz dieser Saison ist mit seiner Amtsübernahme Makulatur, die Mannschaft wird sich neu ausrichten und neue Zahlen generieren. Womit man aber sicher rechnen darf, ist ein Team, das sich zerreißen wird, um einer etwas harmlos in die Rückrunde gestarteten TSG das Leben maximal schwer zu machen.

Ich muss an dieser Stelle einmal ein Geständnis machen. Und zwar habe ich eine Schwester, die in Mainz lebt und seit vielen Jahren Fan von Mainz ist. Weil sie ihrem Bruder eng verbunden ist, mag sie auch Hoffenheim. Aber Mainz steht ihr nun mal so nah wie kein anderer Verein. Trotzdem wäre sie mit einem Unentschieden zufrieden, sozusagen aus familiären Gründen. Und mir geht es ähnlich, aus den gleichen familiären Gründen freue ich mich sonst jedenfalls über jeden Mainzer Sieg.

Nur nicht jetzt am Wochenende. Denn wenn Mainz da drei Punkte holen sollte, wäre unser Start in die Rückrunde endgültig missglückt. Hoffenheim würde dann vermutlich einschwenken in eine Grauzone der Mittelmäßigkeit, die weder den Fans noch der Mannschaft gefallen dürfte. Die ansteigende Form, die vom gerade noch vermiedenen Abstieg 2013 herrührt, wäre schwer in Gefahr.

Und darum muss Hoffenheim, so leid es mir eventuell für meine Schwester tun könnte, ganz schnell zurückfinden zum Mut und zur Spielfreude, die unseren Kader ausmacht. Die technischen Möglichkeiten, die unsere Mannschaft hat, sollten endlich wieder zum Tragen kommen. Szalai könnte dann in der Sturmmitte davon profitieren und womöglich eine jener Fußballgeschichten schreiben, wie es sie beim Zusammentreffen mit Ex-Mannschaften immer wieder gibt. Oder Polanski, der ja auch mal für Mainz gespielt hat.

normal_ug032_0802_271012Mehr zu sagen oder zu wünschen, verbietet mir die familiäre Rücksicht. Außer dass vielleicht der Bessere gewinnen soll, wenn es überhaupt einen Sieger geben wird. Und dass es danach noch elf Spiele gibt, um so viele Punkte zu sammeln wie irgend möglich…

Fotos: Uwe Grün

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Alexander H. Gusovius