Rudy!!!

Letzte Woche Matchwinner, in Freiburg bei einem Freistoß unaufmerksam: Rudy war auch diesmal der Mann für die entscheidende Situation. Vom lang hereinsegelnden Ball für den Bruchteil einer Sekunde zu lang gefesselt, verpasste er in seinem Rücken den Start des Gegenspielers und kam zu spät, um ihn am Torschuss zu hindern. Dieses eine Freiburger Tor wäre aber kein Beinbruch gewesen, wenn die TSG mehr als Vollands Zauberschuss dagegen aufgeboten hätte.

Es war ein seltsames Derby. Von den Pfiffen gegen Oliver Baumann abgesehen, der zum ersten Mal als Hoffenheimer zurück in Freiburg war, ging die Partie weitgehend emotionslos über die Bühne. In der ersten Hälfte zeigte Freiburg, dass man dort halbwegs vernünftigen Fußball spielen kann, in der zweiten Hälfte erbrachte die TSG einen ungefähren Leistungsnachweis. Schön anzuschauen war das selten und kaum einfallsreicher als die nachgedruckten „Geldscheine“, mit denen die SC-Fans ihrem einstigen Liebling im Tor der TSG zuwedelten.

SC Freiburg - 1899 HoffenheimSchuld an allem war wie so oft im Leben wohl Angst. Freiburg fürchtete sich vor der Hoffenheimer Offensive, was verständlich war: „Die brauchen nur ein, zwei Situationen, um ein Tor zu machen“, hatte Trainer Streich vor der Partie gesagt. „Wir müssen uns so aufstellen, dass nicht jeder Ballverlust dazu führt, dass sofort Gegentorgefahr besteht.“ Hoffenheim wiederum fürchtete sich vor den Freiburger Kontern und stand in der ersten Hälfte sehr tief, in der zweiten immer noch tief und wollte lieber selber kontern. Als Gesamtstrategie war das schon weniger verständlich.

Die Südbadener entwickelten in der ersten Hälfte trotz der ungewohnten Rolle als spielbestimmende Mannschaft allmählich ein einigermaßen ansehnliches Spiel nach vorn, das die gut verschiebenden Nordbadener jedoch weitgehend neutralisierten. Statt im eigentlich geplanten, offensiveren 4-2-3-1 spielte die TSG dann fast durchgängig 4-4-2, so dass meistens nur Modeste und Firmino knapp hinter der Mittellinie nach dem Ball jagten bzw. den ballführenden Freiburgern eher hinterhertrabten.

SC Freiburg - 1899 HoffenheimStandards können die Verknotung lösen, die bei solch langweiligen Spielformen zwingend entsteht. Und weil man in Freiburg um die Gefahr weiß, die von Standards ausgeht, trainiert man dort eben auch Freistöße mit Fleiß – und erzielte in der 26. Minute den Führungstreffer. Leistungsgerecht war das 1:0 nicht gerade, sondern eher eine Art Belohnung. Der Ausgleich in der 39. Minute konnte das nicht in Anspruch nehmen – Vollands Gewaltschuss nach dem x-ten langen Ball auf Modeste und seiner feinen Weitergabe war die erste Torchance für die TSG, deren eher improvisiert als trainiert wirkende Freistöße mit schöner Regelmäßigkeit deutlich zu kurz (Salihovic) oder erheblich zu lang gerieten (Rudy).

In der zweiten Hälfte stand die TSG endlich etwas höher und probierte jetzt wirklich aus, wie es sich im 4-2-3-1-Verbund spielt, ohne deshalb schon unabsehbare Risiken einzugehen. Aber siehe da, der SC ließ sich auch von dieser halbmutigen Maßnahme bereits einschüchtern. Und Hoffenheim kam zu Chancen, deren schönste der nächste Gewaltschuss von Polanski in der 52. Minute war, von Bürki gerade noch an den Pfosten gelenkt. Leider ging die TSG jetzt nicht dazu über, Freiburg erdrücken zu wollen, immer noch regierte die vielleicht nicht ganz unberechtigte Sorge, sich einen Konter einzufangen und das Spiel am Ende noch zu verlieren. In der Folge gingen die erarbeiteten Chancen ins Leere und blieb es beim 1:1.

Fussball: SC Freiburg - TSG Hoffenheim, 21.02.2015Aber mit mehr Mut zum Risiko wäre Freiburg wohl zu besiegen gewesen, schließlich hat die TSG spielerisch einfach mehr Potential. Nach drei Niederlagen und einem Last-minute-Sieg gegen den Tabellenletzten fühlt sich das Remis denn auch irgendwie mager an. Und man fragt sich, was aus der Hoffenheimer Mentalität geworden ist, das Glück an sich zu reißen und auf die eigene Stärke, auf den schieren Willen zu bauen. Laufbereitschaft, taktische Disziplin und defensive Geschlossenheit sind wunderbare Tugenden und angesichts einer engen Konkurrenz unabdingbar. Sie sollten nur den Charakter der Mannschaft und der TSG insgesamt nicht überlagern. Hoffenheim wirkt, wie es aussieht, im Moment etwas uninspiriert.

Fotos: dpa

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