PS-Derby oder Traktoren-Duell

Derbys gegen Stuttgart sind immer etwas Besonderes. Diesmal jedoch hat das badisch-schwäbische Duell auch noch richtungsweisenden Charakter. Beiden Kontrahenten geht es darum, die Duftmarke zäh anhaftenden Misserfolgs loszuwerden. Dabei haben beide zuletzt ordentlich gespielt, der VfB gegen die Bayern, die TSG in Wolfsburg. Doch fand sich Stuttgart danach am Tabellenende wieder, während Hoffenheim Kontakt zur unteren Tabellenhälfte aufnahm.

Statistische Werte geben diesmal nichts her, um eine Ahnung davon zu bekommen, worauf es beim Derby ankommt. Die Stuttgarter Leistungskurve weist langsam, aber beharrlich nach oben, die Arbeit von Huub Stevens hinterlässt Spuren und führt zu mehr Stabilität, die statistisch aber noch keinen Niederschlag findet. Hoffenheim dagegen hat drei Spiele in Folge verloren und weist die statistisch ebenfalls noch nicht erfassbaren, typischen Merkmale tiefer Verunsicherung auf.

normal_ug107_6877_150214Eines scheint klar zu sein: Huub Stevens wird seine Mannschaft auf noch mehr Stabilität hin orientieren – und dicht gestaffelt hinten drin stehen. Hoffenheim wiederum muss und wird das Spiel machen, um aus spielerischer Überlegenheit heraus die verzehrende Unsicherheit abzuschütteln. Stuttgart wird sein Glück in Kontern suchen und wäre vermutlich auch mit einem Remis zufrieden. Die TSG braucht unbedingt einen Sieg, um für die Spiele danach in Freiburg und gegen Mainz genügend Schwung mitzunehmen.

Da kommt ein Tabellenletzter natürlich gerade recht. Aber Stuttgart unter Huub Stevens ist nicht mit der Hertha Ende Dezember in Berlin vergleichbar – also keine Mannschaft, die gerade zerbröselt und förmlich darauf wartet, abgeschossen zu werden. Das ist den Hoffenheimer Spielern und Verantwortlichen sicher bewusst. Und doch besteht die Gefahr, dass man es im Vorgefühl der tabellarischen und prinzipiell auch reellen Überlegenheit verpasst, sich auf das einzustellen, was geschieht, wenn die TSG den VfB nicht schwindlig spielt bzw. möglichst rasch deutlich in Führung geht – oder Stuttgart am Ende durch ein Glückstor selber vorn liegt.

normal_ug101_6788_150214Denn das, was dann geschieht, ist ein Abnutzungskampf. Dann geht es Mann gegen Mann, und jeder Quadratzentimeter Rasen wird elementar. Und es wird auf viel Durchhaltevermögen und ein wenig Glück ankommen. Anders gesagt ist der Spielausgang in dieser Konstellation völlig offen. Die Situation ist dann in etwa so, wie wenn in Filmen Autos aufeinander zu rasen und derjenige verliert, der als erster ausweicht. Nur dass die Autos Traktoren sind und beim Duell tiefe Ackerfurchen ziehen.

Die Rhein-Neckar-Arena wird bis unters Dach voll sein, natürlich auch der Gästeblock. Und der Stuttgarter Anhang wird sich nicht auf den Gästeblock beschränken, sondern sich darüber hinaus in hoher Zahl unter die Hoffenheimer Fans mischen. Lärmtechnisch könnte es daher wenig Unterschied machen, dass Hoffenheim ein Heimspiel hat.

normal_ug147_6243_150214Da sind wir als Fans genauso gefragt wie die Spieler – es muss ein Heidenspektakel an Unterstützung für die TSG her! Wir sind in dieser möglicherweise prekären Situation, wenn es darum gehen sollte, die vierte Niederlage in Folge abzuwenden, also in der Pflicht. Während die Spieler ihre Knochen nicht schonen, müssen wir unsere Stimmbänder ramponieren. Aber das dürfen wir auch tun, wenn die TSG ihre PS auf den Rasen bringt und den schwäbischen Nachbarn, wie es sich gehört, in Grund und Boden spielt.

Fotos: Uwe Grün

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