Perfekt

Gestern Abend ist es geschehen. Bei der Jahreshauptversammlung in der Sinsheimer Stadthalle hat die Mitgliederversammlung der TSG 1899 Hoffenheim e.V. einstimmig beschlossen, Dietmar Hopp die Stimmenmehrheit an der Spielbetriebs-GmbH zu übertragen. Das geht so durch alle Medien und ist darum allgemein bekannt, auch dass damit seit Ende 2014 geltendes Recht in die Tat umgesetzt wird.

Interessant und beeindruckend war die Versammlung gestern trotzdem. Und zwar durch Dietmar Hopps Vortrag, der der Abstimmung durch die Mitgliederversammlung vorausging. Eine gute Dreiviertelstunde lang referierte der Mäzen über die lange Zeit, in der er die TSG finanziell und ideell unterstützt hat: mehr als 20 Jahre. Das war eigentlich nicht nötig – die Anwesenden wussten natürlich, was ihr Verein Dietmar Hopp zu verdanken hat, und hätten der Übertragung der Stimmrechte auch ohne große Worte zugestimmt, wissend, dass die TSG davon noch stabiler, noch agiler wird.

normal_ug042_6789_090215Doch es waren gar keine großen Worte. Das Beeindruckende lag eher in der Schlichtheit, mit der Dietmar Hopp die fast unglaubliche Geschichte umriss und den Mitgliedern die Ehre gab, bevor es zur Abstimmung kam. In enormer Bescheidenheit, warmherzig und heimatnah, hinreichend detailliert und notwendig den Überblick wahrend, stand den Mitgliedern noch einmal vor Augen, was sich seit dem Jahr 1989 in und um Hoffenheim bis zum heutigen Tag entwickelt hat.

Das Endergebnis, die Bundesligazugehörigkeit der TSG, ist für die meisten der vielen Fans inzwischen so selbstverständlich, dass sie sich die dörflichen Anfänge kaum noch vorstellen können. Und ohne Dietmar Hopp gäbe es da auch nichts vorzustellen. Hoffenheim wäre weiter ein Dorf wie, sagen wir, Oberöwisheim mit dem TSV Oberöwisheim 1920, und die TSG 1899 Hoffenheim wäre bundesweit ebenso bekannt: also gar nicht.

Der Clou der Geschichte, wenn man so sagen will, ist jedoch weniger die Bundesligazugehörigkeit von Hoffenheim, die man fast als schöne Dreingabe bezeichnen kann, sondern vielmehr die ungeheuren Ausmaße der TSG an der Basis. Was durch Dietmar Hopps Engagement und durch seine lebensnahen Visionen innerhalb von gut 25 Jahren alles entstanden ist an Strukturen, Bauten und Förderungen, gekoppelt an Jobs, Wirtschaftsentwicklung und Zulieferung, sprengt fast den Rahmen des Denkbaren.

normal_ug067_1333_090215Man muss trotzdem versuchen, sich die konkreten Dimensionen klarzumachen, um einschätzen zu können, in welchem Rahmen die Stimmrechtsübergabe stattgefunden hat. Die Jugend einer ganzen Region ist von Dietmar Hopps Engagement beeinflusst, eine ganze Region davon mitgestaltet. Da hat also jemand – trotz einer weit über 40-Stunden-Wochen hinausgehenden Beschäftigung als Industriekapitän – quasi im Nebengang auch noch einen riesigen Komplex sportlich-professioneller Heimat erschaffen, der ähnliche Ausmaße besitzt wie etwa ein ganzer neuer Stadtteil. Und dabei ist nur von Fußball die Rede – Dietmar Hopps Engagement für den Golfsport, für Handball und Eishockey ist hier noch außen vor.

normal_ug069_6894_090215Von all dem, was unsere Bundesligamannschaft erst ermöglicht und an der extrem breit aufgestellten Basis begleitet, gäbe es ohne Dietmar Hopp also keinen einzigen Grashalm, keinen Mauerstein, keinen Nagel. Kein Wunder, dass die Vereinsmitglieder sich diesem heimatverbundenen Gestalter gestern erneut und noch weiter anvertraut haben. Nach der Rede gab es zweiminütigen, stehenden Applaus!

Fotografie Uwe Grün, Kraichgaufoto

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