Wolfsjagd

Zweimal in Folge verloren, Rückrundenauftakt versemmelt – und jetzt zu den Wölfen, die ihr Rudel auch noch um Schürrle erweitert haben. Das kann was werden… Oder kann das was werden? Nach dem grandiosen Sieg über die Bayern hat Wolfsburg in Frankfurt erstaunlich wenig zustande gebracht. Es kann also auch knirschen im Getriebe des VW-Werksklubs…

Ganz aussichtslos ist die Sache daher nicht. Und zum ersten Mal in der jungen Rückrunde werden die Erwartungen nicht übertrieben hoch sein. Mit viel Skepsis ausgerüstet, lässt sich vielleicht sogar mehr Leistung abrufen als zuletzt in Augsburg und gegen Bremen. Möglicherweise reichen die beiden Niederlagen aber auch noch nicht aus, um den Kopf nicht mehr „in den Wolken zu tragen“.

normal_ug084_9996_130914Schauen wir uns die Sache vorurteilsfrei an, indem wir harten statistischen Zahlen den Vorzug geben. Und da haben die Wölfe in 14 Spielen gegen Hoffenheim sieben Mal gesiegt, drei Mal verloren und vier Unentschieden hinbekommen. Das sieht schon mal nicht so gut aus. Die Signale stehen aber auch nicht in Richtung Chancenlosigkeit, das wäre eine Übertreibung der Marke „Kopf in den Sand stecken“.

Die Saison hat inzwischen 19 Spiele auf dem Buckel. Statistische Werte gewinnen dadurch sehr an Aussagekraft, es sind klare Tendenzen abzulesen. Denkt man. Zum Beispiel wenn man die absolute Anzahl an Ballkontakten zur Hand nimmt. Denn da liegen die Bayern mit knapp 17.000 einsam an der Spitze, während Wolfsburg als Verfolger mit knapp 13.000 auf Platz 3 liegt. Alles klar, da sieht man, wer erfolgreich das Spiel macht, zumal Hoffenheim mit knapp 11.500 deutlich schwächere Werte aufweist. Wäre da nicht Platz 2, auf dem mit knapp 13.500 Ballkontakten Dortmund rangiert, als Tabellenletzter.

normal_ug121_0227_130914Die Zweikampfstatistik liefert noch verwirrendere Werte. Da liegen die Bayern in der Quote wieder ganz vorn, gefolgt von Augsburg und Dortmund (!), doch in der exakten Zahl der gewonnenen Zweikämpfe ist Hoffenheim Tabellenführer, während Wolfsburg sich im Mittelfeld aufhält. Aber genau hier wird die Sache interessant. Es sieht danach aus, als seien die Wölfe an dieser Stelle verwundbar, falls die TSG nämlich ihr volles Zweikampfpotential abruft. Das Zweikampfverhalten von Wolfsburg ist, milde ausgedrückt, ausbaufähig.

Bei den Torschüssen liegt Wolfsburg weit vor Hoffenheim. Die Wölfe feuern aus allen Rohren, treffen häufig und kriegen auch öfters einen rein: Ihr Torverhältnis von 38:19 ist zwar gut, aber lang nicht so beeindruckend wie das der Bayern mit 43:9. Hier gilt es anzusetzen und Benaglio tüchtig unter Feuer zu nehmen, wenn man in Wolfsburg etwas erreichen will. Ansonsten gibt es, außer bei den Werten für Abseits, statistisch keine auffälligen Unterschiede zwischen Hoffenheim und Wolfsburg, die sehr viel öfter abseits standen.

normal_ug111_0151_130914Bleibt das „Momentum“ – jene ominöse Größe, die seit ein, zwei Jahren Einzug in die Sportberichte gehalten hat. Damit ist entweder gemeint, dass es im Sport entscheidende Augenblicke gibt, die man besser nutzt als verstreichen lässt, oder das, was man früher in etwa „die Gunst der Stunde“ genannt hat. Es geht dabei um jenen Tatbestand, den Boris Becker im Sport salonfähig gemacht hat, um die mentale Verfassung. Und die ist in Hoffenheim nicht gerade glänzend, aber das kann ein Vorteil sein, falls Wolfsburg sich mit Schürrle für einen Goliath hält und Hoffenheim den David gibt.

Es ist, man muss es zugeben, diesmal kein großer Gewinn aus der Statistik zu ziehen. Der gesunde Menschen- oder Sportverstand tut es auch, dem sofort klar ist, dass Wolfsburg als Favorit und Hoffenheim als Underdog antritt. Wer das Rennen macht, hängt ganz wesentlich davon ab, ob die TSG nach zwei Niederlagen noch mit Depressionen statt mit dem Gegner kämpft.

Fotografie: Uwe Grün

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