Wiedersehen mit Vestergaard

Wirklich lang ist’s nicht her. Eigentlich sind es ja nur ein paar Tage, dass Yannick Vestergaard zu Werder Bremen transferiert wurde. Kurz nach Koen Casteels – während Davie Selke, Hoffenheims ehemaliger U-19-Spieler, schon seit einem Jahr da ist. Casteels als zweiter Torhüter muss momentan zwar die Bank hüten, dafür stehen Selke und Vestergaard bestimmt in der Startaufstellung.

normal_ug044_8190_091113Ein bisschen traurig ist es schon, dass Vestergaard kein Hoffenheimer mehr ist. Seine hünenhafte Wikinger-Gestalt, sein fliegender Haarschopf, seine Riesenschritte, sein sympathisches Lachen werden uns fehlen. Aber er hat zuletzt nicht mehr viel gespielt – und man konnte ihm ansehen, wie unzufrieden er damit war. Jetzt kann er auf viele Einsätze zählen und ist seiner dänischen Heimat nah. Und offenbar ist er in Bremen auf Anhieb gut eingeschlagen, so dass sein Wunsch, weiter für die dänische Nationalmannschaft zu spielen, neuen Auftrieb erhält. Beim Heimspiel gegen die Hertha hat er fehlerfrei verteidigt und leidenschaftliche Angriffe nach vorn gestartet.

normal_ug103_8799_130714Man weiß ja, dass Spieler gegen ihre Ex-Klubs einen ganz besonderen Ehrgeiz entwickeln und oft auch über sich hinauswachsen. Insofern heißt es doppelt aufpassen, wenn am Mittwochabend Werder Bremen in Sinsheim zu Gast ist. Zumal die Bremer einen mustergültigen Start in die Rückrunde hingelegt haben und mit dem zurückgekehrten di Santo einen brandgefährlichen Stürmer aufbieten können. Vestergaard und Casteels können außerdem detailliert Auskunft darüber geben, wie Hoffenheim spielt.

Um im Vorhinein substantielleren Aufschluss über die Partie zu erlangen, würde der Blick in die statistische Glaskugel diesmal nichts nützen. Werder gehört zu den stark abstiegsgefährdeten Mannschaften und hat mit dem Bremen der Vergangenheit nicht mehr viel zu tun. Die Mannschaft erfindet sich gerade neu und hat mit dem Erfolg über die Hertha zwar etwas Selbstvertrauen getankt, aber der Gegner war nicht stark genug, um auch nur einigermaßen verlässlich einschätzen zu können, wo Werder jetzt steht. Es ist völlig offen, ob Bremen sich gerade fängt und an die früheren Erfolge anknüpft oder immer noch so zerfahren agiert wie in der Hinrunde.

normal_ug122_3873_301113Insofern wird sehr viel davon abhängen, wie Hoffenheim die Auftaktniederlage in Augsburg verdaut bzw. innerlich umgesetzt hat. Der allgemeine Tenor – „dann holen wir eben gegen Bremen drei Punkte“ – ist verständlich, birgt aber auch die Gefahr, nochmal zu sehr auf die eigene Spielstärke zu vertrauen und den Willen des Gegners zu unterschätzen. Und das wäre fatal. In der Liga ist auch ein vermeintlich spielschwacher Gegner jederzeit in der Lage, in die Lücken vorzustoßen, die man sich selber zufügt, wenn man an einen Selbstläufer glaubt.

Zu erwarten ist das indessen nicht. Fast immer kann Hoffenheim nach schwachen Spielen das Ruder herumreißen und so konzentrierte Spiele abliefern, dass der Gegner seine liebe Mühe hat, die wieder hellwache TSG unter Kontrolle zu bringen. Ähnlich arglos ins Verderben rennen wie in Augsburg wird Hoffenheim sicher nicht. Stattdessen werden die Mannschaftsteile wieder weitgehend verzahnt sein, die Mannschaft wird sich wiedergefunden haben.

normal_ug118_3823_301113Angesichts der Bremer Hochgeschwindigkeitstaktik ist außerdem mit einem zuschauerfreundlichen, schönen Spiel zu rechnen, das dem Hoffenheimer Glanzsturm mehr Möglichkeiten bieten wird, als sich zuletzt durch die Augsburger Störmanöver eröffneten. Kurz gesagt verfügt Bremen immer noch über ausreichend Werder-Gene, um die Partie interessant zu machen. Hoffenheim wird deshalb wieder so auftreten, wie es dem eigenen Selbstverständnis entspricht. Und dann liegen drei Punkte absolut im Bereich des Möglichen.

Fotos: Uwe Grün

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