Der Fluch der guten Vorbereitung

Es ist eine der vielen seltsamen Gesetzmäßigkeiten im Fußball: Vorbereitung gut, Start miserabel. Zu besichtigen gestern wieder in Augsburg. Die Hoffenheimer Version davon: Statt traumhaften Fußball zu spielen wie in den Testspielen, wurden 90 Minuten gegen einen beinharten Gegner regelrecht verträumt.

Natürlich waren die widrigen Witterungsverhältnisse nicht ohne Bedeutung. Andererseits – wie kann man bei Wind und Wetter, im dichten Schneetreiben nicht aufwachen? Wie ist es möglich, nach zwei Wirkungstreffern in Folge weiter so selbstverliebt zu spielen wie zuvor? Wenn man eben wegen einer herausragenden Vorbereitung zu fest an sich glaubt. Außerdem waren die Augsburger ja im selben schlechten Wetter unterwegs.

Das Schneegestöber kann also der Grund nicht gewesen sein bzw. nur insofern, als Augsburg die richtigen Schlüsse aus der Winterkulisse zog und zu einer entsprechend grobkörnigen Spielweise fand. Das filigrane, hochtechnische Hoffenheimer Spiel hatte auf der weißen Tanzfläche jedenfalls keine Chance. Wenn etwas Erfolg versprach, dann kernige Flanken ins geahnte Nirgendwo und ein eher derber Antritt, gepaart mit Freistoßschindereien.

Gut, wir wollen jetzt nicht unzufrieden sein, dass Hoffenheim letzteres nicht macht. Denn dieses Freistoßschinden Marke Augsburg ist hochgradig ärgerlich und – so oft, wie es geschieht – offenbar einstudiert. Man geht dazu mit dem Ball in hohem Tempo Richtung gegnerischer Defensive, kreuzt den Weg eines Verteidigers und nimmt für einen kurzen Moment Geschwindigkeit weg, so dass der Gegner aufläuft. Daraufhin lässt man sich theatralisch fallen – und kriegt einen Freistoß aus gefährlicher Situation. Das ist in etwa so, als würde man im Auto kurz den Fuß vom Gas nehmen, wenn man sieht, dass jemand eng auffährt, worauf der Unglücksrabe die Stoßstange touchiert und man den Bagatellschaden bei dessen Versicherung groß abkassiert.

Schön ist so etwas nicht, aber Teil der Augsburger Effizienz. Die allerdings, das muss man zugeben, nicht nur im unsportlichen, sondern auch im sportlichen Zusammenhang greift. So hatte Augsburg sofort verstanden, dass man im Schneetreiben sozusagen auf Winterreifen umrüsten muss, während Hoffenheim sein Glück immer noch mit Sommerreifen versuchte – und im eleganten Kurzpass-Spiel auf seifigem Untergrund gnadenlos wegrutschte. Die Augsburger einfachen Bälle und simplen Flanken waren an diesem verschneiten Abend das deutlich gewinnbringendere Werkzeug.

Als kurz vor der Pause der Hoffenheimer Anschlusstreffer fiel und als Abraham in der Nachspielzeit fast noch den Ausgleich erzielte, gingen bezeichnenderweise ebenfalls einfache Flanken voraus. Sonst jedoch hielt unsere Mannschaft überwiegend an dem fest, woran sie in der Vorbereitung so gut gearbeitet hatte: an schnellen Spielzügen in engen Räumen, an technisch hochwertigen Versuchen, die aber ins Leere liefen. Der misslungene Fallrückzieher von Modeste war das sichtbarste Beispiel dafür. Statt etwas in die Knie zu gehen und einen Kopfballtorpedo abzufeuern, versuchte er sich an einem ehrgeizigen Scherenschlag.

Außerdem stand Augsburg unseren Spielern fast immer auf den Füßen, während Hoffenheim dem Gegner sehr viel größeren Spielraum gewährte. Vielleicht war das auch eine Folge der taktischen Aufstellung mit drei Sechsern, so dass sich vorn zu wenige Chancen zur Balleroberung boten. Ohne Umschaltmöglichkeiten ist die Hoffenheimer Offensive immer noch etwas zahnlos. Die Umstellung auf eine Mixtur aus Pressing und Ballbesitz wartet weiter auf Kontinuität und Routine.

Wie auch immer – der Start in die Rückrunde ist gründlich misslungen. So dass unsere Mannschaft jetzt, bevor es nach Wolfsburg geht, unbedingt gegen Bremen drei Punkte holen muss. Aber wie so oft wird sie nach einem schlechten Spiel bestimmt völlig anders auftreten, konzentriert, kompakt, zielorientiert. Es wird also spannend am Mittwochabend, so viel steht fest!

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