Heia Safari

DER BALL ROLLT WIEDER! Heute Abend steigt in Wolfsburg das Spitzenspiel gegen die Bayern, bis nach den Samstagspielen am frühen Sonntagabend auch Hoffenheim ins Liga-Geschehen eingreift. Man könnte singen vor Freude, aus gegebenem Anlass etwa so, in leicht abgewandelten Worten der Augsburger Puppenkiste: „Kinder, Kinder, ist das schön, auf die Punkte-Jagd zu gehn. Heia, heia, heia Safari!“ (Urmel aus dem Eis)

Es wurde höchste Zeit. So eine kleine Fußballpause um Weihnachten und Neujahr herum ist ja nicht verkehrt, aber die Feiertage liegen inzwischen so weit zurück, dass man sich kaum noch daran erinnert. Ein ödes Wochenende reiht sich ans nächste, vor lauter Verzweiflung bemüht man sich schon, das langweiligste Dschungelcamp aller Zeiten spannend zu finden. Nein, so geht’s nicht weiter, ab jetzt steht wieder nur noch der Fußball im Mittelpunkt.

normal_ug145_2815_230814Und wie es aussieht, vibriert unsere Mannschaft vor Energie. Hoffentlich wird nur keine schleichende Übermotivation daraus, so dass wir den Augsburgern ins Messer laufen bzw. uns in ihren Puppenkistenfäden verheddern. Der Vergleich ist übrigens gar nicht so weit hergeholt – Augsburgs Weinzierl hat seine Truppe darauf ausgerichtet, dass sie wie ein Ensemble aus Marionetten jeder seiner Vorgaben exakt folgt. Damit gleicht er den Kreativitätsmangel im Kader nicht ohne Erfolg aus: Augsburg überwintert einen Punkt vor Hoffenheim auf Platz 6, dem letzten Euro-League-Platz.

Man nennt so etwas auch „mannschaftliche Geschlossenheit“. Im Fall von Augsburg hat die Kader-Disziplin gegen Hoffenheim zu sechs Heimsiegen und einem Unentschieden geführt – unser erster Auswärtssieg steht also noch aus. Gleichzeitig liegt im unübersehbaren Teamspirit der Augsburger aber auch ihr größtes Gefahrenpotential. Wenn man es schafft, den Glauben ans ackernde, rackernde Kollektiv zu erschüttern, zerbröselt es über kurz oder lang.

normal_ug138_2780_230814Wenn Hoffenheim seine kreativen PS also auf den Boden bringt, sind die ersehnten drei Punkte mehr als drin. Zumal Augsburg gewöhnlich eher schlecht als recht in die Saisonhälften startet, was vermutlich wiederum an der Kollektivmoral liegt, die eine gewisse Anlaufzeit benötigt, ehe aus einem tendenziell talentschwachen Ensemble eine geschlossene Gemeinschaft wird.

Augsburg wird Hoffenheim in beinharte Zweikämpfe zu verwickeln versuchen, um dann blitzschnell in die Konter zu gehen. Hoffenheim muss die Zweikämpfe entweder bestehen oder ihnen kreativ ausweichen. Dass Augsburg mit deutlich mehr Ballkontakten und Ballbesitz als Hoffenheim operiert, deutet auf eine gewisse Behäbigkeit im Spielaufbau hin, wenn man es versteht, den Zweikämpfen auszuweichen, was dann den kreativen Vorteil richtig in Wert setzt.

normal_ug108_2552_230814Eine spezielle Zweikampfbilanz kann allerdings besonderen Einfluss aufs Spiel haben: Beck gegen Werner. Denn die Augsburger ziehen von Werners linker und Becks rechter Seite doppelt so viele Flanken aufs Tor wie von der anderen Seite. Komplett ausschalten können wird Beck diesen Robben für Arme nicht, und zwar allein deshalb, weil er sich gern zielführend fallen lässt, um unberechtigte Frei- oder Strafstöße zu holen.

Hoffenheim hat in dieser Transferperiode nur Rapp aus der Jugend zu den Profis hochgezogen und sich ansonsten nicht verstärkt – das war auch nicht nötig. Der Kader ist prall gefüllt mit exzellenten Spielern, die einen ausgeprägten Teamgeist haben und über hohe Kreativität verfügen. Es wäre schön, wenn die TSG am Sonntagabend davon erfolgreich Gebrauch machen und die Augsburger Heimbilanz mit sechs Siegen und keinem Unentschieden trüben würde. Ich finde, es riecht nach drei Punkten…

Fotografie: Uwe Grün

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