Gefahr von rechts

Im Fußball denkt man bei ‚Gefahr von rechts‘ im Normalfall an die rechte Sturmseite, in unserem Fall etwa an Kevin Volland. Oder an die Gefahr, die über rechts von einer gegnerischen Angriffsformation ausgeht. Im Moment ist das anders. Die Ausstellung in der WIRSOL Rhein-Neckar-Arena, gestern eröffnet, Laufzeit bis zum 5. Februar, thematisiert unter dem Titel „Gefahr von rechts“ rechtsextreme Strömungen im Fußball.

Solche rechtsextremen Tendenzen gibt es schon lang, seit den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts werden sie als organisierter Zusammenhang registriert – und eher halbherzig bekämpft. Besonders auffällig sind sie durch die zunehmende Verpflichtung afrikanischer Spieler geworden. Affenlaute, Bananenwürfe und herabwürdigende Rufe sind seither an der Tagesordnung. Im Fernsehen ist davon wenig zu sehen. Die TV-Verantwortlichen haben begriffen, dass sie den Rechtsextremen und Ausländerhassern keine Bühne bereiten dürfen.

Was leider nicht heißt, dass es das alles nicht mehr gibt. Allerdings sind handfeste Neonazi-Probleme in der Minderheit, stattdessen hat sich ein Klima von Ausgrenzung, Hass und Gewalt etabliert. Die kleine Ausstellung in der Arena informiert anhand von Shirts, Fahnen und Schautafeln darüber. Man hat das in wenigen Minuten angeschaut, umso länger hallt es nach, wie auch der Doku-Film „Wie im falschen Film“, der gestern zur Ausstellungseröffnung gezeigt wurde, gleich nach der Eröffnung durch unseren Leitenden Geschäftsführer Peter Rettig, den Sinsheimer Oberbürgermeister Jörg Albrecht und den Kreisgeschäftsführer der mitveranstaltenden AWO, Manfred Weißkopf – moderiert von Stadionsprecher Mike Diehl.

Peter Rettig hatte das Privileg, die von BAFF (Bündnis aktiver Fußballfans) zuletzt auf Schalke gezeigte Ausstellung in Richtung 1899 Hoffenheim etwas zu entschärfen. Denn auch in der inzwischen siebten Bundesliga-Saison hat die TSG wenig mit einschlägigen Tendenzen zu tun. 23 Stadionverbote hat es bislang erst gegeben, davon nur vier gegen Hoffe-Fans und keines dieser vier wegen rechtsradikaler Einlassungen. Jörg Albrecht wiederum konnte für Sinsheim berichten, dass die Stadt das Thema Diskriminierung aufmerksam im Blick und gut im Griff habe.

Trotzdem schlug die Doku „Wie im Falschen Film“ danach ein. Warum? Es tut einfach weh, wenn man ehemaligen und aktuellen Bundesliga-Profis wie Otto Addo, Gerald Asamoah, Hans Sarpei und Jérôme Boateng zuhört, wie sie von unzähligen Angriffen, Beleidigungen, Schmähungen und anderen Niederträchtigkeiten berichten, die sie als Jugendliche und als aktive Spieler erleben mussten. Und egal, wie gut sie die Geschehnisse möglicherweise einschätzen oder verarbeiten können: Man merkt, wie tief sie in der Seele getroffen wurden und sind.

Es ist schade, dass dieser Film offenbar nicht noch einmal zu sehen ist, in dem auch unser Kapitän zu Wort kam. Andi Beck hat übrigens die Schirmherrschaft über die Ausstellung übernommen und berichtete nach der Filmvorführung zusammen mit dem Produzenten und Regisseur Andreas Hellstab auf einer kleinen Podiumsdiskussion von seinen eigenen Erfahrungen im Bereich Diskriminierung, erneut erstklassig moderiert von Mike Diehl. Andi Beck ist ja als sogenannter Russland-Deutscher als kleiner Junge nach Deutschland gekommen und hat das Klima von Ausgrenzung und Anfeindung hautnah erlebt.

Seinen Worten zufolge ist die enorme Energie, die in Fußballstadien entsteht, in ihrer Wirkung auf diskriminierte Spieler nicht zu unterschätzen. Genau das war den portraitierten Spielern im Film auch anzusehen, die heute noch darunter leiden, dass sie zur Zielscheibe von rassistischen Vorurteilen wurden. Darüber, wie stark solche Vorurteile sind und wie weit verbreitet, sollte man sich keine Illusionen machen. Im Gegenteil geht die Tendenz augenblicklich eher in Richtung von noch mehr Diskriminierung, Hass und Gewalt.

Peter Rettig sagte zur Eröffnung der Ausstellung sehr zurecht, dass Extremismus und Diskriminierung in unseren modernen Gesellschaften keinen Platz haben dürfen. Nach dem Erlebnis des Films kann man hinzufügen, dass es erstens eine riesige Schweinerei und zweitens in jeder Hinsicht ein Verbrechen ist, wenn Leute glauben, Menschen anderer Hautfarbe und anderer Herkunft beleidigen, verfolgen oder tätlich angreifen zu können.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Fotografie Uwe Grün, Kraichgaufoto

Deine Meinung zum Artikel: