Beißhemmung

Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Halbsaison. Hoffenheim wirkt gegen die großen Namen der Fußballrepublik irgendwie gehemmt, außer gegen die Bayern, weil da vor lauter Chancenlosigkeit ohnehin nichts zu verlieren war, und gegen Schalke, das zu der Zeit noch am Boden lag. Gegen Gladbach, Dortmund und gestern Leverkusen hat Hoffenheim sich über weite Strecken aber beinahe versteckt.

Die Befürchtung, bei allzu sorglosem Spiel nach vorn vielleicht unter die Räder zu kommen, ist gegen die größeren Kaliber der Liga natürlich berechtigt. Gegen Dortmund und Leverkusen kann man sich schnell mal drei Konter einfangen, von denen zwei zu Toren führen – für so etwas braucht es nicht mehr als 20 Minuten. Wenn die TSG jedoch zu bedachtsam agiert, verhindert sie zwar die gefürchteten Konter, aber es erstirbt auch das eigene Offensivspiel. So dass man am Ende trotzdem zurückliegt, wenn auch nur knapp. Die Punkte sind jedenfalls weg.

normal_ug047_1381_171214Chancen, das Spiel nicht zu verlieren, gab es gestern durchaus. Die Chance, es auch zu gewinnen, weit weniger. Im Aufeinanderprallen zweier gleicher Spielsysteme wirkte Leverkusen deutlich erwachsener, ausgereifter, auch und gerade, solange die Spielsysteme sich noch neutralisierten. Erst ganz gegen Ende, als Leverkusen schon führte und Hoffenheim „all in“ spielte, also endlich auch größere Risiken einging, stiegen die Chancen, Leverkusen niederzuringen.

Szalai vergab eine Großchance, der seltsame Schiedsrichter versagte einen klaren Handelfmeter – in der Summe hätte es knapp sogar noch zum Sieg reichen können. Doch dafür war es dann letztlich zu spät, ein Sieg wäre nur mit viel Glück zustande gekommen. Indem das Glück ausblieb, reichte es nicht mal zum Unentschieden.

normal_ug089_1651_171214Man kann wirklich nicht sagen, dass die TSG schlecht gespielt hätte, alles andere als das. Sondern nur, dass sie unter ihren Möglichkeiten blieb, offensiv. Was aber auch daran lag, dass die Mannschaft in ihrer Gesamtheit nicht genug technische Fertigkeiten hat, um einen Gegner wie Leverkusen ohne riskantes offensives Dauerfeuer ausreichend unter Druck zu setzen. Die Passgenauigkeit müsste dafür höher sein, die Ballannahme sicherer, das Dribblingpotential ausgeprägter, die Chancenverwertung besser.

Und auch die Spieleröffnung durch die Innenverteidiger, die Sechser und Baumann müsste effizienter sein, um einen Gegner wie Leverkusen, Dortmund oder Gladbach spielerisch zu beeindrucken. So bleibt bei solchen Gegnern nur der Mut zur bedingungslosen Offensive – gekoppelt an die Gefahr, sich ins offene Messer zu stürzen, so wie letzte Saison. Die spielerische, konzeptionelle Weiterentwicklung, die Markus Gisdol in dieser Saison betreibt, schwächt einstweilen beide zugleich, Gefahr und Mut, so dass Hoffenheim in den Spielen gegen Schwergewichte weder untergeht noch brillieren kann.

normal_ug044_1357_171214Alles in allem ist unverkennbar, dass sich die Mannschaft weiterentwickelt und auch ein zunehmend größeres Bewusstsein spielerischer Variabilität bekommt. Vom abschließenden Spiel in Berlin hängt es deshalb ab, ob Hoffenheim eine sehr gute oder eine gute Hinrunde gespielt hat. Um dann in der Rückrunde auch gegen Leverkusen, Dortmund und Gladbach sowie Schalke und Wolfsburg zu bestehen, die beide inzwischen viel stärker auftretenden als zu Beginn der Saison, muss die Weiterentwicklung der Mannschaft aber noch einen entschiedenen Schritt weitergehen – oder der Mut wieder zunehmen. Am besten vermutlich beides!

Fotografie Uwe Grün, Kraichgaufoto

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