Firminos Licht und Süles Schatten

Glück und Verderben können nah beieinander wohnen. Zu Beginn der Partie wand sich Niklas Süle in Schmerzen auf dem Boden, mit gerissenem Kreuzband – gegen Ende feierte Roberto Firmino mit blankem Oberkörper sein Tor, seine Leistung und den Sieg. Dazwischen lagen 80 Minuten fast schon wieder üblichen Hoffenheimer Spektakels.

Süle hat bei seinem kometenhaften Aufstieg auf die Bühne des Profifußballs so viel Licht verbreitet, dass man bei seiner Verletzung von ebenso viel Schattenwurf auf die Mannschaft ausgehen musste. Dass Strobl die Lücke einstweilen wirkungsvoll schloss und Frankfurt zu keinem Spaziergang durch die TSG-Defensive ansetzen konnte, war aber erstmal beruhigend. Trotzdem wird uns der wuchtige, wie gefällte, doch bereits wieder twitternde Innenverteidiger massiv fehlen, für den ganzen, langen Rest der Saison… Gute Besserung, Niklas Süle, alles Gute, und auf ein sportliches Wiedersehen im Pokal im Spätsommer!

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Die Mannschaft war von Süles schwerer Verletzung auch sichtbar geschockt. Die Eintracht konnte in der ersten Halbzeit deshalb gute Ansätze entwickeln, ohne überlegen zu werden, während die TSG sich langsam aus der Schockstarre löste und das Spiel allmählich in die Hand bekam. Koordinierte Angriffe waren aber selten zu sehen. Im Frankfurter Defensivverbund blieb vieles stecken, intensive Zweikämpfe prägten das insgesamt etwas hitzige Geschehen. Hildebrand im Tor der Eintracht konnte an alter Wirkungsstätte trotzdem einigermaßen gelassen seinen dritten Frühling als Keeper feiern, bis kurz vor der Halbzeit…

normal_ug035__121214Dann ging Schwegler bei einem Angriff seiner Ex-Kollegen entschieden dazwischen, so dass Firmino an den Ball kam. Und dessen langer Pass in die Schnittstelle der Frankfurter Verteidigung war ein Traum an Präzision. Volland und Elyounoussi hätten beide den Ball erlaufen können, doch Volland schnappte ihn sich, ließ Hildebrand aussteigen und verwandelte eiskalt zur Pausenführung.

War die erste Halbzeit eher ausgeglichen verlaufen, mit leichten Vorteilen für die TSG, ließ sich die zweite Halbzeit zu Beginn weniger gut an. Frankfurt baute immer mehr Druck auf und schaffte es, in der 58. Minute den Ausgleich zu erzielen, durch Aigner. Ganz gerecht war das nicht, aber effizient – und Hoffenheim konnte wenigstens froh sein, dass Alexander Meier an diesem Flutlichtabend Ladehemmung hatte. Wann immer der sonst so erfolgreiche Eintracht-Stürmer abzog: haltbar, drüber oder daneben. Kurz nach der 62. Minute kam Szalai für Modeste, der von der Eintracht weitgehend neutralisiert worden war. Kaum auf dem Platz, staubte er einen Schuss von Schwegler ab, den Hildebrand nur abwehren konnte, und erzielte die erneute Führung.

normal_ug075_0300_121214Und dann begannen die Festspiele des Roberto Firmino. Wirkte die Defensive der Eintracht bis zu diesem Zeitpunkt einigermaßen sattelfest, nahm sie Firmino jetzt nach allen Regeln der Kunst auseinander. Fast immer von zwei bis vier Gegenspielern attackiert, zog er unfassbar ballgewandt, ungemein athletisch und mit enormer Spielübersicht seine Runden, ließ die Frankfurter wie Slalomstangen stehen, setzte seine Mitspieler ein und sorgte für derart große Verunsicherung, dass die Eintracht zusehends auseinanderfiel.

Und noch einer wirkte mit am Zerfall der Eintracht. Andi Beck, sonst kein Garant für offensive Solo-Auftritte und elegante Dribblings. Sehenswert setzte er sich immer wieder filigran gegen Frankfurt in Szene und flankte wiederholt auch gefährlich in die Mitte. War da ein Knoten geplatzt? Man wünscht es sich und ihm – wenn er daran anzuknüpfen vermag, wird er bald sogar wieder an die Tür der Nationalmannschaft klopfen, woran zuletzt niemand mehr so recht glauben konnte.

normal_ug051__121214Es schien inzwischen nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis Hoffenheim mit dem dritten Treffer die Partie entscheiden würde, zum Beispiel durch Elyounoussi, der einmal verzog und einmal nur den Pfosten traf. Doch wer tatsächlich ein Tor erzielte, war Seferovic. Aus dem Nichts stand es 2:2, und weil das in der 77. Minute geschah, schien der sichere Sieg verloren. Wenn da nicht Firmino gewesen wäre…

Er war der Spieler, der an diesem Tag den Unterschied machte. Denn die Eintracht wirkte auch nach dem Ausgleich noch zerfahren. Firmino hatte ihre Defensive fast im Alleingang aus den Angeln gehoben und erntete in der 87. Minute den Lohn dafür, indem er einen fast verlorenen Ball, vom mannschaftsdienlichen Szalai energisch zurück vors Tor gebracht, über die Linie beförderte.

normal_ug120_0045_121214In der feiernden, tanzenden Spielertraube war auch Markus Gisdol auszumachen, der seiner Freude mit einem Sprint übers halbe Spielfeld Ausdruck verlieh. Dass Firmino in diesem Moment auch mal wieder sein Trikot schwenkte und dafür gelb sah, störte eigentlich niemanden. Die Karte in der Farbe der Seleçao war eher so etwas wie eine offizielle Anerkennung.

In den zwei Minuten Nachspielzeit warf Frankfurt fast wütend noch einmal alles nach vorn, inklusive Hildebrand. Doch Baumann, der schon ein sehr gutes Spiel gemacht hatte, rettete zweimal in sehenswerter Manier und hielt den gerecht erarbeiteten und letztlich verdienten Sieg fest.

Fotografie Uwe Grün, Kraichgaufoto

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