NIX VOM NIKOLAUS?

Nein, diesmal gab’s für Hoffenheim nichts vom Nikolaus. Nicht mal das kleinste Pünktchen. Denn wer sich als Fußballer am Nikolaustag morgens mit Punkten beschenkt sehen will, muss am Abend vorher seinen Fußballstiefel rausstellen. Am besten in Richtung Dortmunder Schlussmann, um ein Tor zu erzielen. Das aber hatte die TSG vergessen.

An fehlender Bravheit lag es bestimmt nicht, die TSG spielte so brav, wie es nur möglich war. Doch dafür gab es an diesem Nikolaus-Wochenende leider nichts geschenkt, Knecht Ruprecht war kein Thema. Die drei Punkte gingen darum allesamt an den BVB, der sich gerade noch rechtzeitig darauf besonnen hatte, nicht mehr denselben alten Stiefel zu spielen, der sie bis ans Tabellenende getragen hatte.

Nikolaus hin, Nikolaus her – es war eine seltsame Partie, in der Dortmund auf das übliche Pressing und Umschaltspiel verzichtete. Stattdessen wurde hinten dicht gemacht und der Ball übers Mittelfeld mit Sicherheitsfußball nach vorn gebracht. Von diesen klassischen Abstiegskampfmitteln wurde die TSG offenbar überrascht. Sie war taktisch darauf eingestellt, Dortmund keine Angriffsfläche für die erwarteten pfeilschnellen Gegenangriffe zu bieten, die es aber eben gar nicht gab.

Die offensive Zurückhaltung der TSG fand hier vermutlich ihren Grund. Und darin, dass mit Polanski, Rudy und Schwegler drei Sechser aufgeboten waren, um die zuletzt viel zu offenen Räume in der Mitte vor der Abwehr zu schließen. Auf den ersten Blick wirkte das sehr solide. Nur musste dafür die Offensive um einen Spieler reduziert werden. Und Rudy, der den offensiven Part des Sechser-Trios zugeteilt bekommen hatte, wusste ebenso wenig damit anzufangen wie der offensive Rest, der es auch noch mit einer wild entschlossenen Dortmunder Defensive zu tun bekam.

Im Prinzip kann man taktische Konzepte, die nicht aufgehen, während eines Spiels ändern. Im Prinzip ging das Konzept aber auf, weil Dortmund ja ab der 17. Minute immer nur mit einem Tor führte und Hoffenheim das Spiel im Prinzip jederzeit hätte umbiegen können. Die Ruhe, mit der die TSG die Partie bestritt, deutete darauf hin, dass Markus Gisdols Pläne prinzipiell genau in diese Richtung gingen: Dortmund ins Leere laufen lassen, nach Möglichkeit nicht mehr als ein Tor kassieren und dann die Dortmunder angeschlagenen Nerven offensiv durchtrennen.

Dazu kam es jedoch nicht. Hoffenheim hatte sich, je länger das Spiel lief, mit der selbstverordneten Vorsicht förmlich stranguliert. Und so blieben die langen Bälle, die über die erwarteten, aber ausbleibenden wütenden Dortmunder Angriffe hinweg für Gefahr vor dem Tor des BVB sorgen sollten, in der massierten Dortmunder Abwehr stecken. Auch die Einwechslung von Modeste und Elyounoussi vermochte daran wenig zu ändern.

Am Ende half es auch nichts, den versagten Elfmeter zu beklagen. Die Szene, in der Elyounoussi von den Beinen geholt, besser gesagt, von Subotic gelbwürdig abgeräumt wurde, gehört zwar ins Handbuch für die zukünftige Schiedsrichter-Ausbildung, als herausragendes Beispiel für klarste nicht gegebene Elfer. Doch wurde dem BVB ein regulärer Treffer aus vermeintlicher Abseitsposition ebenfalls verwehrt.

Alles in allem wäre es auch nicht verdient gewesen, aus diesem Spiel wegen eines Elfmetertors zuletzt noch einen Punkt mitzunehmen. Die Niederlage war klar verdient, das taktische Konzept hatte einfach nicht gegriffen. Das einzuräumen fällt schwer, weil Hoffenheim am Wochenende damit ausgerechnet dem BVB die Leiter hingestellt hat, um aus dem Tabellenkeller herauszukrabbeln. Aber wer weiß – man sieht sich ja zweimal pro Saison…

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