In der Hitze der Dortmunder Nacht

Freitagabend, Flutlicht… Eigentlich eine klare Sache, wir spielen gegen den Tabellenletzten. Also gegen den Abstiegsaspiranten Nr. 1 – Stand heute. Nur ist die große Borussia momentan so tief in ihrem Stolz gebeugt, dass sie zwar einerseits fast eine Art Freiwild ist, andererseits aber auch so gefährlich wie ein angeschossener Löwe…

Es ist niemandem entgangen, der BVB pfeift national auf dem letzten Loch. International sieht es ganz anders aus, da können die erfolgsverwöhnten Schwarzgelben noch glänzen. Warum ist das so? Weil die namhaften Klubs, die international antreten, Dortmunds Pressing- und Umschaltspiel bereitwillig entgegenkommen, indem sie ihre Angriffe selbstbewusst über das Mittelfeld aufbauen. Während sich in der Bundesliga längst herumgesprochen hat, dass man den Dortmundern im Mittelfeld nichts groß anbieten darf, sonst erobern sie da den Ball und überrennen jede Abwehr.

normal_ug017_7901_141213Umgekehrt wackelt die Borussia in der eigenen Abwehr bedenklich, zur Not schenkt Dortmund die Tore regelrecht her, wie zuletzt in Frankfurt. Für die TSG kommt das alles wie gerufen, die langen Bälle nach vorn gehören inzwischen zum Repertoire, der wieselflinke TSG-Sturm sollte weniger Gegenwehr finden als in früheren Jahren. Darüber hinaus beginnt das Dortmunder Publikum allmählich unruhig zu werden und an der Edeltruppe zu zweifeln bzw. sie sogar auszupfeifen.

Doch gegen Hoffenheim werden Klopps Truppe und das Publikum noch einmal alles aufbieten. Die Dortmunder Äußerungen im Vorfeld zielen rein darauf ab, Mannschaft und Fans auf ein Kampfspiel einzustimmen, das jedem das Letzte abverlangt. Die Stadion-Atmosphäre wird darum hitzig sein, maximal aufgeladen. Wenn Hoffenheim kommt, will der Dortmunder Stolz gleich dreimal nicht in den Staub getreten werden. Und die Hitze wird sich aller Voraussicht nach auf den Platz übertragen. Es ist also äußerste Vorsicht geboten, auf dem Platz und in den Hoffenheimer Herzen, damit weder hier noch dort nichts und niemand Verletzungen davonträgt.

Statistisch gesehen ist Borussia Dortmund übrigens eine regelrechte Wundertüte. Im Laufverhalten, beim Ballbesitz und bei den Zweikampfwerten liegen die Schwarzgelben ganz weit vorn in der Liga, sie schießen auch mächtig oft aufs Tor – meistens vergeblich. Umgekehrt sind sie hinten offen wie ein Scheunentor.

normal_ug022_7917_141213Hoffenheim muss also selber zuallererst effizient verteidigen, um in Dortmund zu punkten. Das Gegentorfestival der letzten Spiele darf sich nicht wiederholen, außer die TSG macht Spektakel pur und setzt um, was Niklas Süle nach dem Spiel gegen Hannover gesagt hat: „Wenn wir 8:7 gewinnen, ist mir das auch scheißegal.“ Von den Nerven abgesehen, die so ein Spiel kosten würde, wäre das natürlich auch eine schöne Sache.

Aber im Ernst, noch läuft bei Borussia Dortmund wenig zusammen, auch wenn jeder glaubt, dass es sich dabei um eine Momentaufnahme handelt. Nach inzwischen 13 Spieltagen mit mageren 11 Pünktchen liegt es allerdings auf der Hand, dass Dortmund in eine echte Krisenlage geraten ist, aus der die Mannschaft so schnell nicht herausfinden wird.

normal_ug062_8263_141213Auf Hoffenheimer Seite ist man indessen gut beraten, weiter an die Gefährlichkeit der Borussia zu glauben. Angeschlagene Boxer sind bekanntlich die gefährlichsten. Wenn Hoffenheim aber klug und besonnen vorgeht und in den ersten 20 Minuten kein Tor einfängt, könnte die Aufgabe lösbar sein. Dortmund stürzt sich mit Vorliebe selber ins Schwert, das man offensiv nur bereithalten muss, bei heruntergelassenem defensivem Visier.

Fotografie: Uwe Grün

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