DER PLAN (Teile I, II und III)

Pep Guardiola sagte, der Sieg der Bayern wäre um ein bis zwei Tore zu hoch ausgefallen. Andi Beck sagte, es klinge vielleicht komisch, aber die TSG hätte gut gespielt. Markus Gisdol sagte, mit etwas Glück hätte seine Elf sogar etwas mitnehmen können aus München. Von verschiedener Seite war zu hören, besser als Hoffenheim sei in dieser Saison noch keine Mannschaft bei den Bayern angetreten. Trotzdem gewannen die Hausherren 4:0. Wie passt das zusammen?

Tatsächlich hatte man über weite Strecken des Spiels den Eindruck, dass Hoffenheim beinahe auf Augenhöhe mitspielte. Weder stand die Mannschaft betonartig hinten drin, um auf Unentschieden oder den einen Wahnsinnskonter zu spekulieren, noch suchte sie spektakelartig vorne blindlings ihr Glück. Sie spielte also weder Roulette noch Russisches Roulette. Stattdessen störte sie effektiv den Münchener Spielaufbau – und genau das war auch der Plan.

Besser gesagt war es „Der Plan“ Teil I. Denn Teil II sah vor, dass die TSG durch das frühe Stören des gegnerischen Spielaufbaus selber Zugriff aufs Spiel bekäme. Vielleicht nicht in Permanenz, aber doch ausreichend, um das Spiel offen zu gestalten. Mit „offen“ war gemeint, das hohe Torschusspotential der Bayern im Hinterkopf zu behalten und vorsichtshalber selber zu Toren zu kommen.

Teil I des Plans ging wunderbar auf. Hoffenheim lief und stellte geschickt alles zu, was München an Raum benötigt, um einen Gegner in Grund und Boden zu spielen. Und das machte die Hausherren sichtbar perplex, die mit Goetze, Lewandowski, Müller, Robben und Ribéry sehr offensiv angetreten waren. Bis dahin, dass die Bayern zunehmend auf gut Glück nach vorn spielten und ungewohnte Fehlpässe produzierten – und noch im defensiven Mittelfeld Ballverluste erlitten, die Hoffenheim dann in die erwünschten Konter umzuwandeln versuchte.

Was nicht gelang, nicht im ausreichenden Maß… Denn wie es aussah, waren die Spieler der TSG derart konzentriert mit der großartigen Umsetzung von Teil I des Plans beschäftigt, dass sie darüber Teil II völlig vergaßen. Wenn es wirklich zu Kontern kam, was ja Teil des Gesamtplans war, wirkte die Mannschaft jedenfalls überrascht und ideenlos – wie Goethes Zauberlehrling, der den auswendig gelernten Geheimspruch des Meisters anwendet und dann nicht weiß, was er mit dem entfesselten Besen anfangen soll.

Modeste am Anfang des Spiels, als es noch 0:0 stand, und Szalai gegen Ende, als es noch 2:0 stand, hätten zu einem Zeitpunkt ins Tor treffen können, ja müssen, als die Bayern jeweils unter Druck standen und wackelten. Wer weiß, was dann alles möglich gewesen wäre. Offenbar hatte die TSG (wieder wie Goethes Zauberlehrling, der nicht weiß, wie er den wildgewordenen Besen zur Ruhe bekommt) auch Teil III des Plans nicht zur Hand, der greifen sollte, wenn es den Bayern trotz allem gelingen würde, in Führung zu gehen und die Führung auch noch auszubauen.

So kam es, dass die Bayern gewohnt hoch gewannen. Dabei war der Plan, mit dem Hoffenheim nach München gereist war, im Grundsatz gut. Weshalb die TSG auch gut aussah, über weite Strecken. Nur bei der Umsetzung der Teile II und III hat es gehapert, so dass die Rollen in diesem Lehrstück klar verteilt waren: hier die meisterlichen Bayern, deren eigene Pläne man so leicht nicht durchkreuzen kann, dort der begabte Lehrling aus Baden, der vor lauter Ehrgeiz vergaß, wichtige Teile des TSG-Gesamtplans im Auge zu behalten.

Ein weithin übersehener, interessanter Aspekt des Spiels war noch, dass die Münchener Star-Spieler vom Hoffenheimer Ehrgeiz derart angestachelt wirkten, dass sie zum Ende des Spiels nicht wie sonst Tempo aus der Partie nahmen, sondern versuchten, den Gegner niederzuwalzen, darin auch noch unterstützt durch die Rückkehr des WM-Helden Schweinsteiger in der Schlussphase des Spiels. Womit einigermaßen erklärt ist, wie es zum letztlich unverdienten Abstand von vier Toren kommen konnte.

Hoffenheim sollte sich diese Niederlage nicht zu sehr zu Herzen nehmen. Aber auch nicht vergessen, dass Hannover nächstes Wochenende nach drei Niederlagen in Folge keinesfalls locker zu besiegen sein wird. Unterhalb der Bayern-Schwelle, also eines förmlich entrückten Star-Ensembles, liegen die Leistungspotentiale der Bundesligavereine sehr nah beieinander. Um Hannover zu bezwingen und den schönen Saisonstart nicht einzutrüben, muss die TSG durchstarten und alles aufbieten!

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