„Wieder der Hoffenheimer…“

Die letzten Spiele der Nationalmannschaft waren ja nicht berauschend – irgendwie passend zum Rahmenprogramm von RTL mit Florian König und Jens Lehmann, die sich viel zu ähnlich sind, um nicht sich und uns anzuöden. Florian König bei der Formel 1 im Zusammenspiel mit Niki Lauda, da ist mehr Senf auf der Wurst. Die beiden sind so gegensätzlich, dass die Moderation Funken schlägt.

Weil es kein Quali-Spiel war, durfte gestern die ARD wieder ran. Zugegeben, Mehmet Scholl und Matthias Opdenhövel sind allmählich auch keine Traumbesetzung mehr, vor allem, wenn sie sich ganz doll Mühe geben, lustig zu sein. Dann wirken sie wie zwei Jungs, die mit Hör-Zu-Witzen Mädchen beeindrucken wollen.

Aber besser als König & Lehmann sind sie allemal. Und überhaupt spielte das alles gar keine Rolle, weil ja Rudy und Volland in der Startaufstellung waren. So weit, so gut also. Doch dann der Schock: Steffen Simon am Mikrofon. Das versprach 90 Minuten Oberlehrertum, 90 Minuten Inkompetenz und peinliche Stimmungsschwankungen, je nach Spielstand. Wenn Deutschland führt, ob verdient oder nicht, bläst er die Backen auf und lässt kein gutes Haar am Gegner. Liegt Schland zurück, geht es genau umgekehrt.

Was für ein Glück, dass es so lange unentschieden stand! Und was für ein Glück, dass dieses letzte Spiel der Nationalmannschaft das beste nach der WM war und dass Volland und Rudy beide stark aufspielten. Besonders Volland konnte an seine besten Hoffenheimer Zeiten anknüpfen, er war ein ständiger Unruheherd und hätte noch auffälliger sein können, wenn Götze geruht hätte, ihn öfter ins Offensivspiel einzubinden.

Doch auch Rudy wusste zu gefallen, besonders bei Flanken und Balleroberungen. Man kennt das ja als Hoffenheimer, Rudy hat ein unglaubliches Talent, Gegnern den Ball wegzuspitzeln. Er muss die Bewegungen seiner Gegenspieler dafür extrem gut lesen können – vielleicht unterschätzen sie ihn auch ein bisschen, wie er da mit seinem ernst-traurigen Gesichtsausdruck und dem schmalen Körper in die Zweikämpfe geht.

Was aber am meisten Spaß gemacht hat, war der Kommentar von Steffen Simon. Wie bitte? Gut, nicht durchgängig, aber in manchen Momenten. Eigentlich gar nicht so selten… Wenn man diese Momente aneinander hängt, wird einem jetzt noch richtig warm ums Herz. Es sind die Momente, in denen von Rudy und Volland die Rede war. Im Block liest sich das so:

„Die beiden Hoffenheimer im Zusammenspiel… Und die Chance für Rudy… Volland, Rudy, Götze… Die Chance für Kevin Volland… Volland – starke Ballbehandlung… Gut nachgesetzt von Rudy… Gut geklärt von Rudy… Rudy macht nen starken Eindruck heute… Volland mit starken Defensivqualitäten, wie in Hoffenheim… Viel Platz für Volland… Sehr guter Versuch von Volland… Wieder gut gemacht von Rudy… Sehr viel marschiert der Hoffenheimer… Wieder gut von Volland…“

War das nicht schön? Aber es wurde noch schöner, als später die Zusammenfassung des Spiels Österreich-Brasilien gebracht wurde und kurz vor Schluss Firmino den Ball aus 16 Metern in den rechten oberen Winkel feuerte. Da hieß es: „Roberto Firmino von 1899 Hoffenheim entscheidet dieses Spiel.“ Es war das würdige Ende eines schönen Fußballabends aus Hoffenheimer Sicht.

Spanien war übrigens gar nicht so schlecht, wie Simon & Scholl wiederholt sagten, im Gegenteil. Im Vergleich mit der Leistung bei der WM war Spanien sogar richtig gut und kam nur nicht zu vielen Torchancen. Richtig gut hat auch die deutsche Mannschaft gespielt, obwohl da angeblich eine B-Elf auf dem Rasen stand. Wer weiß, wie lange es dauert, bis daraus die A-Elf wird, mit Volland, mit Rudy, irgendwann auch mit Süle… Jogi Löw wird sich über Weihnachten so seine Gedanken machen.

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