Vorschau Gladbach – Hoffenheim

ANGSTGEGNER – wenn sich 1899 Hoffenheim den Schreckenstitel irgendwo verdient hat, dann in Gladbach. Klar, die Dortmunder fürchten sich vor der TSG auch ein bisschenNoch mehr ist es aber die Fohlenelf, die verschreckt auseinanderstiebt, sobald Hoffenheim naht, und verängstigt wiehernd in den niederrheinischen Stall galoppiert. Immerhin hat es für Gladbach in bislang 15 Begegnungen acht Niederlagen gesetzt, bei fünf Unentschieden und nur zwei kümmerlichen Siegen in den Jahren 2011 und 2012.

Besonders schön waren zwei Siege der TSG: 2008 in der Zweiten und 2009 in der Ersten Liga. Beide Male lag Gladbach zur Pause vor, einmal mit 2:1, einmal mit 2:0, aber am Ende stand es jedesmal 4:2 für Hoffenheim. 2009 stand es sogar in der 86. Minute 2:1 für Gladbach – bis Maicosuel nach Vorlage von Salihovic, Obasi nach Vorlage von Carlos Eduardo und Demba Ba nach Vorlage von Vukcevic die Gladbacher Vorfreude auf einen Sieg regelrecht zertrümmerten. Und auch 2010 lag Gladbach zur Halbzeit mit 1:0 vorn und verlor die Partie noch mit 3:2, was sich ähnlich 2012 wiederholt hat, als Gladbach vor der Pause ebenfalls 1:0 führte und am Ende 2:1 verlor.

normal_ug_2866_190210normal_ug_2819_190210Wenn es am Sonntag zur Wiederauflage von Hoffenheims Lieblingsduell kommt, sind die Karten natürlich neu gemischt. Die Fohlenelf steht gut im Futter und ist in der Fortentwicklung der TSG einen Schritt voraus. Beide Teams legen große Konstanz an den Tag, sind defensiv nur schwer zu erschüttern und offensiv jederzeit gefährlich. Doch Gladbach beschreitet den Weg der Konsolidierung schon ein Jahr länger, die Mannschaft wirkt insgesamt ruhiger und stabiler und ist im Schnitt auch 1,5 Jahre älter, also erfahrener.

Dafür hat Hoffenheim die begabteren Einzelspieler. Einen Firmino sucht man in den Gladbacher Reihen jedenfalls vergeblich. Kruse, Hahn und Herrmann können an guten Tagen zwar ein Spiel entscheiden, aber sie haben nicht das Genie von Firmino und wirken untereinander nicht so eingespielt wie Volland und Firmino, die dazu noch (vermutlich) Modeste und Elyounoussi an ihrer Seite haben werden.

normal_ug144_0239_041014Trotzdem: In Sachen Torschüsse liegt Gladbach mit 49:41 nach bisher neun Ligaspielen vorn, hat jedoch ein Tor weniger erzielt und drei weniger kassiert. Dabei spielt Gladbach, wenn man der Foul-Bilanz trauen darf, den eleganteren Fußball mit viel weniger Körpereinsatz. Den immerhin 170 Hoffenheimer Fouls stehen nur 110 auf Gladbacher Seite gegenüber. Das wird auch von der Anzahl der Ballkontakte unterlegt, hier liegt die Gladbacher Zahl bei 6.000, die der Hoffenheimer bei 5.000.

normal_ug047_7089_150913Die Zweikampfwerte unterstreichen das. Hoffenheim verzeichnet 1121 gewonnene Duelle, Gladbach nur 938. Und 12 gelben Karten für Gladbach stehen 18 für Hoffenheim gegenüber. Die Fohlen vermeiden also, wo es nur geht, die direkte Begegnung Mann gegen Mann – und könnten genau da verwundbar sein. Alle Zahlen deuten darauf hin, dass die TSG Gladbach keinesfalls frei kombinieren lassen darf, sondern schon im Mittelfeld stellen muss, um über den körperlichen Einsatz die eigene Offensivkombinatorik zum Erfolg zu bringen.

normal_ug095_9520_200914Bei den Torhüterparaden zeigt sich, dass Gladbach zwar über einen vorzüglichen Torwart verfügt, aber auch über eine nicht ganz sattelfeste Defensive. 38 Mal hat der Gladbacher Keeper bereits Schüsse auf sein Tor abwehren müssen, Baumann im Tor der TSG nur 20. Auch das spricht dafür, dass die TSG in Gladbach Erfolg haben kann, wenn es ihr über intensiven Körpereinsatz im Mittelfeld gelingt, die Gladbacher Verteidigung unter Druck zu setzen.

Ansonsten wird sich zeigen, wer die besseren Nerven hat. Die Kontrahenten sind beide stark genug, um in Führung zu gehen. Wenn der Zurückliegende dann nicht in Verzweiflung gerät und zu weiteren Toren einlädt, kann er das Spiel jederzeit noch drehen – wie es Hoffenheim gegen Gladbach ja schon viermal gelungen ist. Spannend wird sein, welche taktische Grundordnung die Trainer wählen. Man darf eigentlich davon ausgehen, dass Gladbach zuhause das Spiel macht und Hoffenheim tief genug steht, um aus Kontern Gewinn zu ziehen.

normal_ug_6425_171010Doch Lucien Favre als Taktikfuchs könnte seiner Mannschaft ebenfalls Defensivtugenden verordnen, was zu viel taktischem Geplänkel im Mittelfeld führen würde. Deshalb ist gar nichts sicher in der Vorausschau auf dieses Spiel an der Tabellenspitze. Kann sein, es gibt ein atemberaubendes Offensivduell, ein Festival an Kontern oder viel Krampf in der Nähe des Mittelkreises. Aber vielleicht hat auch Taktikfuchs Markus Gisdol noch ein As im Ärmel und spielt mit einer Doppelspitze – oder mit drei Sechsern in Rautenformation. Es wird spannend…

Fotografie: Uwe Grün

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