Vorschau Hoffenheim-Paderborn

Paderborn ist erstaunlich erfolgreich. Ausnahmslos jeder hatte den Aufsteiger ganz oben auf dem Zettel der Abstiegskandidaten. Kleiner Etat, kleines Stadion, kaum Neuzugänge… Und doch gelang gegen Frankfurt am Wochenende schon wieder ein Sieg.

Der Grund für die Erfolge der Paderborner ist darin zu suchen, dass man sie nicht kennt und notorisch unterschätzt – Markus Gisdol hat sich ähnlich geäußert. Dass sie ein verschworenes Team sind und nie aufgeben. Und dass sie mit hoher Motivation ihre personellen und technischen Defizite äußerst effizient verfüllen.

Hoffenheim ist also hinreichend gewarnt. Paderborn wird der „erwartet unangenehme Gegner“ sein, von dem man später meistens dann liest, wenn das Kind irgendwo in den Brunnen gefallen ist. Belastbare Erfahrungen mit dem Team gibt es nicht – Hoffenheim hat zwar schon gegen Paderborn gespielt, aber das war in der Zweiten Liga, 2007 und 2008. Die TSG blieb damals beide Male siegreich, auswärts mit 2:0, daheim mit 1:0 – mit der Besonderheit, dass beim ersten Auseinandertreffen mit Bibiana Steinhaus erstmals eine Frau ein Profispiel im Herrenbereich leitete. Außer Sali kann sich aber niemand mehr daran erinnern, er ist der einzige Spieler, der von dieser Zeit übriggeblieben ist.

Salihovic

Dafür kann man die Statistik der vergangenen acht Spieltage zurate ziehen, um den Gegner zu gewichten. Und da zeigt sich Erstaunliches: Paderborn hat ähnlich oft aufs Tor geschossen wie Hoffenheim! Bezeichnenderweise jedoch öfter mit dem Kopf als mit dem Fuß. Das deutet stark darauf hin, dass der Aufsteiger sein Heil eher in Flanken sucht. Kein Wunder eigentlich, denn bei geringeren technischen Möglichkeiten ist der Weg durch die Mitte verstellt. Auffällig ist, dass Paderborn fast doppelt so oft von rechts flankt wie von links.

Interessant, weil unerwartet, ist auch, dass die Paderborner deutlich weniger Zweikämpfe aufzuweisen haben, die sie dann aber öfter gewinnen als die TSG. Ein Indiz dafür, dass der Aufsteiger sich eben nicht wie ein typischer Aufsteiger aufführt, der eher über den Kampf geht. Paderborn hat dementsprechend auch den bei Weitem niedrigsten Liga-Wert beim Ballbesitz – auch wenn Hoffenheim hier selber nur auf Platz 15 der Tabelle rangiert.

Polanski

Wirklich nachdenklich wird man, wenn man die Foul-Statistik sieht: Paderborn ist 119-mal gefoult worden und hat 96-mal gefoult, während Hoffenheim 120-mal gefoult wurde und 155-mal selber zu einem Foul gegriffen hat. Die TSG ist bei diesem Wert Liga-Spitzenreiter, Paderborn Vorletzter! Und Paderborn hat auch erst sieben gelbe Karten gezeigt bekommen, Hoffenheim schon sechzehn!

Unterm Strich stiftet Paderborn statistisch also einige Verwirrung – und scheint nach der Devise zu verfahren, lieber fair zu spielen, wenn schon keine Chance besteht, Spiele zu gewinnen, um dann trotzdem zu punkten. Den Gefallen, in Sinsheim offensiv anzutreten und sich auskontern zu lassen, wird Paderborn uns nicht tun. Der Aufsteiger kontert selber gern. Und läuft dabei häufig ins Abseits.

Firmino

Hoffenheim wird darum das Spiel machen müssen und gut daran tun, die Viererkette gedanklich auf eine scharfgemachte Abseitsfalle vorzubereiten. Wenn dann die Offensive wieder mehr Chancen kreiert und nutzt, kann eigentlich nichts schief gehen…

Fotos: Uwe Grün

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Alexander H. Gusovius