Hamburger ohne Beilagen

Hoffenheim ist immer noch ungeschlagen, das ist die gute Nachricht. Eine schlechte gibt es eigentlich nicht. Gegen neu aufgestellte und vor allem neu motivierte Hanseaten musste man nicht gewinnen. Nein, musste man nicht… Hätte man können? Es sah ganz danach aus. Doch eine Niederlage wäre ebenfalls möglich gewesen.

Das Unentschieden vom gestrigen Sonntag spiegelt insofern einen dieser Spielverläufe wider, die nicht richtig zufrieden machen – wie Hamburger eben, von denen man so viele essen kann, wie man will. Auch wenn man sich damit den Magen bis zum Geht-nicht-mehr vollstopft, wirklich satt wird man nie. Anders als mit Bouletten.

Um im Bild zu bleiben – wenn etwas dem Spiel der TSG gefehlt hat, dann die Beilagen oder der Nachtisch. Eine doppelte Portion Pommes blau-weiß oder ein paar Blueberry-Cheesecake-Taschen, etwas in der Art. Nach dem frühen Tor von Modeste sah es ja noch so aus, als wollte die TSG ein ganzes Menü servieren.

Dann ist es doch bei dem einen Hamburger geblieben. Aber warum? Nicht zum ersten Mal in dieser Saison zeigte sich Hoffenheim offensiv seltsam zahnlos. Firmino wirkte gedanklich abwesend, Volland rannte sich ein ums andere Mal fest, Elyounoussi war nicht zu sehen – außer jeweils zum Ende der Halbzeiten, als er zwei schöne Chancen ausließ. Es könnte sein, dass die neu erworbene Defensivqualität der TSG etwas auf Kosten der Tormaschinerie geht. Und es fehlt anscheinend auch etwas an Spritzigkeit, gedanklich wie körperlich.

Modeste dagegen war dauerpräsent, nach seinem Tor noch mehr. Er forderte jeden Ball, lief jedem Konter voraus – und hat als Ein-Mann-Betrieb das konstruktive Umschaltspiel ebenfalls nicht befördert, das von offensiver Vernetzung lebt und im Sturm-Kollektiv einfach gefährlicher ist. Die Einwechslung von Szalai, der mannschaftsdienlicher spielt, kam dann schon zu spät. Offensiv war das große Durcheinander bereits angerichtet.

Defensiv zum Glück nicht. Statt den HSV, der schon am Boden lag, mit ein, zwei weiteren Törchen noch vor der Halbzeitpause abzuservieren, wurde er herzlich eingeladen, doch noch am Kräftemessen teilzunehmen und sich an den neuen Defensivkünsten der TSG zu versuchen. Das tat der HSV dann auch gern, allen voran Lasogga, der Firminos Ballverlust umgehend in den Ausgleichstreffer ummünzte. Danach griff das, was die gute Nachricht dieser Partie war: Hoffenheim hielt dem wiedererwachten Hamburger Angriffsgeist ziemlich souverän stand.

Die Bilanz der acht Partien seit Saisonbeginn steht bei drei Siegen und fünf Unentschieden. Die Tabellensituation ist gut, die Stimmung ebenfalls. Wirklich Sorgen machen muss man sich also nicht. Trotzdem wäre es nicht schlecht, wenn ein Funken Spektakel in die Mannschaft zurückkehren würde, um Gegner wie Hamburg vielleicht doch zu besiegen – auch als vorbeugende Maßnahme, um solche Spiele nicht irgendwann vielleicht zu verlieren. Am besten, man fängt nächstes Wochenende gegen Paderborn gleich damit an!

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Alexander H. Gusovius