Mit Rudy wär‘ das nicht passiert…

Die deutsche Nationalmannschaft hat eine schwache Länderspielwoche hingelegt. Meine These: Wäre Rudy aufgeboten worden, hätte es keine Niederlage in Polen und kein Unentschieden gegen Irland gegeben. – Eine zu steile These?

Das könnte man meinen, zumal die deutsche Mannschaft ja ohne Khedira, Schweinsteiger, Reus, Höwedes und Schürrle auskommen musste, deren Fehlen in der Wirkung eigentlich höher anzusetzen wäre. Aber so steil ist die These trotzdem nicht – sie führt auch auf direktem Weg zum inoffiziellen 4. Teil von „Trainertypen“. Es geht also um Joachim Löw, der im früheren Trainerleben übrigens nicht nur Pokalsieger mit dem VfB Stuttgart wurde, sondern auch mal mit dem Karlsruher SC in die Regionalliga abgestiegen ist.

Wer gesehen hat, wie zaghaft und ineffizient Rüdiger die deutsche Offensive über die rechte Flanke weniger angetrieben als eingebremst hat, wie er rückwärts verschiedene Male von Polen und Iren überlaufen worden ist, wird wenigstens nicht daran zweifeln, dass Rudy den Job des offensiven rechten Außenverteidigers mindestens so gut erledigt hätte. Nein besser, bestimmt besser… Statt den Ball immer nur abzugeben oder als Flanke getarnte Querschläger in den gegnerischen Strafraum zu feuern, hätte Rudy sicher ein ums andere Mal butterweiche, hoch präzise Flanken in die Box geschlagen, die ihr Ziel gefunden hätten. Läuferisch und technisch hätte er zu viel Druck von der rechten Seite beigetragen. Und er hätte nach hinten gut aufgepasst. In der Summe hätte Deutschland beide Spiele gewonnen.

Warum hat Rudy denn dann nicht spielen dürfen? Zumal er es auf der Position in Hoffenheim schon zu einiger Routine bringen konnte? Und warum hat Löw sich nach dem Polen-Spiel darauf festgelegt, dass Rüdiger rechts hinten sein Mann ist, also auf längere Sicht? Die Antworten sind relativ einfach und werfen ein Licht auf die Trainerpersönlichkeit von Jogi Löw.

Der erste Grund besteht darin, dass Rudy sich vor den beiden Spielen öffentlich recht zuversichtlich gezeigt hat, wieder hinten rechts aufzulaufen. Sowas kann der Bundestrainer überhaupt nicht leiden. In solchen Fällen entscheidet er sich aus Prinzip gern in die Gegenrichtung. Der zweite Grund besteht darin, dass er immer großartige Ideen haben will. Das war diesmal die Idee, Rüdiger auszuprobieren, was gegen eine starke polnische Mannschaft vielleicht etwas riskant war.

Der dritte Grund besteht darin, dass Jens Lehmann nach dem Polen-Spiel Jogi Löw bzw. seine beiden Außenverteidiger scharf attackiert hat, live im Fernsehen, direkt ins Gesicht. So etwas kann der Bundestrainer schon gar nicht leiden. Die trotzköpfige Reaktion darauf war eine Spiel-Garantie für Rüdiger und das Aus für Rudy – dann natürlich auch als Sechser, nachdem die gesamte Medienlandschaft sicher war, dass er jetzt wenigstens den angeschlagenen Kramer im Spiel gegen Irland ersetzen würde. Stattdessen brachte der Bundestrainer mit Weltmeister Ginter den dritten der Bender-Drillinge, nur dass der bei der WM ohne Einsatz geblieben war, so dass es ihm an Praxisnähe fehlte.

Für Rudy ist die Länderspielwoche aus allen diesen Gründen schlecht gelaufen, für die Nationalelf aber auch. Was kann er daraus lernen? Nichts – außer zu bleiben, wie er ist. Denn Rudy ist gut und wird immer besser. Rudy ist darum wertvoll, für Hoffenheim und für die Nationalmannschaft! Andere als er müssen aus dem entstandenen Schaden klug werden…

Foto: Kraichgaufoto, Uwe Grün

Deine Meinung zum Artikel: