Trainertypen der Bundesliga: Erster Teil

Hoffenheim kann sich glücklich schätzen, einen Trainer wie Markus Gisdol zu haben. Seit er die TSG anführt, hat die Mannschaft wieder ein Gesicht. Seine positive Ausstrahlung, seine Gelassenheit und die damit einhergehende Ausgeglichenheit tun der Mannschaft und dem Verein gut. Markus Gisdol ist jemand, der seine Spieler dazu anleitet, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das ist so etwas wie sein Prinzip im Umgang mit Menschen.

Das scheint nicht überall so zu sein. Nimmt man zum Beispiel Jürgen Klopp, dann wird deutlich, dass hier ein anderes Prinzip am Werke ist, nämlich das Leitwolf-Prinzip. Klopp führt seine Truppe nicht, er führt sie an. Seine am Spielfeldrand zur Schau getragene, mitunter weit übers verträgliche Maß hinausgehende Hochenergie peitscht die Spieler nach vorn. Sie sind so etwas wie der verlängerte Arm seines alles beherrschenden Willens. Sie sind wie Soldaten, die ihrem Anführer ergeben in jeden Kampf folgen.

Markus Gisdol dagegen will seine Spieler sehend machen. Sie sollen erkennen lernen, was sie im Spiel richtigerweise tun und lassen. Am Spielfeldrand kann er sich gelegentlich auch mal aufregen, vor allem über ungerechte Entscheidungen, aber er macht seine Spieler nicht zu Marionetten seines Willens. Wie er mit ihnen während der Spiele kommuniziert, ist grundverschieden. Wenn überhaupt, dann applaudiert er, manchmal winkt er auch kurz ab, oder aber er signalisiert gestisch neue Anweisungen.

Christian Streich ist ein ähnlicher Trainer-Typus wie Jürgen Klopp. Sein Verhalten am Spielfeldrand hat etwas von Rumpelstilzchen, so wild gebärdet er sich. Damit sorgt er dafür, dass die Verbindung zu seinen Spielern nie abreißt, dass sie ständig spüren, wie sein Wille ihnen im Nacken sitzt. Das sei nötig, meint er wohl, um die Nachteile seiner Mannschaft in punkto Finanzetat auszugleichen. Streich gibt außerhalb von Punktspielen umso mehr den Vater, der nur das Beste für seine Lieben und nur das Beste von seinen Lieben will – und davon lebt, dass sie ihm blind vertrauen. Eine Art mal wütender, mal tieftrauriger, immer aber hochemotionaler und wohlkalkulierter Fürsorge charakterisiert seine Trainertätigkeit.

Ein ebenfalls väterlicher Typus ist Dieter Hecking, der ganz ohne Mätzchen am Spielfeldrand auskommt. Er ist jemand, der eher strategisch denkt und das auf seine Spieler übertragen will, ohne deshalb emotional unbeteiligt zu sein. In bewundernswerter Ausdauer hat er mir einmal, als ich bei einem Hoffenheimer Heimspiel zufällig neben ihm saß und einen Scherz über das erfolglose Spiel seiner Mannschaft vom Vortag machte, den Auftritt seiner Spieler bis ins Detail auseinandergesetzt und sie vor mir, einem ihm völlig Unbekannten, in Schutz genommen. Auch das ist Fürsorge, aber sie kommt stiller daher und wirkt darum echter. Denn sie macht die Spieler nicht zu Agenten seines Willens, sondern zu Empfängern sachlicher und emotionaler Botschaften.

Pep Guardiola wiederum erinnert an den Typus des stillen Fanatikers. Alles an ihm wirkt kontrolliert und exakt abgemessen, bis hin zu seiner Kleidung und, wenn man das so nennen will, seinem Haarschnitt. Er denkt den Fußball, den seine Mannen spielen sollen, weit voraus, hat Herz und Verstand und sehr viel taktisches Wissen. Fußball ist für ihn wie Schach, es kommt darauf an, den Zügen des Gegners immer weit voraus zu sein. Die Spieler wiederum müssen seine taktischen Anweisungen exakt umsetzen. Wenn nicht, scheut er sich nicht vor harten Entscheidungen, was sein erstes Jahr in Barcelona bewiesen hat. Als Vertreter der Bewegung für ein unabhängiges Katalonien hat er sich zudem als hoch konservativ erwiesen. Im Wertesystem von Guardiola zählt vor allem Leistung.

Natürlich sind die Trennlinien zwischen den verschiedenen Trainertypen nicht immer scharf zu ziehen. Aber es gibt doch signifikante Unterschiede, und der wichtigste für mich besteht darin, ob ein Trainer tendenziell Spieler mit freiem Willen oder gehorsame Spieler entwickeln will. Mein persönlicher Geschmack geht in Richtung des freien Willens und der Kreativität.

In „Trainertypen der Bundesliga: Zweiter Teil“ geht es im Hoffenheimblog demnächst um die Übungsleiter Schaaf, Weinzierl, Korkut, Veh, Hjulmand und Tuchel.

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