Vorschau Stuttgart – Hoffenheim

Vor einem Jahr waren die Karten ganz ähnlich gemischt. Es war wie in dieser Saison der vierte Spieltag, Hoffenheim war genauso gut in die Liga gestartet wie jetzt, Stuttgart hatte einen fulminanten Fehlstart hingelegt. Trotzdem überrannte der VfB die TSG mit 6:2. Nicht zuletzt deshalb, weil in der Woche vor dem Spiel Trainer Labbadia durch Schneider ersetzt worden war und solche neuen Trainer-Besen gewöhnlich gut kehren – was im Ländle der Kehrwoche sicher noch dreimal wahrer ist.

In gewisser Weise kehrt diesmal ja wieder ein Neuer in Stuttgart, aber bisher nicht so gut. Armin Veh ist eben zugleich ein alter Besen, der den VfB schon mal zur Meisterschaft führen konnte. Kann sein, dass da der Überraschungseffekt fehlt… Vor allem wird sich auch Hoffenheim am Samstag nicht überraschen lassen, das böse Erwachen vom Vorjahr wird sich bestimmt nicht wiederholen. Trotzdem – Derby-Spiele gegen den VfB haben es in sich, selbst wenn Freddy Bobic sich bislang standhaft geweigert hat, Hoffenheim als würdigen Derby-Gegner anzuerkennen.

Andi Beck beim VfB

Dabei hat die schwäbisch-badische Paarung alles, was einem Derby erst die richtige Würze verleiht: nachbarschaftliche Konkurrenz, sportlich wie mental, torreiche Begegnungen, besonders letztes Jahr, denkwürdige Momente wie jenen, als Stuttgarts Torhüter Lehmann den Schuh von Hoffenheims Salihovic rückwärts übers Tor ins Netz beförderte, Spieler, die auf beiden Seiten unter Vertrag standen oder stehen wie Ibisevic, Rudy und Beck.

Sebastian Rudy

Also, man kennt sich! Die Vereine haben in zwölf Ligaspielen bisher viermal Unentschieden gespielt, zweimal siegte Hoffenheim, sechsmal hatte Stuttgart die Nase vorn. Das Naserümpfen von Bobic über die TSG rührt natürlich daher, dass er den alteingesessenen VfB für siebenmal ehrenwerter hält als die TSG, die für ihn immer noch eine Art Emporkömmling ist, auch wenn Hoffenheim schon die siebte Saison im Oberhaus spielt.

Ullreich

Aber solche Geplänkel helfen ja niemandem weiter. Am Samstag wird Fußball und nur Fußball gespielt und danach Bilanz gezogen. Was die Gesamtbilanz der noch jungen Saison anbelangt, liegen die Flankenwerte von links und rechts und die Abseitsstellungen beider Teams eng beieinander, die Torschüsse und Paraden dagegen nicht. Stuttgart hat nämlich signifikant häufiger (und erfolgloser) aufs Tor geschossen als Hoffenheim und gleichzeitig viel mehr Torhüter-Paraden aufwenden müssen.

Was sagt uns das? Die Zahlen demonstrieren vor allem, dass der VfB sich zwar bemüht, aber damit nicht durchdringt: Stuttgart schießt viel, trifft selten und scheint defensiv nicht sicher zu agieren, wenn der Torhüter so oft eingreifen muss. Ähnliches zeigen die Daten zum Foul-Verhalten. Da steht die TSG mit 46:47 im Verhältnis erlittener und begangener Fouls ausgeglichen da, während die Spieler des VfB mit 35:45 deutlich öfter foulen als gefoult werden.

Ibertsberger

Die Anzahl von Eckstößen (Stuttgart 14, Hoffenheim 17) liegt nah beieinander, auch beim Ballbesitz gibt es bei leichter Stuttgarter Überlegenheit keine große Differenz. Anders die Zweikampfbilanz, die eindeutig für Hoffenheim spricht: 373 gewonnene TSG-Zweikämpfe gegenüber 257 gewonnenen VfB-Zweikämpfen legen ein Problem offen, das Armin Veh dringend abstellen muss – aber bitte erst nach dem Spiel gegen Hoffenheim.

Etliche personelle Fragen stellen sich leider aus Hoffenheimer Sicht, die das Spiel vollends unkalkulierbar machen: Wie stark wird sich das Fehlen von Bicakcic auswirken bzw. können Abraham, Strobl oder Vestergaard die Lücke schließen? Kann Szalai auflaufen? Wie steht es um mit Salis Knie? Selbst Rudys Einsatz scheint gefährdet, dazu haben sich Schipplock und Süle im Training verletzt, so dass auch ihr Einsatz gefährdet ist! Und wird Volland wieder voll belastbar sein und die TSG offensiv so verstärken, wie wir das aus der vergangenen Saison kennen?

Fotografie: Uwe Grün

Zur Unterstützung für diesen Artikel wurden Informationen herangezogen von:

www.ran.de/Datenbank

www.fußballdaten.de

Deine Meinung zum Artikel: