Verletzungssorgen

In der vergangenen Saison blieb die TSG von Verletzungssorgen weitgehend verschont. Als bspw. Modeste, Abraham und Schipplock länger ausfielen, war die Saison schon in trockenen Tüchern. Diesmal fangen die Sorgen früher an.

Täuscht der Eindruck eigentlich oder gibt es zu Beginn dieser Saison überall mehr Verletzungen als sonst? Die Liste der Spieler, die jetzt schon ligaweit angeschlagen fehlen, scheint außergewöhnlich lang. Dabei fällt auf, wie viele Verletzungen aus dem Trainingsbetrieb resultieren und nicht im Spielbetrieb passieren – da, wo es um Punkte und richtig hart zur Sache geht.

Ist die WM daran schuld? Sind die Spieler einfach überlastet? Bei den WM-Fahrern, die im Turnier bis zum Schluss gespielt haben, wird das zutreffen, aber das sind ja nur wenige. Eher schon hat die WM dafür gesorgt, dass zu lang trainiert worden ist.

Ein weiterer Faktor könnte sein, dass die Bundesliga-Vereine dazu übergegangen sind, Kader zu entwickeln, in denen jede Position doppelt besetzt ist. Das braucht man bei Verletzungen auch, um angesichts starker Liga-Konkurrenten die Leistungskurve nicht absinken zu lassen. Aber es verlagert den Konkurrenzkampf zugleich in den eigenen Trainingsbetrieb. Wo bis in die 90er Jahre nur vier bis sechs Spieler ernsthaft darauf zählen durften, bei Verletzungen von Stammspielern zum Zuge zu kommen, geben inzwischen 20 bis 25 Spieler in jedem Training Vollgas, um sich für die nächste Startaufstellung zu empfehlen.

Dass dieses harte Konkurrenz-Training das Potential von Verletzungen erhöht, liegt auf der Hand. Daran müssen aber gar nicht die Trainingsinhalte schuld sein. Noch so ausgeklügelte Pläne zur Vermeidung von Trainingsüberlastungen können nicht vermeiden, dass sich in den Köpfen der Spieler Eigendruck aufbaut, dem ihre Körper schlecht standhalten. Und selbst die Spieler, die auflaufen, stehen unter diesem Druck. Wenn es im Kader Kollegen gibt, die nur minimal oder nur momentan „schlechter“ sind als man selbst, glaubt man, sich im Spiel keine Patzer erlauben zu dürfen, sonst ist man vielleicht raus aus der Startaufstellung.

Dazu trägt natürlich auch der Profi-Fußball selbst bei, wie er inzwischen an der Tagesordnung ist. Taktisch und athletisch sind die Potentiale in der Liga so weit ausgereizt, dass die Leistungsmöglichkeiten der meisten Vereine sehr nah beieinander liegen. Ein einziger Fehler oder Patzer kann darum über drei Punkte entscheiden. Was das in den Köpfen der Spieler auslöst und was man dagegen tun kann, sollte mal jemand erforschen. Oder ist die Verletzungsserie zu Beginn dieser Saison einfach nur ein Ausreißer?

Foto: Uwe Grün

 

Deine Meinung zum Artikel: