Remis-Trikots?

Böse Stimmen im Internet sprechen von Schlafanzügen. Sie meinen damit die neuen grauen Leibchen der TSG, zum ersten Mal getragen letztes Wochenende in Bremen. Der offizielle Name dafür lautet: „TSG-3RD-Trikot“. Erinnert von fern irgendwie an „R2-D2“, jenen kugeligen, kleinen Roboter aus der Mega-Film-Trilogie „Krieg der Sterne“. Aber der glänzte silbergrau, obenherum. Untenherum war er weiß.

Anders die TSG, die untenherum blau trug, also die gewohnten blauen Sporthosen der sogenannten Home-Trikots, was in Kombination mit den grauen Trikots fast so wirkte, als hätte man die passenden Hosen in Zuzenhausen liegen lassen oder sich entschieden, die blauen erstmal aufzutragen. Natürlich war das nicht so – doch alles in allem scheint dieses graue „TSG-3RD-Trikot“ nicht ganz glücklich gewählt.

Den Bayern geht es ähnlich. Das weiß-graue Leibchen mit den unpassenden Querstreifen, das sie auf Schalke trugen, macht ebenfalls nicht viel her. Die Stars aus München wirkten darin blasser als sonst, und sie spielten auch blasser. Gut möglich, dass sie sich darin unwohl fühlten… Was wird Alonso gedacht haben, nachdem er das strahlende, edle Weiß der Königlichen aus Madrid abgelegt hatte und tags drauf blass-grau über den Rasen lief?

Seiner unfassbaren Passgenauigkeit und bewundernswerten Spielübersicht hat es jedenfalls nicht geschadet – so viel ist sicher. Aber als Mannschaft machten die Bayern insgesamt und auch optisch nicht viel her, sie hatten lang nicht die gewohnte Präsenz. Kann es sein, dass die volkstümliche Wahrnehmung recht hat, wenn „grau“ mit „unbedeutend“ gleichgesetzt wird, so wie in „graue Maus“? Kann es sein, dass bestimmte Trikot-Farben auf das spielerische Potential einer Mannschaft durchschlagen?

Die Torhüter der TSG waren in der letzten Saison auch oft grau gekleidet. Tatsächlich hoben sie sich damit nicht so gut ab, ihnen fehlte die Signalwirkung. Das Grell-Orange, das Baumann in dieser Saison bevorzugt, sagt dagegen: „Hier stehe ich, an mir kommst du nicht vorbei.“ Signalfarben ziehen den Ball an, sie sind eine starke Orientierung für Stürmer, die, ohne es zu merken, in deren Richtung zielen… Mindestens Torhüter tun gut daran, auffällig gekleidet zu sein. Gute Torhüter werden davon noch besser.

Es wird insofern auch kein Zufall sein, dass die meisten Deutschen Meister in Trikots spielten, die ganz oder zu Teilen leuchtend rot waren. Starke Farben machen eben stark – so einfach ist das, wenigstens tendenziell. Und davon hat die TSG gleich zwei: die blauen Heimtrikots und die gelben Auswärtstrikots. Darauf sollte sie setzen. In Grau – das mag Zufall sein – sprang bei Werder nicht mehr als ein 1:1 heraus. Aber ist das alles wirklich nur Zufall? Spielten die weiß-grau gewandeten Bayern auf Schalke nicht ebenfalls 1:1?

Deine Meinung zum Artikel:
Alexander H. Gusovius