Vorschau Bremen – Hoffenheim

Bremen ist, statistisch gesehen, kein einfacher Gegner für die TSG – in bislang 13 Begegnungen im Pokal und der Ersten Bundesliga gewann Bremen achtmal, Hoffenheim nur ein einziges Mal. Viermal kam es zu einem Unentschieden.

Aber gibt es das überhaupt, einen „einfachen“ Gegner? Statistisch ja, da gehört zum Beispiel Gladbach sicher zu den einfacheren, Leverkusen zu den schwierigsten Gegnern der TSG, wenn man die Anzahl der Siege und Niederlagen heranzieht. Das Wort „Angstgegner“ ist in diesem Kontext schnell bei der Hand, so herum oder anders herum. Dabei gehört es zu den großen Merkwürdigkeiten im schnelllebigen Fußballgeschäft, dass sich solche klaren Tendenzen überhaupt entwickeln können, falls kein himmelweiter Unterschied zwischen zwei Vereinen besteht wie etwa zwischen München und Freiburg.
Frings
Und besteht denn ein himmelweiter Leistungsunterschied zwischen Bremen und Hoffenheim? Eigentlich nicht, in den vergangenen Jahren lagen die Vereine einigermaßen auf Augenhöhe. Trotzdem hat Hoffenheim von insgesamt 13 Begegnungen nur eine gewinnen können – und blieb auswärts, also wenn die Reise nach Bremen ging, durchweg sieglos. So gesehen sollte man sich vom Spiel am Samstag im Weserstadion nicht allzu viel erwarten, höchstens ein Remis. Dies zur langen Distanz.
Garcia - Polanski - Süle
Auf kurze Distanz zeigt allerdings die Bremer Leistungskurve nach unten, während Hoffenheim sich steigern konnte. Der Konsolidierungskurs von Werder hat die letzte Saison gründlich verhagelt, vom Glanz früherer Tage ist nicht viel geblieben. Der Meistertrainer von 2004, Thomas Schaaf, ist von der Weser an den Main gewechselt, Thomas Allofs zieht jetzt in Wolfsburg die Fäden und hat auch wichtige Bremer Spieler wie Naldo und Hunt dorthin geholt. Umgekehrt konnte Hoffenheim die letzte Saison endlich wieder einstellig abschließen und die zurückliegende sportliche Konsolidierung damit krönen, dass wichtige Spieler wie Firmino und Volland im Kraichgau blieben.

Am zurückliegenden Spieltag hat Bremen in Berlin zwei Tore gegen die Hertha noch egalisieren können, die TSG siegte ungefährdet mit 2:0 über Augsburg. Die kurzfristigen Tendenzen gehen darum in Richtung eines ersten Auswärtssiegs der TSG in Bremen – aber die langfristigen sprechen leider mindestens so deutlich dagegen. Kommt hinzu, dass die Spiele Hoffenheim-Bremen oder Bremen-Hoffenheim auffallend häufig ziemlich torreich verlaufen, was die Prognose noch unkalkulierbarer macht.
Vorsah
Denn bei einem Torreigen wie dem legendären 5:4 im Weserstadion am 27. September 2008 liegen Sieg, Remis und Niederlage denkbar knapp beieinander. Und auch ein 4:4 wie in Sinsheim am 30. November 2013 bietet jede Menge Raum für Spekulationen. Überhaupt lagen am Ende aller Partien der beiden gegeneinander nur dreimal zwei Tore oder mehr zwischen den Kontrahenten. Klare Überlegenheit sieht anders aus.

Eines lässt sich trotzdem sicher sagen: Begegnungen von Bremen und Hoffenheim bieten meistens beste Fußball-Unterhaltung. Das liegt daran, dass beide Teams eine grundoffene Spielweise pflegen, also nicht mauern oder treten, sondern den technischen Fußball mit taktischer Offensivorientierung bevorzugen. Das führt zu einer gegenseitigen Steigerung der jeweiligen Möglichkeiten. Daran hat sich in Bremen unter Trainer Dutt prinzipiell nichts geändert, auch wenn Bremen nicht mehr ganz so stürmisch agiert wie früher.
Arnautovic - Salihovic
Alles zusammengenommen sagt die Statistik, dass man für den Samstag nahezu nichts herleiten kann, außer dass ein spannendes, abwechslungsreiches Spiel zu erwarten ist. Und das ist nicht wenig. Ein Spiel gegen Bremen gehört gewöhnlich zu den fußballerischen Leckerbissen der Saison – diesmal mit leisen Vorteilen für 1899 Hoffenheim.

Fotografie Uwe Grün, Kraichgaufoto

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