Vorschau Hoffenheim-Augsburg

Das letzte Spiel gegen Augsburg ist in guter Erinnerung: Hoffenheim siegte fast mühelos. Die Bilanz aller Begegnungen ist jedoch ausgeglichen, zweimal hat die TSG gewonnen, zweimal Augsburg, und zweimal gab‘s ein Remis. Nach irgendeiner Seite wird sich die Statistik am Samstag aber verschieben. Nur wohin?

Schaut man genauer hin, zeigt sich, dass die Mehrzahl der Spiele gegen Augsburg in die „dunkle“ Periode der TSG fallen, also in jene Zeit, als Hoffenheim wenig zu glänzen vermochte. Daher datieren denn auch eine Niederlage und zwei Unentschieden, eines davon unmittelbar im Anschluss an den Unfall von Boris Vukcevic, der die Mannschaft sichtbar gelähmt hatte. In der letzten Saison hat die TSG in Augsburg verloren und zuhause gewonnen, ziemlich genau entlang des ausgeglichenen Gesamtbildes der Saison, in der man fast so viele Tore kassierte wie schoss und knapp die Hälfte der möglichen Punkte holte.
Boris Vukcevic

Um die Form beider Mannschaften einigermaßen sicher einzuschätzen, fehlt es zum Beginn der Saison naturgemäß an belastbaren Ereignissen. Darüber hinaus wird das Bild durch die Abgänge und Neuzugänge von Leistungsträgern unscharf. Niemand weiß bisher, wie sie sich im Letzten auswirken werden.

Die Testspiele der TSG verliefen zwar weitestgehend erfolgreich, während Augsburg weniger Optimismus aus seinen Testspielen ziehen konnte. Aber was sagen Testspiele schon aus? Mitunter folgt auf eine erfolgreiche Vorbereitung ein Fehlstart – und umgekehrt. Etwas mehr Aussagekraft hat das zurückliegende Wochenende. Da flog Augsburg aus dem Pokal, gegen Magdeburg, einen Drittligisten. Die „standesgemäßen“ neun Tore der TSG gegen die fünftklassigen Palomaten aus Hamburg lassen natürlich weniger Raum für Deutungen.

Immerhin war aber zu sehen, dass die Mannschaft in der ersten Halbzeit, als sie noch nicht mit sieben Toren führte, das Spiel keine Spur überheblich anging, sondern sehr fokussiert war und geschlossen agierte und in der zweiten Halbzeit, als sie einen Gang zurückschaltete, den Gegner immer noch völlig unter Kontrolle hatte. Augsburg dagegen wirkte in Magdeburg phasenweise regelrecht ratlos und überfordert.

Der Blick auf die Gesamtstatistik der vergangenen Saison belegt zumindest einige Konstanten im Spiel der Kontrahenten, die auch in dieser Saison Gültigkeit haben dürften. Demzufolge schoss Augsburg öfter aufs Tor als die TSG und flankte zudem viel öfter, traf aber deutlich seltener. Man kann daraus erstens eine höhere Effizienz im Offensivspiel der TSG ableiten und zweitens technisch überlegene Mittel beim Pass-Spiel durch die Mitte.

Augsburg kassierte wiederum viel weniger Tore und erweist sich demzufolge als defensiv ausgerichtet. Die defensive Grundeinstellung schlägt sich statistisch allerdings in weniger Zweikämpfen nieder, als sie Hoffenheim durch aggressives Pressing einging. Was die Statistik nicht sagt, ist für die Zuschauer unübersehbar: Augsburg pflegt nicht nur defensive Tugenden, sondern bei teilweise extrem harter Gangart eben auch Untugenden.
AugsburgHoffenheim
Was fängt man mit alldem jetzt an? Der erste Spieltag einer neuen Saison ist immer auch ein Gang auf unbekanntes Terrain. Trotzdem spricht einiges dafür, dass die TSG das Spiel erfolgreich gestaltet, nachdem ihre Achillesferse, die Defensive, schon ausgangs der letzten Saison stabilisiert wurde und durch die Neuzugänge Baumann, Schwegler und Bicakcic nochmal verstärkt worden ist.
Allzu sicher sein darf man sich allerdings nicht. Denn die Augsburger Niederlage im Pokal wird Folgen haben. Mit einer Niederlage in Sinsheim würde Augsburg einen klassischen Fehlstart hinlegen, den dort niemand will, allen voran nicht Trainer Weinzierl, der es versteht, seiner Mannschaft den richtigen Teamgeist einzuhauchen. Nach der Pokalniederlage wird Augsburg giftig ins Spiel gehen.
Für Hoffenheim kommt es darauf an, sich davon nicht beeindrucken zu lassen und die größeren spielerischen Fähigkeiten in Anwendung zu bringen. Gelingt das, wird Augsburg mit Verunsicherung reagieren und Räume öffnen. Wenn dann noch Tore dazukommen, kann Augsburg sogar einbrechen. Umgekehrt könnte die TSG verunsichert werden, wenn Altintop wieder einen Sahnetag erwischt und nahezu beliebig trifft.
Das Spiel am Samstag ist also offen, die Waage neigt sich aber eher zugunsten der TSG. Wer es genauer wissen will, muss tief in eine Glaskugel schauen. Oder ins Stadion kommen…

Fotografie Uwe Grün, Kraichgaufoto

Deine Meinung zum Artikel: