Ein Exil-Badener über Tauben, Fahnen und La Paloma…

Dass weiße Tauben auch in Berlin fliegen, wo ich arbeite und wohne, und blauweiße Flaggen zum Fußball ins Stadion einladen, ist bekannt. Dass es in der Bundeshauptstadt Schwaben und Badener gibt, ist ebenfalls nichts Neues – seit der ehemalige Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse die Württemberger zu mehr Integration aufgefordert hat.

Und wie weit kann sich ein badisches Rückgrat verbiegen? Nicht sehr weit! Kaum einer weiß das besser als ich, der Exil-Badener, dessen Wurzeln im idyllischen Schwetzingen liegen. Zum Glück überschreitet wenigstens der Fußball die regionalen Grenzen und baut Brücken in den preußischen Nordosten. Mit der TSG 1899 Hoffenheim bleibt ein Stück Heimat meiner badischen Seele immer bewahrt.

Auch unsere Tochter Anastasia, die gerade sechs Jahre alt wurde, fiebert mit, wenn Hoffe spielt. Über die Entfernung ist Sky natürlich eine große Hilfe. Und besonders groß ist die Freude, Hoffe einmal live mitzuerleben. Am vergangenen Wochenende war es soweit. Es stand aber nicht nur der offizielle Saisonauftakt in Hamburg auf dem Plan, auch ein lang gehegter Wunsch sollte erfüllt werden. Denn als die „Auferstandene“, so die Übersetzung des Namens Anastasia, vier Jahre alt war, hatte Papa ihr versprochen: „Du bekommst eine Flagge mit den Unterschriften der TSG-Spieler.“ Lang ist‘s her…

USC PalomaWeil wir bereits zum Sonnabend ins Klubhaus von USC Paloma nach Hamburg-Barmbek eingeladen waren, wurde die Reise in die Hansestadt zu einem kleinen Abenteuer. Das ganze Klubhaus war ein Kampfansagen-Vorgeschmack des Fünftligisten an die TSG. Vielsagend hatte der Verein schon im Vorfeld mit einem professionellen Kampagnenfilm Stimmung gemacht. In dem martialischen 54-Sekunden-Spot bewegten sich die Spieler und dressierte Tauben in Superzeitlupe zu den Klängen von „La Paloma“ über den neuen, schmucken Kunstrasenplatz.

Auch die Plakate, mit dem der Verein nicht nur am Eingang, sondern sogar in der Herrentoilette aufwartete, orientierten sich am Film und jenem Lied, das Hans Albers als „Hamburger Jung“ so unvergesslich interpretierte. Das Klubhaus, bestens ausgerüstet mit Bildschirmen (auf denen am Sonnabend die Spiele der Dortmunder, von St. Pauli, später von Kaiserslautern liefen), hatte in der Mitte einen für sieben Hoffenheim-Fans reservierten Tisch. Daneben saß die Runde des USC-Vorstandes mitsamt dem Vorsitzenden Dirk Rathke und dem langjährigen Macher Wolfgang Wüpplinger, mit dem ich mich gut über den Verein und seine Geschichte austauschen konnte. Ruhig, besonnen und mit viel Herz plauderte er über seinen Verein, in dem er sich seit über 20 Jahre engagiert.

Clubhaus USC PalomaUnd sie schwärmen immer noch von Stürmer Olufemi Smith, der in der Fernsehshow „Schlag den Raab“ vor sechs Jahren 2,5 Millionen Euro gewann. Einiges davon investiert er nun in seinen Verein… Für Hoffe-Fan Ulrike Schmüser, die mit in das Klubhaus eingeladen hatte, gab es auch einen USC-Schal, der irgendwie gut zum Blau unserer TSG passte. Viel Achtung hatten die Paloma-Anhänger übrigens vor der TSG, allen voran vor unserem Star Kevin Volland…

Dann als besondere Überraschung: die Hoffe-Flagge mit den 18 Unterschriften. Da strahlten die Augen der Kleinen und bescherten ihr eine spezielle Art der Auferstehung. Von der Nachbarrunde eher lächelnd kommentiert, schwenkte sie unsere Flagge daraufhin ausdauernd vor der Vereinsführung. Der Vorsitzende nahm es wie der Rest der Runde gelassen hin. Ein Omen für das Spiel am nächsten Tag?

Anastasia packte ihre Flagge erst auf der ältesten Tribüne Norddeutschlands im Stadion Hoheluft am Sonntag wieder aus, diesmal vor den Augen der USC-Manager und des TSG-Managers Alexander Rosen. Neben ihr wedelten die Fans des Fünftligisten mit kleinen weißen Fähnchen…. Für Anastasia wurde – abgesehen von der starken Leistung unserer Mannschaft – auch das Drumherum zum Spektakel. Ein Hamburger Seemannschor mit dem Paloma-Lied, das im Winde verhallte… Weiße, auffliegende Tauben… Und eine badische Mannschaft, die Trikots in ihrer Lieblingsfarbe Gelb trug!

Also alles gut… Sie wird die Fahne zukünftig sicher bei den meisten Hoffenheimer Spielen vorm Fernseher schwenken, aber eines ist jetzt schon klar. Stacy ist heiß auf weitere Unterschriften und auf noch mehr Hoffe… Am Ausgang des Klubhauses in Barmbek hauchte sie jedenfalls leise Tschüss und summte im Bus „La Paloma ade“.

Fotografie: Frank Bürger

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