Hoffenheim sagt alla Tschüss

Mit neun Toren wie im Vorjahr gegen Bremen-Vegesack erfüllte die TSG nahezu alle Erwartungen. Dabei hätte man den sympathischen Palomaten aus Hamburg das Weiterkommen durchaus gewünscht, nur eben nicht gegen Hoffenheim. Die Amateurfußballer des USC Paloma gaben ihr Bestes und verzichteten, anders als die Bremer letztes Jahr, auf wortwörtlich ungesunde Härte. Das ist den Palomaten hoch anzurechnen, die aber im Vorfeld schon deutlich gemacht hatten, dass es ihnen an diesem Pokalnachmittag vor allem um die Freude am Fußball gegen den Bundesligisten ging.

Hoffenheim konnte in dieser ungemein fairen Partie also frei von Verletzungssorgen aufspielen. Entsprechend konzentriert und zielstrebig ging man die Sache an, im Hinterkopf sicher auch noch die peinliche Pokalniederlage gegen den Berliner AK vor zwei Jahren. Ein paar hundert Mitgereiste erlebten in der ersten Halbzeit einen wahren Torreigen, wobei sich Schipplock besonders hervortat, der durch Firminos anhaltende Blessur im Nackenbereich in die Mannschaft gekommen war und die Chance nutzte, nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen.

Schippo muss man einfach mögen. Mit seiner Unbekümmertheit und dem durch fast nichts zu erschütternden Lächeln im Gesicht verkörpert er viel von dem, was die TSG seit dem letzten Jahr wieder ausmacht: Spielfreude, Optimismus, Geerdetsein. Dazu ist sein Torriecher phänomenal, seine technischen Möglichkeiten sind breit gestreut. Fünfmal trat er diesmal als Torschütze in Erscheinung und hatte einen lupenreinen Hattrick zu verbuchen. Schippo ist außerdem extrem schnell, weshalb er normalerweise als Einwechselspieler, wenn die übrigen Kräfte auf dem Rasen erlahmen, seine größte Wirkung entfaltet.

Elyounoussi war neben Schipplock der auffälligste Akteur auf dem Rasen. Unermüdlich war er rechts, links und in der Mitte unterwegs, schoss ein Tor, bereitete eines vor, vergab dazu noch ein paar gute Chancen – und bestach durch seine besondere Spielintelligenz, nicht zuletzt bei Tempovorstößen. Wie es aussieht, hat er eine gewisse Müdigkeit überwunden, die er in der letzten Saison noch mit sich herumschleppte, als er ohne Sommerpause aus Norwegen zur TSG gekommen war.

Neben Firmino fehlten angeschlagen auch Beck und Salihovic. Und so spielte Strobl, Hoffenheims Allzweckwaffe, diesmal auf der Position des rechten Verteidigers. Er machte seine Sache gut, nicht anders, als wenn er gelegentlich auf der Sechs spielt, im offensiven Mittelfeld oder als Innenverteidiger. Einen so variablen Spieler braucht jedes Team. Nur als Torhüter wird er vermutlich nicht in Erscheinung treten. Aber wer weiß: Großkreutz, der ähnlich variabel ist, musste gegen Hoffenheim auch schon mal das Tor des BVB hüten.

Die Innenverteidigung mit Süle und Bicakcic hatte nicht übermäßig viel zu tun, Kim war auf der linken Defensivbahn unterwegs. Aber alle drei wirken jetzt schon eingespielt. Die Doppelsechs, durch Schwegler und Polanski besetzt, machte zuversichtlich, dass von dort her keine Gefahr mehr für das eigene Tor droht, aber umso mehr Gefahr für das Tor des Gegners ausgeht. Schwegler musste in der ersten Halbzeit leider leicht lädiert vom Platz, als Vorsichtsmaßnahme, für ihn kam Rudy, der sich in manchen Situationen etwas verzettelte.

Im Sturm wirkte Szalai, der sich wie Bicakcic einmal als Torschütze eintragen konnte, noch nicht ganz in die Abläufe eingebunden. Das wird aber von Spiel zu Spiel sicher zunehmen, so dass seine jetzt schon sichtbare körperliche Präsenz, sein mannschaftsdienliches Spiel und seine Torgefährlichkeit den Fans vermutlich noch viel Freude machen werden. Modeste, in der zweiten Halbzeit eingewechselt, verkörperte ebenfalls viel Spiellaune und Torgefahr, er erzielte das 9:0 in der 90. Minute. Wenn Modeste in Hoffenheim bleiben sollte, wird es spannend sein zu sehen, wer von den beiden sich durchsetzt.

Aber was ist mit Volland? In einem Spiel, das die TSG fast durchgängig von der Mittellinie nur nach vorn absolvierte, wurde Hoffenheims Offensivdiamant selten auffällig. Wie gegen Ende der letzten Saison spielte er sich oft fest, auch in einfacheren Situationen, und wirkte irgendwie uninspiriert und leer. Hat ihm Firmino als kongenialer Partner gefehlt? Oder hat das große Gewese um seine Fast-Nominierung zur WM ausgerechnet ihn, den Bodenständigen, ausgelaugt? Unmöglich wäre das nicht, so ein großer Medienrummel kostet mehr Energie, als in jungen Jahren locker zu verdauen ist. Aber davon dürfte sich Volland bald erholen. Und man muss bedenken, wieviel Kraft er in der letzten Saison gelassen hat, als Vorbild an intelligenter Kampflaune und exzessivem Dauerläufertum.

Das Weiterkommen im Pokal war unterm Strich nie gefährdet, was Mainz, Augsburg und Paderborn gern auch von sich sagen würden. Dass die Mannschaft in der zweiten Halbzeit den Fuß etwas vom Gaspedal genommen hat, war nur verständlich. Niemand wollte sich mehr auspowern oder verletzen, bevor es am kommenden Wochenende an den Ligastart geht. Und so ist auch die Aussagekraft dieses 9:0 begrenzt. Erst gegen Augsburg am Samstag wird man klarer sehen können, wo die TSG steht. Das große Kribbeln beginnt…

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