Vorschau USC Paloma

Favorit Nummer eins für die Gesangsuntermalung in Hamburg, wenn der USC Paloma im Pokal 1899 Hoffenheim empfängt, wäre natürlich Hans Albers gewesen. Aber weil er nicht mehr unter den Lebenden weilt, hat man bei Freddy Quinn angefragt, inzwischen auch schon 83 Jahre alt. Der jedoch wollte oder konnte nicht, und so wird am Sonntag vor dem Spiel der HHLA-Shanty-Chor im Stadion Hoheluft „La Paloma“ und „In Hamburg sagt man tschüss“ anstimmen.

„In Hamburg sagt man tschüss“ ist ein Evergreen von Heidi Kabel, der Hamburger Schauspiellegende, die leider auch nicht mehr lebt. Als charmant-provokanten Gruß an die Hoffenheimer Erstligatruppe gerichtet, soll er darüber hinaus in den eigenen Reihen Stimmung verbreiten. Gedacht ist natürlich an ein „tschüss“ nach dem erhofften Sieg des USC Paloma – aber ausgeschlossen ist es nicht, dass die Hoffenheimer sich, falls sie das Spiel gewinnen, ebenfalls mit „tschüss“ verabschieden. „Alla“ würde im hohen Norden ja eh niemand verstehen.

Von daher ist das Spiel also offen. Statistische Daten zu wälzen, bringt auch nichts, es gibt keine. Die beiden Vereine haben eben noch nie gegeneinander gespielt. Zieht man die jeweils letzten Partien zurate, ist USC Paloma allerdings im Vorteil. Gegen Curslack-Neuengamme, das dem Vernehmen nach hinter den Elbdeichen liegt, gelang am vergangenen Wochenende ein 3:2, während Hoffenheim sich mit einem 1:1 gegen CFC Genua begnügen musste. Bleibt zuletzt noch der Liga-Vergleich: Fünftligist gegen Erstligist.

Die Ligazugehörigkeit sollte die Verhältnisse ausreichend beschreiben. Wie kann ein Fünftligist einen Erstligisten besiegen? So unmöglich das scheint, es hat so etwas schon gegeben. Im Jahr 2001 schaltete der Fünftligist Ulm den Erstligisten Nürnberg im DFB-Pokal mit 2:1 aus – Schiedsrichter war damals schon Thorsten Kienhöfer. Und auch in England gelang dieses Kunststück: 2013 warf Luton Town als Fünftligist den Erstligisten Norwich City mit 1:0 aus dem FA-Cup.

USC Paloma vs. HoffenheimTrotzdem: Alles andere als das Weiterkommen der TSG wäre eine Mega-Sensation, auch wenn „der Pokal seine eigenen Gesetze“ hat, wofür der Autor dieser Zeilen gleich noch drei Euro in sein eigenes Phrasenschwein tun muss. Aber zu sicher sollte man eben auch nicht sein. Selbstzufriedenheit und Unterspannung können den Kopf leer und die Beine müde machen. Und genau darauf wartet Paloma nur. Für den Pokal-Hit am Sonntag hat der Verein extra einen Kampagnenfilm drehen lassen, der die wilde Entschlossenheit der Hamburger demonstrieren soll. Darin treten die Spieler im Stil der Maori-Kriegstänze beim Rugby an, wie man es von den Neuseeländern All-Blacks kennt. Der Link dazu: https://www.youtube.com/watch?v=ZDTcXCuQE54

Für Stimmung und Unterhaltung ist also gesorgt, filmisch, musikalisch und sicher auch fußballerisch. Selbst blau-weiße Blumenkränze aus Papier hat Paloma inzwischen vorbereitet – und damit ungewollt auch die Hoffenheimer Farben aufgelegt… Die Reise nach Hamburg könnte also lohnenswert sein. Am Ende kann und darf es allerdings nur einen Sieger geben: 1899 Hoffenheim!

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Alexander H. Gusovius