Saisoneröffnung gegen Genua

Mehr Wetterglück geht nicht – statt angekündigter Regenmassen schien am Familientag durchweg kräftig die Sonne. Dazu Wind wie am Meer, damit es niemandem zu heiß wurde. Die über 15.000 Besucher, erst draußen vor der Arena, danach drinnen beim Spiel gegen Genua, zuletzt beim Autogramm-Marathon durch die Reihen der Spieler, genossen den Tag sichtbar.

Durchweg fröhliche Gesichter auf den vollbesetzten Bierbänken sowie lange Kinder-Schlangen vor den Attraktionen am Rand der WIRSOL Rhein-Neckar-Arena prägten das Bild. Die Botschaft dahinter, von den Besuchern sozusagen selbst verbreitet: Hoffenheim macht Spaß. Der familiäre Zusammenhang der diesjährigen Saison-Eröffnung war ein Spiegel jener guten Laune, die 1899 Hoffenheim in der vergangenen Saison mit viel Spektakel wieder in den Kraichgau holen konnte. Die sportliche Rückkehr zu den Wurzeln wird von den Menschen, für die sie gemacht ist, also den Fans, spürbar angenommen.

Oliver Baumann

Als um 15 Uhr das Freundschaftsspiel gegen CFC Genua angepfiffen wurde, waren die Erwartungen ebenso groß wie die Neugier auf die neuen Spieler: Bicakcic, Kim, Schwegler, Szalai, Baumann. Bis auf Schwegler, der sich im Training leicht verletzt hatte, waren die Neuen auch in der Startaufstellung alle dabei. Und machten „bella figura“: Baumann im Tor wirkte wie Innenverteidiger Bicakcic sehr souverän, Kim überzeugte hinten links durch pfeilschnelle Übersicht und Szalai durch gefahrvolle Unruhe im Sturm. Ansonsten legte die TSG los wie die Feuerwehr, die Neuen wirkten jetzt schon voll integriert.

Kim

Mit 45:0 Toren im Rücken aus den letzten Testspielen war auch nichts anderes zu erwarten. Hoffenheim lief bei gegnerischem Ballbesitz die Räume ebenso aufwendig wie effizient zu, so dass Genua in den ersten 20 Minuten fast nichts anderes übrig blieb, als den Ball hinten in den eigenen Reihen zirkulieren zu lassen. Meist nicht sehr lang, denn Hoffenheims Spiel gegen den Ball führte zu vielen Ballverlusten mit anschließendem Tempofußball der TSG gegen das Tor. Schon in der sechsten Minute gelang es Elyounoussi, steil geschickt, den Ball im Netz zu versenken.

Es gab einige gute Chancen, den Vorsprung auszubauen. Kombinationen von Firmino, der körperlich nochmals robuster wirkt, Volland, Szalai und Elyounoussi stellten Genuas Abwehr immer wieder vor Probleme. Dazu erwiesen sich manche Einwürfe von Kim auf der linken Seite als regelrechte Waffe. Ohne lang zu zögern und dann Bogenlampen ins Getümmel zu werfen, schleudert er den Ball fast waagerecht über mittlere Distanzen aus den Händen und gibt damit Vorlagen, wie sie sonst nur mit dem Fuß gelingen. Man darf gespannt sein, welchen Ertrag das im Ligabetrieb einspielt.

Szalai in der Sturmmitte ist permanent unterwegs, hat einen gewaltigen Schuss und fackelt nicht lang. Auch hier darf man gespannt sein. Er versteht sich jetzt schon gut mit Volland und Firmino, der in den ersten 20 Minuten einen Lattenkracher zu verzeichnen hatte. Gegen Mitte der ersten Halbzeit schaltete die TSG-Offensive allerdings einen Gang zurück, die harten Trainingswochen forderten ihren Tribut. „Man hat heute gesehen, dass wir zuletzt viel gearbeitet haben, in der kommenden Woche müssen wir dosieren“, sagte ein zufriedener Trainer Gisdol nach dem Spiel.

Eugen Polanski

Genua nutzte die sich ergebenden Räume, um endlich selber offensiv tätig zu werden, so dass nun Bicakcic und Baumann öfter in Aktion zu sehen waren, was ja auch interessant war. Bicakcic, so der erste Eindruck, scheint mit Süle gut zu harmonieren, er kümmerte sich neben seinen defensiven Aufgaben auch um die Spieleröffnung und brillierte wie Kim einmal bei der Rettung als letzter Mann. Baumann
wiederum glänzte ein paarmal bei den zunehmenden Genueser Angriffen, die von massivem Einwechseln der stark besetzten Hoffenheimer Bank natürlich begünstigt wurden. Zuletzt gelang in der 80. Minute sogar der Ausgleich, nachdem in der 70. Sali einen Elfer nach Foul an Schipplock vergeben hatte. Ein Zweikampf-Cut von Polanski kurz vor Spielende sorgte noch einmal kurzfristig für Aufregung. Polanski konnte nach ärztlicher Behandlung aber weitermachen.

Roberto Firmino

Fazit: 1899 Hoffenheim wirkt gut aufgestellt und gut vorbereitet, das neue weiß-blaue Trikot sieht umwerfend aus. Der Kader hat an Substanz zugelegt, ohne dass die Leichtigkeit verloren ging. Dabei soll nun die nächste Phase im Hoffenheimer Spiel eingeleitet werden – nicht mehr vornehmlich Ballerobern, Umschalten und heiße Angriffe, sondern zusätzlich auch intelligenteres, aufwendigeres Positionieren im Mittelfeld, um dem Gegner im freien Wechselspiel 4-2-3-1 oder 4-4-2 mit Raute noch weniger Räume anzubieten. Jetzt geht es erstmal nach Hamburg, um im Pokal gegen USC Paloma die nächste Runde zu erreichen, und dann erwartet die TSG zum Liga-Auftakt Augsburg. Wie es aussieht, ist alles gut gerichtet.

Fotografie Uwe Grün, Kraichgaufoto

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Alexander H. Gusovius