Die Gegengerade, das unbekannte Wesen

Mancher, der die Gegengerade der WIRSOL Rhein-Neckar-Arena nie betreten hat, hält sie für eine Art Raumschiff von Aliens. Und ausgerechnet von dort geht jetzt ein neuer Blog an den Start? Ein Hoffenheimblog für Aliens? Es ist an der Zeit, das „Raumschiff Gegentribüne“ zu landen und einen Blick hinein zu werfen…

Rhein-Neckar Arena

Wer sind die vielen Zuschauern auf der Gegengerade wirklich? Leibhaftige Fans? Ja, es sind echte Fans, ich kann jeden beruhigen, der sich darüber Gedanken macht, weil ich die Spiele der TSG selber von der Gegentribüne aus sehe. Zusammen mit meiner Frau, die eingefleischter TSG-Fan ist – wie ich auch. Und um uns herum sitzen Menschen wie du und ich, Menschen mit Hoffe-Schals, Menschen, die mitfiebern und aufspringen, begeistert klatschen oder verzweifeln, anfeuern oder motzen, die ihre Lieblingsspieler haben und über viel Sachkenntnis verfügen.

Eines unterscheidet uns vielleicht doch, zum Beispiel von den Fans aus der Südkurve. Wir haben es nicht so mit dem dauerhaften Singen und Skandieren, wir handeln nicht wie aus einem Guss, wir entscheiden selbst, wann wir uns oder unsere Stimme erheben. Wir, das sind Frauen und Männer, Kinder und Greise, Handwerker und Ärzte, Arbeiter und Anwälte, Arbeitslose und Angestellte, Selbständige und Unternehmer – ein buntes, lebhaftes Gemisch, ein echter Querschnitt der Bevölkerung! Und alle eint die Liebe zum Fußball und zur TSG. Ganz normale Menschen also, weit und breit keine Aliens in Sicht…

Nachdem die UFO-Frage schon mal geklärt ist, bleiben zwei Begriffe zu hinterfragen. Da ist zum einen das Wort „Edel-Fan“. Ja, etwas in der Art gibt es tatsächlich auch auf der

Stadion

Sinsheimer Gegengerade. Es handelt sich dabei um jene selteneren Exemplare von Menschen, die zu Fußballspielen der TSG 1899 Hoffenheim gehen, um teilzuhaben an der Stimmung, die von „richtigen“ Fans erzeugt wird, und um möglichst berauschenden Fußball zu erleben, ohne deswegen zu den Fußballverrückten zu zählen. Und was ist daran falsch? Darf man wirklich nur ins Stadion gehen, wenn man fußballverrückt ist? Außerdem werden Edel-Fans später oft zu echten Fans. Die Chance sollte man niemandem nehmen!

Zum anderen gibt es das unschöne Wort „Nörgelgerade“, das man manchmal hört, wenn die Gegengerade gemeint ist. Damit soll gesagt sein, dass die „Gegengeradler“ nicht so frenetisch bei der Sache sind und eher mal Kritik oder Pfiffe loslassen, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Ich kann das nicht unterschreiben – Pfiffe höre ich von überall her, auch vonseiten der Südkurve, nur zu anderen Gelegenheiten. Der Begriff „Nörgelgerade“ ist ohnehin grundfalsch. Die Gegengerade ist kein Sammelbecken von Miesmachern, denen es niemand recht machen kann, im Leben oder im Fußball. Im Gegenteil ist die Gegengerade ein besonders sympathischer Ort, der das Leben und den Fußball in allen Facetten wiederspiegelt. Friedliche Fans aller Altersklassen und sozialen Herkunft findet man da versammelt, in deren Mitte man sich richtig wohlfühlen und mit der TSG mitgehen kann. Von hier aus wird der neue Hoffenheimblog berichten, wenn der Ball endlich wieder rollt…

Fotografie Uwe Grün, Kraichgaufoto

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